Milliarden-Investitionen

In Tegel und Spandau liegt Berlins Zukunft

Drei neue Großprojekte werden in den nächsten Jahren ausgebaut. Tausende Arbeitsplätze sollen dort entstehen.

Auf dem Gelände des Flughafens Tegel soll nach der Schließung die Urban Tech Republic als Wissenschafts- und Technologiepark entstehen (Simulation).

Auf dem Gelände des Flughafens Tegel soll nach der Schließung die Urban Tech Republic als Wissenschafts- und Technologiepark entstehen (Simulation).

Foto: gmp Architekten

Berlins Nordwesten soll sich in den kommenden 20 bis 30 Jahren zu einem neuen wirtschaftlichen Kraftzen­trum der Hauptstadt entwickeln. Nur wenige Kilometer voneinander entfernt werden hier drei große Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsprojekte realisiert.

Die öffentlichen und privaten Investitionen für Bau, Verkehrserschließung und Infrastruktur summieren sich nach Schätzungen von Experten auf zehn bis zwölf Milliarden Euro. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hält diese Größenordnung für realistisch.

„Der Nordwesten der Stadt wird in eine neue Zeit katapultiert“, sagte die Staatssekretärin von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) der Berliner Morgenpost. Noch sei diese Region der Stadt „in den Köpfen der Berliner nicht so präsent“.

Kommentar: Die Nachnutzung des Flughafens Tegel ist eine Riesenchance

Flughafen Tegel: Urban Tech Republic soll entstehen

Die drei fast benachbarten Projekte umfassen schon allein eine erhebliche Größenordnung. Auf dem Gelände des Flughafens Tegel soll nach der Schließung die Urban Tech Republic als Wissenschafts- und Technologiepark entstehen, östlich davon das Kurt-Schumacher-Quartier mit mehr als 5000 Wohnungen wachsen. Insgesamt werden fünf Quadratkilometer Stadt neu gebaut. Es sollen 20.000 Arbeitsplätze entstehen, die die im Nordwesten mit der Tegel-Schließung wegfallenden Jobs mehr als kompensieren würden.

Mit dem im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachten Campus an der Nonnendammallee in Spandau hebt der Siemens-Konzern die Siemensstadt mit neuen Arbeitsplätzen und Wohnungen auf ein ganz neues Niveau. Allein 600 Millionen Euro will das Unternehmen in den Campus mit Labors, Platz für Start-up-Firmen, Forschung, Hotels und Wohnungen stecken, weitere Investoren sollen folgen.

Auf der ans Flughafengelände und an die Siemensstadt angrenzenden Insel Gartenfeld, die vom Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal und einer Abzweigung dieses Wasserweges umschlossen ist, plant der Senat eines der größten Wohnungsbaugebiete Berlins. 3700 Einheiten sollen die bestehenden, schlecht genutzten Gewerbegebiete ersetzen und dabei auch experimentelle Wohn- und Arbeitsformen ermöglichen.

Der Chef der Tegel Projekt GmbH, Philipp Bouteiller, der im Auftrag des Landes die Zukunft des Noch-Flughafengebäudes und -geländes plant, spricht von einer „einzigartigen Chance“ für Berlin. Die Nachfrage von Firmen, die sich neben der im alten Terminalgebäude anzusiedelnden Beuth-Hochschule niederlassen wollen, sei groß, so der Tegel-Projekt-Chef. Darunter seien Unternehmen, die mit dem autonomen Fahren arbeiten und dafür eine Teststrecke auf dem Gelände errichten wollen.

Wohnen und Gewerbe in Spandau nebeneinander

Dass neben dem eigenen Vorhaben jetzt der Siemens-Campus entsteht, sieht der Manager positiv. „Das stärkt unsere Aktivitäten zur Reindustrialisierung Berlins und gibt uns noch mehr kritische Masse“, sagte Bouteiller. Die drei Großvorhaben seien „thematisch miteinander verflochten“. Senatorin Lompscher spricht inzwischen von einem „vernetzten Entwicklungsschwerpunkt Berlin-Nordwest“.

Auch aus Sicht von Senatsbaudirektorin Lüscher ergänzen sich die drei Vorhaben. Habe man in Tegel noch Gewerbe und Wissenschaft vom Wohnen räumlich getrennt, werden beide Nutzungen auf dem Siemens-Campus integriert. Das sei planerisch anspruchsvoll, damit das Gewerbe das Wohnen nicht stört. Wegen der Bedeutung des Projekts sowie der inhaltlichen und räumlichen Verbindung der drei Gebiete weist Lüscher auch den Wunsch der Spandauer CDU zurück, das Bezirksamt solle die Planungshoheit für den Siemens-Campus übernehmen. Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) hatte kürzlich gegen ein Votum der Bezirksverordnetenversammlung die Verantwortung für die Siemensstadt 2.0 an den Senat abgetreten. Hauptverbindungsader zwischen den drei neuen Stadtteilen soll die Siemensbahn werden. Der Senat hat Siemens zugesagt, die 1980 stillgelegte S-Bahnstrecke vom Bahnhof Jungfernheide zu reaktivieren.

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