Fischerei

Junge Aale in Berliner Gewässern ausgesetzt

Insgesamt 2,3 Millionen Glasaale schwimmen jetzt in Havel, Dahme und Spree. Sie sichern den Bestand in den Gewässern.

 Fischer Jens Hidde (li.) setzt mit einem Kollegen Glasaale in der Havel aus.

Fischer Jens Hidde (li.) setzt mit einem Kollegen Glasaale in der Havel aus.

Foto: Bernd Settnik / ZB

Berlin. Wie kleine Regenwürmer zappeln die jungen Aale in dem riesigen Bottich. Sie sind nur einige Zentimeter lang, durchsichtig – deshalb werden sie Glasaale genannt – und etwa 0,3 Gramm schwer.

Noch sind sie auf einem Lkw verladen, der den Fischnachwuchs von der Aal-Versandstelle in Hamburg zum Berliner Fischereiamt an der Havelchaussee gebracht hat. Insgesamt 2,3 Millionen Jungfische werden den Weg aus den Fischtransportbehältern in Havel, Dahme und Spree antreten.

Unzählige Plastikdosen stehen bereit, auf die sie mit einem Kescher portionsweise verteilt und dann auf einen Fischerkahn verladen werden. Mit 30 Boxen und insgesamt 60 Kilogramm Aal macht sich Fischer Jens Hidde auf den Weg die Havel runter bis Lindwerder.

Aale werden in Ufernähe ausgesetzt

„Die Aale werden immer dicht am Ufer ausgesetzt, weil sie dort gleich Schutz finden und sich verstecken können“, sagt der Fischer. In der Mitte des Flusses wären sie orientierungslos. Alle paar Minuten öffnet er eine Transportbox und lässt die Jungtiere ganz vorsichtig ins Wasser gleiten. Nach etwa zwei Stunden hat er seine erste Tour geschafft, die nächste folgt.

Der Aalbestand ist in Berlin in den vergangenen 20 Jahren um etwa 50 Prozent zurückgegangen. Das liegt zum einen an den verändertem Umweltbedingungen. Zum anderen aber auch an den fehlenden Wandermöglichkeiten. „Die Aale werden an Schleusen, Staudämme und Wehren, die sie nicht überwinden können, gestoppt“, sagt Jens Puchmüller, Leiter des Berliner Fischereiamtes. Mit dem Ausbringen der Jungaale soll der Bestand in den Berliner Gewässern langfristig gesichert werden.

Wichtige ökologische Funktion

Gefördert wird die Aktion von der Europäischen Union und von der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz. 166.000 Euro kostet das Aussetzen der Aale in diesem Jahr, 93.000 Euro übernimmt davon die EU. Der Aal ist nicht nur ein sehr guter Speisefisch – er gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Fischarten der Fluss- und Seefischerei.

Dabei hat er aber auch eine wichtige ökologische Funktion. Er trägt unter anderem zur Wasserreinhaltung und zur Reduzierung der Fischbiomasse in den Gewässern bei.

Aale werden 20 bis 30 Jahre alt. Die jetzt ausgesetzten Glasaale sind in Frankreich aus dem Atlantik gefischt worden. Sie werden die nächsten acht bis zwölf Jahre durch die Flüsse in Berlin und in Deutschland wandern und dabei wachsen und ihre dunkle Farbe annehmen. Geschätzte 40 Prozent schaffen es zurück bis ins Meer. Ein Großteil landet vorher auf dem Teller.