70 Jahre Luftbrücke

Rosinenbomber können vielleicht doch in Tempelhof landen

Der Verein will nun bei der Luftfahrtbehörde für den 16. Juni den Zwischenstopp einiger DC-3 in Tempelhof beantragen.

Ein Junge verfolgt während der Berlin-Blockade 1948/49 von einem Baum aus den Landeanflug eines Transportflugzeugs auf den Flughafen Tempelhof.

Ein Junge verfolgt während der Berlin-Blockade 1948/49 von einem Baum aus den Landeanflug eines Transportflugzeugs auf den Flughafen Tempelhof.

Foto: dpa Picture-Alliance / dpa / picture-alliance/ dpa

Gibt es doch noch eine kleine Chance für ein symbolisches Wiederaufleben der Berliner Luftbrücke? In der vergangenen Woche hatte die Berliner Morgenpost darüber berichtet, dass ein gemeinnütziger Verein Luftfahrtenthusiasten aus aller Welt eingeladen hat, um Mitte Juni mit ihnen an das Ende der Berliner Luftbrücke vor 70 Jahren zu erinnern. Dabei wurde aber auch bekannt, dass die mehr als 30 teilnehmenden „Rosinenbomber“-Piloten zwar am 15. und 16. Juni die Hauptstadt überfliegen wollen, jedoch – anders als ursprünglich gedacht – dort nicht zwischenlanden können. Der Hauptgrund dafür: die hohen und vor allem teuren Sicherheitsaufwendungen, die bei einer Landung etwa auf dem früheren Flughafen Tempelhof erforderlich sind. Der Verein sah sich außerstande, diese Kosten zu tragen.

Viele Berliner meldeten sich daraufhin in der Redaktion der Berliner Morgenpost, um ihr Bedauern über diese Entwicklung zu bekunden. „Ein Luftbrücken-Jubiläum ohne Rosinenbomber, das geht eigentlich nicht“, sagte etwa Joachim Kiau. Der heute 74 Jahre alte Tempelhofer verbindet eine besondere Beziehung mit dem Flughafen Tempelhof, über den die Alliierten 1948/1949 einen Großteil der lebensnotwendigen Hilfslieferungen auf dem Luftweg in den blockierten Westteil der Stadt brachten. Seine Familie lebte damals nicht nur in der Einflugschneise, sondern bekam später selbst zwei Carepakete. „Wir feiern in diesem Jahr 30 Jahre Mauerfall. Dieses historische Ereignis wäre ohne die vorangegangene Luftbrücke überhaupt nicht möglich gewesen“, sagte Kiau. Der Tempelhofer ist fest davon überzeugt, dass nicht nur er, sondern viele Berliner bereit seien, eine Landung der historischen Rosinenbomber in Berlin finanziell zu unterstützen.

Ein Sonderflug über Berlin ist bereits genehmigt

Gemeldet hat sich bei der Morgenpost auch ein Berliner Architekt, der gemeinsam mit Freunden die rund 20.000 Euro, die allein das Sicherheitskonzept für eine Tempelhof-Landung kosten soll, aufbringen will. Er hatte einst selbst am Flughafen gearbeitet. „Die Landepiste ist in Ordnung, die Befeuerung noch da. Es sollte uns doch gemeinsam gelingen, eine Landung der Rosinenbomber noch hinzubekommen – auch wenn das sicher ein ganz schöner Klimmzug ist“, sagte er. Allerdings ist unklar, wie viele Mittel insgesamt benötigt werden.

„Wir sind begeistert über die vielen positiven Reaktionen, die wir aus Berlin erhalten haben“, sagte Thomas Keller, Vorstandsmitglied im Förderverein „Luftbrücke Berlin 70“ am Montag. Er kündigte an, dass der Verein die Oberste Luftfahrtbehörde von Berlin und Brandenburg bitten will, die Landung zumindest einiger der historischen Rosinenbomber in Tempelhof zu prüfen. „Ich habe unter anderem mit einem Berliner gesprochen, der trotz seiner kleinen Rente 1000 Euro dafür spenden will. Auch wenn es schwierig ist: Wir wollen jetzt alles versuchen, eine Landung in Tempelhof doch noch möglich zu machen“, so Keller gegenüber der Morgenpost.

Dabei geht es nicht darum, dass alle Piloten einen Zwischenstopp in Berlin machen. Gedacht wird vom Verein jetzt daran, dass am 16. Juni vier, maximal fünf Maschinen in Tempelhof landen. Für diesen Sonntag hat die Luftfahrtbehörde bereits einen Sonderflug über Berlin genehmigt, der gegen 13 Uhr unter anderem über das Brandenburger Tor und den Flughafen Tempelhof führt.

Laut Keller könnte je ein Pilot aus den USA, Großbritannien und Frankreich mit ihren DC-3 auf dem historischen Flugfeld zur Landung ansetzen. Diese drei Länder gehörten damals zu den Besatzungsmächten von Berlin, die mit ihren Maschinen (vorwiegend vom Typ DC-3 und DC-4) dringend benötigte Lebensmittel, Medikamente und Brennstoffe in das auf dem Landweg blockierte Berlin brachten. Weil die Piloten aus ihren Cockpits oft auch Süßigkeiten für die Kinder abwarfen, wurden die Flugzeuge von den Berlinern damals liebevoll als Rosinenbomber bezeichnet.

Ein Signal der Völkerfreundschaft

Keller kann sich vorstellen, dass auch eine Maschine aus Russland in Tempelhof zu sehen sein werden. „Es Ende geht uns darum, von Berlin aus ein Signal der Völkerfreundschaft zu senden“, betonte der Mit-Organisator des Luftbrücken-Gedenkens. Insgesamt haben sich für die Jubiläums-Feierlichkeiten vom 10. bis 17. Juni bisher mehr als 30 Piloten aus 14 Nationen mit Original-Maschinen aus der Luftbrückenzeit angemeldet. Gut die Hälfte kommt dabei aus den USA. Heute gibt es nur noch wenige flugfähige DC-3 und DC-4, deren Erhalt mittlerweile als äußerst aufwendig und teuer gilt.

Der Berliner Senat hatte gleichfalls vorige Woche angekündigt, den 70. Jahrestag der Luftbrücke mit einem eigenen Fest auf dem früheren Flughafen Tempelhof würdigen zu wollen. Dazu werden am 12. Mai über 50.000 Gäste erwartet. Durch den gemeinsamen Einsatz der Berliner und der alliierten Mächte aus der durch Humanität getragenen Luftbrücke 1948/49 sei eine neue Verbindung zwischen Besatzern und deutscher Bevölkerung entstanden. „Durch die gemeinsame Erfahrung im Berliner Freiheitskampf sind die USA, das Vereinigte Königreich und Frankreich zu Schutzmächten und zu Freunden geworden“, sagte dazu Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).