Arbeitskampf

Therapeuten an Charité streiken am Mittwoch wieder

Rot-Rot-Grün ist sauer auf den Vorstand, weil er politische Vorgaben nicht einhält und Mitarbeiter ohne sachlichen Grund nur befristet einstellt.

Protest in der Dauerschleife: Wie vor der letzten Sitzung des Aufsichtsrates im Oktober wollen die ausgegliederten Therapeuten jetzt erneut streiken.

Protest in der Dauerschleife: Wie vor der letzten Sitzung des Aufsichtsrates im Oktober wollen die ausgegliederten Therapeuten jetzt erneut streiken.

Foto: imago stock / Christian Ditsch

Berlin.  In der Woche vor der Aufsichtsratssitzung der Charité wird der Frieden an Berlins Universitätsklinikum wieder einmal gestört. Die 180 Therapeuten, die in einer Charité-eigenen Tochtergesellschaft ausgegliedert sind, legen ab Mittwoch zum wiederholten mal die Arbeit nieder, um ihre Wiedereingliederung ins Stammhaus und eine Rückkehr in den an der Charité geltenden Tarifvertrag fordern. Der Streik soll auch nächste Woche weitergehen.

120 Therapeuten unterliegen keinem Tarifvertrag

Für den Vorstand um Charité-Chef Karl Max Einhäupl ist das Thema unangenehm und konfliktträchtig. Denn die rot-rot-grüne Koalition hat sich das Thema „gute Arbeit“ auf die Fahnen geschrieben und möchte nicht länger tolerieren, dass Landesunternehmen Beschäftigte zu schlechteren Konditionen in Billig-Töchter ausgliedern. Zudem sorgt im Abgeordnetenhaus für Verdruss, dass die Charité weiterhin Mitarbeiter ohne sachlichen Grund nur befristet einstellt.

Von den 180 ausgelagerten Ergo-, Physio- und anderen Therapeuten unterliegen 120 keinem Tarifvertrag und verdienen in der Tochterfirma CPPZ laut Gewerkschaft Verdi 500 bis 800 Euro weniger als die Mitarbeiter unter dem Charité-Tarifvertrag. Dabei arbeiten sie mit denselben Patienten und oft neben den besser bezahlten Kollegen.

Charité-Vorstand will ausgelagerte Tochterfirma nicht „rückeingliedern“

„Die Charité weigert sich, den politischen Willen ihres Eigentümers – des Landes Berlin – umzusetzen: gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu zahlen“, sagte ver.di-Verhandlungsführer Kalle Kunkel. Tatsächlich hat der Vorstand der Charité die Gewerkschaft wissen lassen, dass eine „Rückeingliederung“ der CPPZ durch den Vorstand nicht vorgesehen sei. Der Senat solle aber bis Ende März ein Konzept dafür vorlegen. Zuletzt hatte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) jedoch gesagt, er erwarte ein solches Konzept vom Vorstand.

Die Charité ist außerdem immer noch dabei, trotz politischen Verbots ohne Grund befristete Arbeitsverträge anzubieten. So wurde Mitte Februar eine Stelle für eine Sozialarbeiterin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ausgeschrieben, befristet auf zwei Jahre mit Option auf Verlängerung. Auch ein Patienten-Referent im Berlin Institute of Health soll nur für zwei Jahre angestellt werden. Offiziell beteuert die Charité, sie halte sich an die Vorgaben des Senats, auf sachgrundlose Befristungen zu verzichten. Nur noch acht Prozent der 14.000 Mitarbeiter seien befristet beschäftigt.

Landesunternehmen soll auf befristete Einstellungen verzichten

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Jörg Stroedter hält dieses Verhalten des Charité-Vorstandes für nicht akzeptabel. „Es kann nicht sein, dass sich ein Landesunternehmen in einem so zentralen Feld nicht an die politischen Vorgaben hält“, sagte Stroedter. Er droht damit, das dringend benötigte Geld für Investitionen in Operationssäle so lange zurückzuhalten, bis der Vorstand auf die Therapeuten zugeht und auf befristete Einstellungen verzichtet.