Berlin-Mitte

„Fridays for Future“: Bis zu 20.000 Demonstranten unterwegs

Bis zu 20.000 Demonstranten waren laut Polizei auf den Straßen. Auch immer mehr Erwachsene schließen sich dem Klima-Protest an.

Mit Plakaten mit Aufschriften wie “Handeln statt leugnen“ ziehen die Teilnehmer durch Berlin.

Mit Plakaten mit Aufschriften wie “Handeln statt leugnen“ ziehen die Teilnehmer durch Berlin.

Foto: Carsten Koall / dpa

Berlin.  Der Andrang bei der „Fridays for Future“-Demonstration in Berlin an diesem Freitag war deutlich größer als erwartet. Ursprünglich war die Polizei von rund 5000 Teilnehmern ausgegangen. Am Nachmittag sprach sie aber von 15.000 bis 20.000 Teilnehmern.

Angemeldet gewesen war die Demonstration von 10 bis 16 Uhr, wie eine Polizeisprecherin der Berliner Morgenpost sagte.

Am Invalidenpark fanden sich am Vormittag zunächst Tausende Teilnehmer zusammen. Gegen 11.30 Uhr setzte sich der weiter anwachsende Demonstrationszug allmählich in Bewegung. Der Invalidenpark ist auch der Endpunkt der Veranstaltung.

Die Route führte über die Wilhelmstraße, die Willy-Brandt-Straße und die Otto-von-Bismarck-Allee.

Unter den Teilnehmern waren auch Lily Pieke (17) und Lidia Scierski (16). Sie waren mit gut 30 Mitschülern vom Albert-Einstein-Gymnasium zur Demo gekommen, standen geschlossen hinter einem Plakat mit der Aufschrift „No pasaran“ und riefeb „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut.“ Pieke hat eine klare Forderung: „ Die Bundesregierung soll endlich aufhören, den Klimawandel weiter anzuheizen.“

Auch Hannah Blitz (16) und Famke Hembas (15) warn dabei. Sie gehören zu den Organisatoren der Fridays for Future-Demos in Berlin. Seit Wochen bereiten sie den heutigen Streik vor, organisieren Plakate, mobilisieren Schüler. Für die Kritikern der Demos hat Hannah Blitz eine Botschaft. „Die Politik hat es 40 Jahre verpennt, wirklich etwas gegen den Klimawandel zu tun. Wir lassen das nicht weiter zu.“

Demonstrationen in ganz Deutschland

Neben der Veranstaltung in Berlin gibt es diese Demonstrationen mittlerweile in ganz Deutschland und Europa. In Berlin gehen seit dem 18. Januar Schüler und Studenten jeden Freitag auf die Straße, um auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen.

In Berlin war erkennbar, dass die Unterstützung in der Bevölkerung dafür wächst. Zu Beginn der Veranstaltung im Invalidenpark überreichte die Gruppe «Scientists for Future» den Schülern eine Stellungnahme, in der sie die Klimabewegung unterstützen - unterzeichnet von rund 23 000 Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

An diesem Freitag steuerte der Protest auf seinen bisherigen Höhepunkt zu, den „Global Strike For Future“. Es waren nach Angaben der Veranstalter Kundgebungen in mehr als 1650 Städten in mehr als 50 Ländern auf der ganzen Welt geplant. Allein in Deutschland sollten es mehr als 200 Protestveranstaltungen sein.

Als Ende Januar die Kohlekommission tagte, waren laut Veranstalter über 10.000 Menschen aus ganz Deutschland zum Kanzleramt gezogen. Es sei damit die größte „Fridays for Future-Demonstration“ bisher gewesen, teilte der Veranstalter mit.

Vorbild kommt aus Schweden

Als Vorbild für die Bewegung gilt die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg. Statt zur Schule zu gehen, demonstriert die 16-Jährige freitags unter dem Motto „Schulstreik fürs Klima“ vor dem Reichstag in Stockholm für eine verantwortungsvollere Umweltpolitik.

An den Demonstrationen entzünden sich teilweise heftige Debatten. Während die einen das Engagement der jungen Demonstranten unterstützten, kritisieren andere die Demonstrationen.

Angela Merkel lobte Protest

Zuletzt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Demonstrationen gelobt. Sie sagte in ihrem Videopodcast: „Ich unterstütze sehr, dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen“.

Konservative kritisieren Protest

Aus ihrer eigenen Partei erntete Merkel dafür heftigen Protest. „Ich halte es für verantwortungslos, wenn die Bundeskanzlerin Demonstrationen, die regelmäßig die Schulpflicht verletzen, pauschal und uneingeschränkt als ‘sehr gute Initiative’ bezeichnet“, sagte der Vorsitzende der konservativen „Werteunion“ in CDU und CSU, Alexander Mitsch (CDU).