Fall Rebecca

So anstrengend ist die Arbeit für Leichenspürhunde

Nach Rebecca suchen spezielle Spürhunde. Sie können Menschen auch tief im Wasser finden. Doch ihr Job ist anstrengend.

Ein Leichenspürhund auf dem Boot der Polizei.

Ein Leichenspürhund auf dem Boot der Polizei.

Foto: Patrick Pleul, dpa

Berlin. Aufmerksam steht der Hund am Bug des kleinen Polizeibootes. Langsam geht es vorwärts auf dem Wolziger See in Brandenburg, südöstlich von Berlin. Gesteuert wird das Boot von zwei Polizisten, die den Hund anleiten. Seine Aufgabe: eine Leiche tief unter der Wasseroberfläche aufzuspüren. Eigens aus Nordrhein-Westfalen rückten vier Polizisten und zwei Hunde an, um die Berliner Mordkommission bei der Suche nach der seit einem Monat vermissten Schülerin Rebbeca zu unterstützen.

Alle Informationen zur Suche nach Rebecca lesen Sie bei uns im Blog.

Leichenspürhunde werden auch auf dem See eingesetzt

Gesucht wurde sowohl am Ufer wie auch auf dem See. Bis zu 13 Metern ist das Wasser tief. Leichenspürhunde, die auch noch für die Wassersuche ausgebildet sind, können sogar bei noch tieferen Gewässern erfolgreich sein.

Während die sogenannten Mantrailer lebende Menschen suchen und sich mit ihrer hochempfindlichen Nase an deren individuellem Geruch orientieren, riechen Leichenspürhunde Geruchsstoffe, die bei der Verwesung entstehen.

„Leichenspürhunde sind darauf konditioniert, Geruch von Blut und Verwesungsprozessen in unterschiedlichen Stadien anzuzeigen“, sagt Polizeidirektor Uwe Thieme, in NRW verantwortlich für die Aus- und Fortbildung im Bereich des Diensthundwesens der Polizei.

Ausbildung der Hunde dauert lange

Das erfordert viel Ausbildung und Training. „Es dauert sehr lange, bis die Hunde das können.“ Liegt ein gesuchter toter Körper im Wasser, ist die Suche eine andere als in einem Wald. Hilfreich sind Gase, die bei der Zersetzung menschlicher und tierischer Körper durch Bakterien entstehen. „Die Gase steigen in sehr, sehr feiner Konsistenz auf“, erklärt Thieme. „Und die Hunde sind in der Lage, Verwesungsstoffe in diesen Gasen zu riechen.“

Tiere bekommen ein besonderes Training

Für die Suche auf dem Wasser trainieren die Hundeführer ihre Tiere und gewöhnen sie an die veränderte Umgebung. „Im Einsatz liegen die Hunde auf einem extra Boot mit einer Ablagefläche vorne. Dann schnuppern sie in Richtung Wasser“, beschreibt Thieme das Vorgehen. Riecht der Hund einen Geruchsstoff, auf den er trainiert ist, signalisiert er das, etwa durch Knurren, Bellen oder Scharren.

Hund riecht aufsteigende Gase

Auf dem See grenzt die Polizei so einen bestimmten Bereich ein, in dem ein Körper weiter unten im Wasser liegen könnte. Dabei berücksichtigt sie auch Strömungen. Taucher werden dann dort zum Grund des Sees oder Flusses geschickt.

Der Erfolg der Suche nach einem ertrunkenen Menschen oder einer versenkten Leiche hängt weniger von der Tiefe des Wassers ab. „Entscheidend ist, was steigt da auf“, sagt Thieme. „Die Wassertemperatur spielt eine Rolle und die Zeitspanne, in der ein toter Körper bereits dort liegt.“ Hat ein Verwesungsprozess noch nicht begonnen oder ist er nach Jahren beendet, könne der Hund nichts erkennen. „Biologisch muss etwas abgebaut werden. Diesen Prozess kann der Hund riechen.“

Tiere können auch verletzte Menschen oder Tatwaffen finden

Über sechs Leichenspürhunde verfügt die Polizei in NRW, alle gehören zur Rasse der belgischen Schäferhunde, der Fachbegriff lautet Malinois. „Sie sind sehr robust und machen das sehr, sehr gut“, sagt Thieme. Stationiert sind die Hunde in der Kleinstadt Schloß Holte-Stuckenbrock südlich von Bielefeld in Ostwestfalen. Aber fast jeden zweiten Tag sind sie irgendwo in Nordrhein-Westfalen unterwegs. Gesucht werden nicht nur Leichen, die Hunde setzen sich auch auf die Spur von verletzten Menschen, möglichen Tatwaffen, an denen noch Blut kleben könnte, oder verdeckten Blutspuren.

Auch Experten außerhalb der Polizei halten ein solche Suche nach Leichen, selbst wenn sie im Wasser liegen, für erfolgversprechend. „Das funktioniert sehr, sehr zuverlässig“, sagt die Mantrailer-Ausbilderin Karina Kalks aus Österreich. „Der Wasserortungshund kann sehr exakt sagen, dass jemand unter Wasser liegt.“