Wegen Investitionsstau

Feuerwehr bringt Schrott-Golf für 4800 Euro durch den TÜV

Die Berliner Feuerwehr lässt einen Schrott-Golf aufwendig wiederherstellen. Gemacht worden sei nur das „technisch Notwendigste“.

16 Jahre und immer noch im Einsatz: Ein Feuerwehr-Golf wie dieser kam für 4800 Euro noch mal durch den TÜV.

16 Jahre und immer noch im Einsatz: Ein Feuerwehr-Golf wie dieser kam für 4800 Euro noch mal durch den TÜV.

Foto: Privat

Berlin. Dass der Fuhrpark der Berliner Feuerwehr veraltet ist, wissen Experten schon seit geraumer Zeit. Weil Neubeschaffungen oft lange dauern, investierte Deutschlands größte Berufsfeuerwehr jetzt 4800 Euro, um einen Golf (Erstzulassung: 2003) noch einmal durch den TÜV zu bekommen. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Behördenkreisen.

Das Fahrzeug steht auf dem Gelände der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst Akademie (BFRA) an der Ruppiner Chaussee und hat aktuell 140.000 Kilometer auf dem Tacho. „Wir haben nur technisch notwendige Dinge reparieren lassen“, hieß es auf Nachfrage der Berliner Morgenpost bei der Behördenleitung.

Das 16 Jahre alte Fahrzeug gehört zu einem Teil des Fuhrparks bei der Berliner Feuerwehr, der zu Erkundungen bei Großlagen ausgeschickt wird. Das war etwa beim Herbststurm Xavier 2017 in Berlin der Fall. In solchen Ausnahmezuständen sendet die Behörde Erkunder auf die Straßen. Wenn die allerdings selbst liegenblieben und Hilfe brauchen, wäre das kontraproduktiv.

Eigentlich muss die Behörde 72 dieser Fahrzeuge vorhalten. Doch tatsächlich sind es nur 57. Im vergangenen Jahr wurde nicht ein neues Fahrzeug für diesen Teil des Fuhrparkes beschafft. Dieses Jahr sollen es fünf sein. „Das hat nicht die oberste Priorität. Wichtiger sind für uns die neuen Löschfahrzeuge“, sagte ein Behördensprecher auf Nachfrage.

Feuerwehr testet mehrere Elektro-Fahrzeuge

Der Investitionsstau bei der Feuerwehr ist groß. Laut Berechnungen der Senatsinnenverwaltung aus dem vergangenen Jahr benötigt die Behörde 160 Millionen Euro. Diese Summe sei für Fahrzeugbeschaffungen bis 2021 nötig, um dem Bedarf gerecht zu werden. Im Zuge des Doppelhaushaltes 2018/2019 sollen insgesamt 94 neue Fahrzeuge beschafft werden. Darüber hinaus wurden zusätzliche Mittel bewilligt, mit denen die Feuerwehr zwölf weitere Lösch-Hilfeleistungsfahrzeuge (LHF) und sowie je ein Rüstwagen, Drehleiter, Schwerlast-Rettungswagen und Mehrzweckboot beschafft werden.

Elektroautos von Nissan könnten den Golf ersetzen

Dabei will die Feuerwehr auch mehr auf Elektromobilität setzten. Derzeit beteiligt sich die Berliner Behörde an der Entwicklung eines Löschfahrzeuges mit Elektro-Motor. Das Projekt eines Münchner Herstellers ist noch in der Prototypen-Phase. Darüber hinaus sollen demnächst Elektro-Scooter in der Postverteilstelle rollen. Und es spricht einiges dafür, dass die 4800 Euro für den in die Jahre gekommenen Golf die letzte Reparatur gewesen sein könnten. Die Feuerwehr testet gerade vier elektrisch betriebene Nissan Leaf auf ihre Alltagstauglichkeit. Schneiden die Fahrzeuge gut ab, sollen sie vielleicht flächendeckend eingesetzt werden.