Treffen in Berlin

Barack Obama hält Rede im ehemaligen Staatsratsgebäude

Ex-US-Präsident Obama ist in Berlin. Am Sonnabend hält er in Mitte ein "Town Hall Meeting" mit 300 Teilnehmern ab.

Barack Obama spricht in Berlin zu jungen europäischen Führungskräften.

Barack Obama spricht in Berlin zu jungen europäischen Führungskräften.

Foto: Reuters

Berlin. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hält am Sonnabendnachmittag in Berlin-Mitte ein Treffen mit 300 Teilnehmern im ehemaligen Staatsratsgebäude ab. Heute beherbergt es die European School of Management and Technology. Selbst die geladenen Gäste wussten am Freitag noch nicht, wo und wann diese Veranstaltung stattfinden solltre.

Obama hatte 300 junge Europäer nach Berlin eingeladen, um mit den Nachwuchsführungskräften aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft über Lösungen für die großen Probleme der Welt zu sprechen. Mit seiner Rede in Köln und der Veranstaltung in Berlin versucht die Obama-Stiftung, in Europa Fuß zu fassen.

Das Town Hall Meeting im Livestream

Am Freitag war Obama mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem anderthalbstündigen Meinungsaustausch zusammengekommen. Das Treffen fand im Kanzleramt statt. Zentrales Thema dürften die angespannten transatlantischen Beziehungen gewesen sein.

Für Philipp von der Wippel geht ein mit dem treffen mit Obama Traum in Erfüllung. „Barack Obama ist das Vorbild meiner Kindheit gewesen“, sagt der 23-Jährige. Er gehört zu den jungen Nachwuchsführungskräften, die den ehemaligen Präsidenten treffen werden. Von der Wippel hat bereits als 16-Jähriger in Berlin das „ProjectTogether“ gegründet. Das Unternehmen hat bereits 700 Firmengründer aus der Sozialbranche gefördert, beraten und zusammengebracht. „Das Projekt ist aus dem starken Gefühl der Dringlichkeit entstanden, soziale Probleme zu lösen“, sagt von der Wippel. „Mich interessiert vor allem Obamas Perspektive darauf, Brücken zwischen kleinen Sozialunternehmen und der nationalen und internationalen Politik zu bauen“, so der junge Unternehmensgründer.

Die Obama Foundation wurde 2014 gegründet und bündelt die Aktivitäten des ehemaligen Präsidenten nach seiner Amtszeit. Mit der Stiftung will Obama junge, engagierte Menschen zusammenbringen und unterstützen.

Die Stiftung bringt junge, engagierte Menschen zusammen

Aminata Touré steht schon länger in Kontakt zur Stiftung des Ex-Präsidenten. Im vergangenen November war sie mit einer Gruppe afrikanischstämmiger Europäer in Washington. Nun hat die Stiftung auch sie nach Berlin eingeladen, um mit Obama zu sprechen. „Ich verspreche mir von dem Treffen, Kontakte zu anderen jungen Menschen zu knüpfen, die in den gleichen Themengebieten arbeiten wie ich“, sagt Touré. Es gehe darum, von der Erfahrung des Präsidenten zu profitieren und schon in jungen Jahren Netzwerke zu knüpfen, die den Betreffenden für das Berufsleben weiterhelfen.

Die 26-Jährige ist die jüngste Abgeordnete im Landtag von Schleswig-Holstein. Touré wurde kurz nach der Flucht der Eltern aus Mali in Deutschland geboren und wuchs die ersten fünf Jahre in einer Flüchtlingsunterkunft auf. Nach dem Abitur studierte sie Politikwissenschaft und französische Philologie, seit 2017 sitzt sie im Kieler Landtag.

Obamas besondere Beziehung zu Berlin

Dass Obama Berlin für sein „Town Hall Meeting“ ausgewählt hat, ist kein Zufall. Mit der Hauptstadt verbindet ihn eine besondere Beziehung. Im Jahr 2008 hielt er seine legendäre Rede als Präsidentschaftsbewerber vor der Siegessäule. 200.000 Menschen jubelten ihm zu. In der weltweit übertragenen Ansprache hielt Obama damals ein Loblied auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen, sprach über die Entbehrungen in der Zeit der Blockade des Westteils der Stadt durch die damalige Sowjetunion und die Unterstützung und die Hoffnung, die die Luftbrücke der Stadt bescherte. Berlin habe die Flamme der Hoffnung auch in den dunkelsten Stunden hochgehalten. Dann formulierte Obama in Anlehnung an Ernst Reuter den berühmt gewordenen Satz: „People of the world – look at Berlin“ („Ihr Völker der Welt – schaut auf Berlin“).

Mit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump hat sich die Euphorie in den deutsch-amerikanischen Beziehungen gelegt. Mit seiner Stiftung versucht Obama offenbar, dem Geist der damaligen Zeit neues Leben einzuhauchen. „Es gibt eine neue Generation junger Menschen, getrieben von Idealismus und Vorstellungskraft, die zusammenstehen, die neue Ideen voranbringen, die Regierungen in die Pflicht nehmen und die Menschenwürde voranbringen“, sagte Obama, als er sich 2016 bei einem Auftritt in Hannover an die europäische Jugend wandte. Die Berliner dürfen gespannt sein, wie der rhetorisch versierte Ex-Präsident die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Hauptstadt für sich und seine Sache einnehmen will.