Stadtentwicklung

Wo in Berlin 200.000 neue Wohnungen entstehen sollen

Ein Senatsplan beziffert das Potenzial für Bauprojekte bis zum Jahr 2030. Auch bestehende Siedlungen sollen verdichtet werden.

So sieht der Stadtentwicklungsplan aus. Er ist noch nicht beschlossen.

So sieht der Stadtentwicklungsplan aus. Er ist noch nicht beschlossen.

Foto: BM/dpa/BM Montage

Berlin. Der Wohnungsbau ist das wichtigste Thema der Stadtpolitik für die nächsten Jahre. Der Senat bereitet seinen Stadtentwicklungsplan (Step) Wohnen vor, der Projekte, Potenziale und Instrumente auflistet, um den steigenden Wohnraumbedarf zu decken. Zumindest in der Theorie wäre das bis 2030 möglich. Glaubt man dem Step Wohnen, dessen noch nicht offiziell veröffentlichten Entwurf die Morgenpost ausgewertet hat, braucht Berlin bis zum Beginn des übernächsten Jahrzehnts 194.000 zusätzliche Wohnungen. Dazu wurde ein Potenzial von knapp 200.000 Wohnungen auf dem Stadtgebiet ermittelt.

90.000 davon werden als kurzfristig realisierbar eingeschätzt, 63.000 als mittelfristig, 47.000 als langfristig. Würden alle Freiraume genutzt, hieße das, dass der Wohnungsbestand in nur elf Jahren um mehr als zehn Prozent steigen würde. Ein Viertel der ausgeguckten Standorte gehört dem Land, ist somit grundsätzlich für billigere Bleiben geeignet, weil Bauherren nicht erst den hohen Grundstückspreis bezahlen müssen. Ein Blick auf die Karte, die die vielfältigen Standorte für neue Wohnungen in unterschiedlichen Stadien der Umsetzung und die verschiedenen Akteure aufzeigt, macht auch klar: Dort, wo das Land beziehungsweise die sechs landeseigenen Wohnungsbaukonzerne investieren sollen, findet sich die Farbe Orange sehr häufig. Das heißt, es wird dauern, bis dort bezahlbare Wohnungen den überhitzten Markt entlasten können.

Nicht selten gibt es öffentliche Widerstände

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung rechnet damit, die Hälfte der potenziell möglichen Einheiten im „gemeinwohlorientierten Wohnungsbau“, also durch landeseigene, genossenschaftliche oder andere gemeinnützige Träger herstellen lassen zu können. Laut Step sind schon knapp 80.000 Einheiten in konkreten Planungen, davon 46.000 bei städtischen Wohnungsunternehmen und weitere 33.000 auf landeseigenen Flächen. Hinzu kommen Wohnungen mit direkter öffentlicher Förderung sowie die Anteile preisgünstiger Einheiten in privaten Bauprojekten, zu denen Investoren im Rahmen der „kooperativen Baulandentwicklung“ von den Behörden gezwungen werden.

In der folgenden Tabelle sind alle Neubauvorhaben ab 200 Wohneinheiten auffindbar.

Ob die Ziele erreicht werden, ist angesichts vieler Widerstände gegen diverse Projekte aber ungewiss. Im Stadtentwicklungsplan heißt es, realistisch sei, auf zwei Dritteln der Standorte für mehr als 50 Wohnungen tatsächlich Neubauten zu erwarten. Dazu gibt es geradezu verzweifelte Appelle: „Notwendig sind eine klare Haltung von Politik und Verwaltung zum Umgang mit den Potenzialen und ein klares Bekenntnis der ganzen Stadtgesellschaft zum Wohnungsbau.“

Größte Potenziale auf Gewerbe- und Verkehrsflächen

Nur wenige Gebiete der Stadt werden sich nicht durch forcierten Wohnungsneubau verändern. 14 neue Stadtteile sind geplant, mit dem Siemens-Campus in Siemensstadt soll nun ein 15. hinzukommen. 30 bestehende Siedlungen werden ergänzt und verdichtet. So könnten 23.000 Wohnungen entstehen. Zur Gruppe mit der ersten Priorität gehören etwa die Gropiusstadt, das Afrikanische Viertel im Wedding oder das Märkische Viertel in Reinickendorf. Geprüft werden mit längerer Perspektive Gebiete wie Britz, Hellersdorf und Lankwitz.

Die größten Potenziale sehen die Planer mit 56.000 Wohnungen auf früheren Gewerbe- und Verkehrsflächen. Kleinteilige Vorhaben mit weniger als 50 Einheiten summieren sich auf 42.000 Wohnungen, die „Nutzung grüner Bauflächenpotenziale“ schlägt mit 10.000 Einheiten zu Buche. Gemeint sind vor allem Kleingartenanlagen. In einer ersten Stufe wird die Bebauung teils schon bekannter Areale genannt: die Kolonien Alter Exerzierplatz in Spandau, Oeynhausen in Charlottenburg-Wilmersdorf sowie Sonnental und Pappelgrund in Pankow. Hier seien jeweils 200 bis 1000 Wohnungen möglich. Geprüft als Wohnungsbaufläche werden die Kolonien Am Steinberg, Grüne Wiese, Bornholm II, Nordland und die Anlage an der Straße vor Schönholz, alle in Pankow. In Charlottenburg-Wilmersdorf stehen Am Hohenzollerndamm und Wiesbaden auf der Liste, in Treptow-Köpenick Mariengrund, Parkstraße und Am Mississippi. In Pankow bieten die Kolonien Heinersdorf und Friedrichshöhe sogar Platz für bis zu 2000 Wohnungen. Ob und inwieweit das realisiert wird, ist offen.