BVG-Tarifstreit

BVG-Warnstreik am Montag - Diese Buslinien fahren trotzdem

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Thomas Fülling
Am morgigen Montag (1. April) kommt es in Berlin zu einem ganztägigen Warnstreik der BVG-Mitarbeiter.

Am morgigen Montag (1. April) kommt es in Berlin zu einem ganztägigen Warnstreik der BVG-Mitarbeiter.

Foto: Britta Pedersen / picture alliance / dpa

Am 1. April kommt es bei der BVG zu einem Warnstreik. Deshalb will die S-Bahn zusätzliche Züge einsetzen. Auch einige Buslinien fahren.

Berlin.  Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) kommt es am morgigen Montag (1. April) zu einem weiteren Warnstreik. Die Gewerkschaft Verdi rief am Donnerstag sämtliche Beschäftigte auf, ganztägig die Arbeit niederzulegen. Damit dürften weder U-Bahnen noch Straßenbahnen sowie nur wenige Busse fahren. Die S-Bahn ist nicht betroffen. Der Streik startet am Montag mit Betriebsbeginn.

Es ist der dritte und härteste Warnstreik in der laufenden Tarifrunde. Zuvor waren die Tarifverhandlungen am Donnerstag ergebnislos beendet. „Eine Einigung im Tarifkonflikt war aufgrund des von der Arbeitgeberseite vorgelegten Angebotes nicht möglich. Leider profitieren längst nicht alle Beschäftigten von den Erhöhungsschritten, die die Arbeitgeber beabsichtigten“, erklärt ver.di-Verhandlungsführer Jeremy Arndt.

Streik bei der BVG am Montag: Alle Informationen in Kürze

• Am Montag, 1. April, fahren in Berlin keine U-Bahnen, keine Tram und nur wenige Busse.

• Der Streik startet zum Betriebsbeginn um 3.30 Uhr und dauert den ganzen Tag an.

• Die S-Bahn in Berlin fährt regulär. Das Unternehmen gehört zur Deutschen Bahn und ist vom Streik nicht betroffen. Auch der Regionalverkehr der Bahn fährt wie gewohnt.

• Die S-Bahn kündigt an, „Betriebsreserven“ zu mobilisieren und mehr Züge einzusetzen. Außerdem werde es von 5 bis etwa 18 Uhr rund 80 zusätzliche Fahrten auf der S5 zwischen Mahlsdorf und Warschauer Straße geben. Die DB-Regionalzüge werden am Montag nach Fahrplan verkehren. Fahrgäste müssen dennoch mit sehr vollen Zügen rechnen, wie das Unternehmen mitteilte.

• Folgende von Subunternehmern betriebene Buslinien werden während des Warnstreiks komplett fahren: 106, 161, 162, 163, 168, 175, 179, 218, 234, 263, 275, 284, 320, 322, 334, 341, 349, 363, 365, 371, 373, 380, 399.

• Folgende Linien fahren mit leichten Einschränkungen: 112, 140, 184, 283, 370 und 893. Die Linie 390 ist nur in den frühen Morgenstunden regulär im Einsatz.

• In Betrieb sind die BVG-Fährlinien.

• Probleme gibt es vor allem für Passagiere am Flughafen Tegel. Der innerstädtische Airport TXL ist ohne Verkehrsmittel der BVG nur schwer erreichbar. Die Flughafengesellschaft will ab S-Bahnhof Jungfernheide einen unregelmäßigen Not-Shuttleservice anbieten.

• Die vorangegangenen Streiks bei der BVG in Berlin verliefen vergleichsweise glimpflich, das befürchtete Chaos blieb aus.

Die BVG teilte am Freitag mit: „Wir bedauern sehr, dass die Gewerkschaft Verdi den Tarifkonflikt erneut zu Lasten unserer Fahrgäste austrägt.“

Den vom Igeb geforderten Notfahrplan wird es nicht geben

Den vom Berliner Fahrgastverband Igeb geforderten BVG-Notfahrplan zur Absicherung eines Mindestangebots im Hauptstadt-Nahverkehr wird es nicht geben. Voraussetzung dafür ist laut BVG ein ausreichender Zeit-Vorlauf sowie eine klare Aussage, wie viele Mitarbeiter am Streiktag arbeiten würden. „Uns reicht ja nicht eine bestimmte Anzahl an Fahrern, es müssen ja auch die Leitstellen sowie die Werkstätte besetzt sein“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken. Für Verdi kommt ein solcher Einsatz aber nicht in Frage. „Streik ist Streik“, sagte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann. Niemand von den BVG-Beschäftigten würde sich auf eine Tätigkeit als Streikbrecher einlassen. „Wir verstehen den Ärger vieler Fahrgäste. Aber der Streik ist unser einziges Mittel, um Druck auf die Arbeitgeber auszuüben“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt der Berliner Morgenpost.

Flughafen Tegel

Da es keine S-Bahn-Verbindung gibt, ist der Flughafen Tegel am Streik-Montag wieder komplett vom öffentlichen Nahverkehr abgeschnitten. Wie bei den vorangegangenen beiden Warnstreiks will die Flughafengesellschaft wieder Shuttlebusse einsetzen, die die Fluggästen zur nächstgelegenen S-Bahn-Station, den Bahnhof Jungfernheide bringen oder von dort abholen.

Laut Flughafensprecher Daniel Tolksdorf werden insgesamt sechs Busse von 5 Uhr bis voraussichtlich 24 Uhr im Einsatz sein. „Dieses Mal haben wir nicht nur Reisebusse, sondern auch Niederflurbusse dabei, in die leichter eingestiegen werden kann“, sagte Tolksdorf der Berliner Morgenpost.

Trotz des „unregelmäßigen Shuttleverkehrs“ mit Bussen empfiehlt der Flughafensprecher den Reisenden, so viel Zeit für die Anreise einzuplanen, dass man den gut drei Kilometer langen Weg vom S-Bahnhof bis zum Terminal auch zu Fuß zurücklegen kann. „Der Montag gehört traditionell zu den verkehrsreichsten Tagen in der Woche. Wir erwarten mehr als 65.000 Fluggäste“, so Tolksdorf.

In den Terminals will die Flughafengesellschaft zusätzliches Personal zur Betreuung der Reisenden einsetzen. Aus diesem Grund bleibt am Montag auch die Aussichtsterrasse des TXL geschlossen.

Auch Graffiti-Sprayer freuen sich auf den Streik

Auch in der Berliner Graffiti-Szene wird sich auf den Streiktag vorbereitet, wie dieser Tweet auf Facebook zeigt. Denn am Montag stehen zahlreiche U-Bahn-Züge den ganzen Tag über in den unterirdischen Abstellanlagen und können - wie schon am 15. Februar zu beobachten war - in aller Ruhe besprüht werden. Die BVG will das verhindern. „Alle, U-Bahnhöfe werden ohne Ausnahme zugesperrt“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken. Auch die Sicherheitszentrale der BVG sei am Streiktag besetzt, betonte sie.


Fahrgastverband: BVG ist nicht ausreichend auf Streiks vorbereitet

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind aus Sicht des Fahrgastverbands Igeb nicht ausreichend auf Streiks vorbereitet. „Wir brauchen endlich für solche Fälle einen verbindlichen Notfahrplan, insbesondere für den abgehängten Stadtrand“, teilte der Vizevorsitzende Jens Wieseke mit. Die Interessengemeinschaft Eisenbahn, Nahverkehr und Fahrgastbelange Berlin (Igeb), verlangt gesetzliche Vorgaben, damit in solchen Fällen Notfahrpläne garantiert sind, etwa für Fahrten zu Flughäfen, wichtigen S-Bahnhöfen und Krankenhäusern.

Berlin-Blockade: Fahrgastverband fordert Notfahrplan

Der CDU-Politiker Oliver Friederici forderte, dass eine überparteiliche Instanz den Tarifkonflikt schlichte. „Die Verhandler haben sich in der Tat verhakt“, erklärte der Verkehrspolitiker auf 105,5 Spreeradio. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) als Aufsichtsratschefin müsse sich darum kümmern. Auch der FDP-Politiker Florian Swyter forderte, schnell eine Lösung zu finden. „Die Verkehrssituation in der Hauptstadt ist auch ohne Streiks genug belastet.“

BVG-Streik: Arbeitgeber hatten Angebot erhöht

Nach Angaben des KAV hat die Arbeitgeberseite zu Beginn der Verhandlung ihr Angebot noch einmal erhöht. „Wir haben heute ein Gesamtvolumen von jährlich 90 Millionen Euro ab dem Jahr 2019 in die Verhandlungen eingebracht. Das sind zehn Millionen mehr als unser zuletzt unterbreitetes Angebot,“ sagte die Verhandlungsführerin der Arbeitgeberseite Claudia Pfeiffer.

Demnach sollten rückwirkend zum 1. Januar die Löhne und Gehälter der mehr als 14.500 Beschäftigten der BVG und ihrer Fahrertochter Berlin Transport um durchschnittlich 17 Prozent oder rund 450 Euro pro Beschäftigtem steigen.

Im Gegenzug forderte die Arbeitgeberseite, dass die Gewerkschaft auf die geforderte Reduzierung der Wochenarbeitszeit für alle Mitarbeiter auf 36,5 Stunden verzichtet. Heute muss knapp die Hälfte der Beschäftigten des Landesunternehmens 39 Stunden ran. Das sind alle Kollegen, die seit 2005 eingestellt wurden.

Der Gewerkschaft Verdi reicht das Angebot nicht aus

Der Gewerkschaft reichte das Angebot nicht. „Leider profitieren längst nicht alle Beschäftigten von den Erhöhungsschritten, die die Arbeitgeber beabsichtigten“, begründete Arndt die Absage.

Die Wirkung auf die Einkommen der einzelnen Beschäftigten wäre sehr ungleich, hieß es: „Verdi lehnt eine Spaltung der Belegschaft entschieden ab.“ Die seit Anfang Februar laufenden Tarifgespräche bei der BVG gelten als kompliziert, weil sowohl über Einkommensverbesserungen als auch über die im Manteltarifvertrag geregelten Arbeitsbedingungen verhandelt wird.

BVG müsste 1100 Mitarbeiter zusätzlich einstellen

Die Arbeitgeber lehnen eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit ab, weil diese einen Mehrbedarf von mehr als 500 Beschäftigten zur Folge hätte. Diese müssten zusätzlich zu den 1100 Mitarbeitern gewonnen werden, die die BVG in diesem Jahr für den geplanten Ausbau des Angebots einstellen muss.

Dies wäre angesichts der aktuellen Arbeitsmarktlage nicht zu bewältigen, heißt es. Die seit Anfang Februar laufenden Tarifgespräche bei der BVG gelten als kompliziert, weil sowohl über Einkommensverbesserungen für die Beschäftigten als auch über die im Manteltarifvertrag geregelten grundsätzlichen Arbeitsbedingungen im Unternehmen verhandelt wird.

Neben einer Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf einheitlich 36,5 Stunden fordern die Verdi-Vertreter einen Wegfall der unteren Lohngruppen, die unterhalb des künftig im Berliner öffentlichen Sektor geltenden Mindestlohns von 12,67 Euro pro Stunde liegen.

In Berlin bereits zweimal zu Warnstreiks aufgerufen

Gefordert werden zudem Weihnachtsgeld auch für Neulinge und schnellere Gehaltssprünge sowie eine einmalige Sonderzahlung für Verdi-Mitglieder von einmalig 500 Euro.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatte Verdi seine Mitglieder bereits zweimal zu Warnstreiks aufgerufen. Am 15. Februar waren von Betriebsbeginn an bis 12 Uhr U-Bahnen, Busse und Trams der Verkehrsbetriebe bestreikt worden.

In einer zweiten Aktion vor zwei Wochen wurde der BVG-Busverkehr in der Stadt von einem Streik der Beschäftigten weitgehend lahm gelegt.

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