Wissenschaft in Berlin

Künstliche Intelligenz: Oxford forscht mit Berliner Unis

Gemeinsame KI-Projekte geplant: Für die britische Elite-Universität Oxford sind Berliner Wissenschaftler begehrte Partner.

Hinter den historischen Fassaden, hier das Exeter College, wird an der Universität Oxfort Spitzenforschung betrieben.

Hinter den historischen Fassaden, hier das Exeter College, wird an der Universität Oxfort Spitzenforschung betrieben.

Foto: PPE / imago/PPE

Berlin. Die drei großen Berliner Universitäten und die Charité kooperieren in Zukunft eng mit der britischen Elite-Bildungsstätte Oxford University. Allein 29 gemeinsame Forschungsvorhaben haben Fachgremien aus den fünf Partner-Einrichtungen jetzt zur Förderung angenommen. Die Berlin University Alliance, der Verbund der vier Berliner Häuser, und die Briten haben dafür 450.000 Euro bereitgestellt.

Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, Medizin und die sogenannten MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Forscher widmen sich unter anderem der Mobilität in einer historischen Perspektive, der Verarbeitung medizinischer Daten, den Arbeitsbedingungen in der Digitalwirtschaft, dem Biorhythmus von Sehbehinderten oder einem physikalischen Vergleich von natürlicher und künstlicher Intelligenz bei Papageien und Robotern.

Die Vorhaben wurden aus 66 Anträgen ausgewählt. Es mussten immer mindestens ein Vertreter einer Berliner Uni und ein britischer Kollege zusammen antreten.

Niederlassung in der Invalidenstraße geplant

Die Forschungsvorhaben sind der wichtigste Ausdruck des Engagements einer der besten und bekanntesten Hochschulen weltweit in der deutschen Hauptstadt. Die Oxford University wird in Berlin eine eigene Niederlassung eröffnen. Im Zuge der Sanierung und Erweiterung des Naturkundemuseums soll sie ihren endgültigen Sitz an der Invalidenstraße in Mitte finden.

Die Briten sind wegen des Brexits sehr interessiert, ihre internationalen Kontakte zu vertiefen und ein Standbein auf dem Kontinent zu schaffen.

Louise Richardson, als Vice-Chancellor so etwas wie die Präsidentin der University of Oxford, hebt die Bedeutung Berlins in dieser Strategie hervor: „Das Vereinigte Königreich verlässt zwar die Europäische Union, nicht jedoch Europa“, sagte Richardson. Diese Forschungspartnerschaft, in die einige der besten Forschungseinrichtungen in Europa eingebunden seien, solle auf Oxfords bisheriger weitreichender Beteiligung an europäischer Spitzenforschung aufbauen.

„Wir sind dem Regierenden Bürgermeister von Berlin und den vier Berliner Einrichtungen für die Zusammenarbeit an diesem spannenden Vorhaben mit Oxford zutiefst dankbar“, so die aus Irland stammende Politikwissenschaftlerin und Terrorismus-Expertin.

Berlins Ansehen wächst unter Forschern

Richardson war auch vergangene Woche in der Stadt, als die Gutachter für die Exzellenzinitiative die Berliner Bewerbung vor Ort unter die Lupe nahmen. Humboldt, Freie und Technische Universität sowie die Charité bewerben sich als Verbund gemeinsam um den offiziellen Status Elite-Universität.

Aus Sicht des Regierenden Bürgermeisters und Wissenschaftssenators Michael Müller (SPD) belegt das Engagement der britischen Elite-Universität das gewachsene Ansehen Berlins unter Forschern weltweit. Er als Regierungschef und Wissenschaftssenator könne Türen öffnen und Kontakte vermitteln, die sonst schwer zu bekommen seien.

„Auch in der Exzellenzstrategie wird es positiv wahrgenommen als ein Schwerpunkt der Stadt, dass dort nicht ein Fachminister sitzt, sondern der Ministerpräsident“, sagte Müller in einem Interview mit der Morgenpost über seine Rolle als Wissenschaftssenator.

Ohne Vernetzung geht es nicht voran

Dass sich die Berliner Universitäten dort gemeinsam bewerben, sieht Müller als aussichtsreiches Zukunftsmodell. „Mit diesem Verbund wollen wir ausdrücken, dass wir inzwischen international vor Herausforderungen stehen, wo man ohne Kooperation und Vernetzung nicht mehr vorankommt“, sagte der Sozialdemokrat. Die Berliner Hochschulen würden sich auch noch stärker den Fragen widmen, die in Berlin besonders relevant seien. „Partizipation der Menschen, Inklusion von Behinderten, Migration, das steht alles auf der Agenda“, so der Regierende.

Von der Universitätsklinik Charité erwartet Müller, dass sie künftig stärker mit dem landeseigenen Klinikkonzern Vivantes kooperiert. Das sei auch ein Ziel des künftigen Charité-Chefs Heyo Kroemer, um in der Digitalisierung der Medizin schneller voranzukommen.

„Das ist eine weltweite Entwicklung, die wir nicht verschlafen dürfen“, warnte Müller. Berlin habe mit 50 Prozent öffentlichen Angebotes an der Krankenversorgung „eine enorme Zugangsmöglichkeit auf Daten, die wir nutzen müssen“, so der Regierende Bürgermeister. „Wir dürfen dabei nicht immer nur auf die Probleme wie den Datenschutz schauen, sondern die Chancen erkennen, mit Patientendaten schneller helfen zu können“, so Müller.

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