Friedenauer Höhe

„Friedenauer Höhe“: Baustart für 1500 Wohnungen

Bis Ende 2023 soll zwischen Innsbrucker Platz und Handjerystraße in Friedenau eines der größten Neubaugebiete Berlins entstehen.

Das Neubauprojekt Friedenauer Höhe: Zwischen Innsbrucker Platz und Handjerystraße entstehen rund 1500 Wohnungen.

Das Neubauprojekt Friedenauer Höhe: Zwischen Innsbrucker Platz und Handjerystraße entstehen rund 1500 Wohnungen.

Foto: OFB Projektentwicklung GmbH

Berlin. Über das riesige Gelände pfeift der Wind. Von der Stadtautobahn und der Schöneberger Hauptstraße rauscht der Verkehr herüber, gelb-rot leuchtet die hinter einem Erdwall vorbeisausende S-Bahn. Noch breitet sich – abgesperrt durch einen Bauzaun und mitten in der Stadt – auf rund 60.000 Quadratmetern eine Sandwüste aus.

Bis Ende 2023 sollen hier, auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf, rund 1500 Wohnungen entstehen. Im April beginnen die Arbeiten für eines der größten Neubaugebiete Berlins. Dies kündigten Tobias Enders von der OFB Projektentwicklung und Jan Siggelkow von der Ten Brinke Berlin GmbH bei einer Baustellenbesichtigung an.

„Friedenauer Höhe“: Lange geplant und umstritten

Organisiert hatte die Begehung Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD), die in Friedenau ihren Wahlkreis hat. Sie spricht von einem „Highlight-Projekt“. Allerdings ist das lange geplante Vorhaben nicht unumstritten, zumal deutlich mehr Wohnungen gebaut werden als ursprünglich angekündigt. Anwohner der umliegenden Straßen befürchten, dass dadurch der Verkehr stark zunimmt.

Bei der Bürgerbeteiligung war einst nur von rund 900 Wohnungen die Rede. Der Bebauungsplan wurde nach intensiver Bürgerbeteiligung im August 2016 aber rechtskräftig festgesetzt. Mit dem Angebot, das nun größtenteils aus kleinen Wohnungen besteht, reagierten die Planer auf die veränderte Nachfrage.

Baugenehmigungen für Großteil der Wohnungen erteilt

Vor rund 80 Bürgern, darunter auch Mitglieder einer einst gegründeten Bürgerinitiative, stellten die Bauherrenvertreter das Projekt zwischen Innsbrucker Platz und Handjerystraße sowie den Zeitplan dafür vor. „Friedenauer Höhe“ wird es deshalb genannt, weil das Areal neben den Gleisen etwas erhöht liegt.

Demnächst könne es mit dem Erdaushub losgehen. „Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat vor einigen Tagen die Baugenehmigungen für den Großteil der geplanten Wohnungen erteilt“, gab OFB-Projektentwickler Enders bekannt.

Von den 1062 Wohnungen, die frei finanziert erstellt werden, seien bereits rund 537 genehmigt. Mit den nächsten Genehmigungen sei in der kommenden Woche zu rechnen. Bezirksbaustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) zufolge handelt es sich um das größte Bauvorhaben im Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Begonnen wird mit den Bauarbeiten an der Handjerystraße, wo geförderter Wohnungsbau entsteht. Die Ten Brinke Berlin GmbH Hochbau, die zu einem niederländischen Traditionsunternehmen gehört, will dort 245 sozial geförderten Wohnungen bauen, die später von der landeseigenen Wohnbaugesellschaft Howoge übernommen werden. Die Baugenehmigung läge bereits vor.

Günstige Wohnungen im April 2021 fertig

„Die Wohnungen werden voraussichtlich im April 2021 fertig sein“, kündigte Jan Siggelkow von der Ten Brinke Berlin GmbH an. „6,50 Euro netto kalt kostet der Quadratmeter.“ Geplant seien vor allem günstige 2- bis 3-Zimmer-Wohnungen und einige 4-Zimmer-Wohnungen. Wie hoch die Mieten für die frei finanzierten Wohnungen sein werden, steht hingegen noch nicht fest. Sie sollen zu marktüblichen Preisen angeboten werden.

Die frei finanzierten Wohnungen werden im Joint-Venture-Verfahren errichtet. Die OFB-Projektentwicklung ist ein Tochterunternehmen der Landesbank Hessen-Thüringen und gehört zur Helaba-Immobiliengruppe. Bei der BÖAG handelt es sich um ein Hamburger Familienunternehmen, das in vierter Generation geführt wird. Wer später die nicht geförderten Gebäude erwerben und dann vermieten wird, steht noch nicht fest.

Rund 10.000 Quadratmeter sind in dem neuen Stadtquartier für öffentliche Grünanlagen vorgesehen. Neben zwei Quartiersplätzen als Nachbarschaftstreffpunkte ist eine Grünanlage mit 60 großen Bäumen geplant sowie ein zentraler Spielplatz und ein Ruhegarten. Aber wird es auf dem Gelände nicht viel zu laut sein? „In drei Jahren werden Sie hier im Park sitzen und die Ruhe genießen können“, stellt Siggelkow bei der Ortsbegehung in Aussicht.

„Prora“ genannt – wegen der Riegelbauweise

Die Gebäude entlang der S-Bahn reihen sich zu einem Riegel aneinander, was ihnen von manchem kritischen Friedenauer abschätzig den Namen „Prora“ einbringt – in Anlehnung an den Wohnungskoloss auf Rügen. Die Bauweise sei aber aus Lärmschutzgründen bewusst gewählt, heißt es. Zur lauten Nordseite sollen sich lediglich die Fenster der Nebenräume wie kleinen Küchen öffnen lassen, zum Süden hin sind die Wohn- und Schlafräume ausgerichtet. Alle Wohnungen haben Balkon, Terrasse oder einen kleinen Garten.

Quartier weitgehend autofrei geplant

Eröffnet wird nach der Fertigstellung auch eine Kindertagesstätte mit 85 Plätzen, am Innsbrucker Platz ist ein Hotel oder ein Bürohaus geplant, Handel und Dienstleistungen kommen dazu. Der Edeka-Laden an der Handjerystraße wird während der Bauarbeiten voraussichtlich mindestens 15 Monate geschlossen. Er soll dann aber an gleicher Stelle im Erdgeschoss eines neu zu errichtenden Fünfgeschossers wieder eröffnet werden, wie Siggelkow ankündigt.

Das neue Quartier soll weitgehend autofrei gestaltet werden. So sind zwischen den Häusern Spielstraßen geplant und ein öffentlicher Fahrradweg führt durch das Stadtviertel. In der Tiefgarage sind rund 640 Parkplätze für Mieter vorgesehen. Außerdem ist Platz für rund 2500 Fahrräder. Dennoch, so machten Anwohner bei der Baustellentour deutlich, herrscht Besorgnis, dass der Verkehr in der Handjerystraße stark zunehmen wird. Eine Nachricht wurde aber mit Erleichterung aufgenommen: Der komplette Baustellenverkehr soll über die Zufahrt an der Hauptstraße abgewickelt werden.