Jugendarbeit

Stadtrat will räumen lassen- Potse ruft zu Demo auf

Jugendstadtrat Schworck beantragt Räumungstitel für den Jugendtreff. Die Kosten laufen aus dem Ruder. Am Sonnabend wird demonstriert.

Die Räume des Jugendclubs Potse in der Potsdamer Straße sind seit Jahresbeginn besetzt. Das Kollektiv weigerten sich, die Schlüssel herauszugeben. Denn noch fehlt eine Nachfolge-Immobilie für Konzerte.

Die Räume des Jugendclubs Potse in der Potsdamer Straße sind seit Jahresbeginn besetzt. Das Kollektiv weigerten sich, die Schlüssel herauszugeben. Denn noch fehlt eine Nachfolge-Immobilie für Konzerte.

Foto: Gudrun Mallwitz

Berlin. Der zuständige Jugendstadtrat in Tempelhof-Schöneberg, Oliver Schworck (SPD) will durchgreifen - und beantragt jetzt beim Landgericht Berlin einen Titel für die Räumung der Potsdamer Straße 180. Dort hatten seit über 40 Jahren die Kollektive des Jugendtreffs „Potse & Drugstore“ Konzerte veranstaltet, bis der Vermieter die Miete drastisch erhöhte und dem Bezirk die Kosten zu hoch wurden. Bis das Gericht entscheidet, kann das wegen der Arbeitsüberlastung aber bis zu mehreren Monaten dauern.

Seit Anfang des Jahres halten Aktivisten die Räume im zweiten Stock „besetzt“, zudem läuft eine Dauer-Mahnwache vor der Tür. „Wir fordern, dass die Potsdamer Straße 140 endlich vom Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) für die Jugendarbeit freigegeben wird“, betonte ein Aktivist am Freitag erneut. „Wir werden die Mahnwache auch weiter fortsetzen.“

Schlüssel nicht herausgegeben

Das Kollektiv der autonom geführten Potse hatte sich geweigert, Ende Dezember die Schlüssel herauszugeben. Das Kollektiv des Drugstores hingegen verließ am 31. Dezember vorigen Jahres seine Räumlichkeiten und übergab die Schlüssel an den Bezirk. Dies sei aus Rücksicht auf den Trägerverein SSB e.V. erfolgt, heißt es dazu aus den Reihen von„Potse & Drugstore“. Die Potse, die nicht im SSB e.V. organisiert ist, habe sich hingegen dazu entschieden, ihre Räumlichkeiten nicht zu verlassen. Denn bislang ist keine geeignete Nachfolgeimmobilie gefunden, in denen die lauten Punkkonzerte abgehalten werden können. Jugendliche und Anhänger kamen seit Jahrzehnten aus ganz Berlin zu den kostenlos angebotenen Konzerten nach Schöneberg.

Stern-Demonstration gegen Verdrängung

Für diesen Sonnabend wird von 13 bis 18 Uhr zu einer Stern-Demonstration aufgerufen, die an der Ecke Pallasstraße beginnt und die bis zum Lausitzer Platz in Kreuzberg führt. Das Motto der von „Potse & Drugstore“ organisierten Protestveranstaltung: „Schönberg muss bezahlbar bleiben.“ Im Aufruf heißt es weiter: „Gentrifizierung betrifft uns alle! Sei es, dass kleine Kiezläden wegen Mieterhöhungen verdrängt werden, kein Raum für Jugendarbeit zur Verfügung steht oder, dass sich Einwohner*innen die Mieten nicht mehr leisten können.“

Besetzung verursacht hohe Kosten

Dem Bezirk entstehen aufgrund der ungeklärten Situation für den Jugendtreff Potse hohe Kosten. Laut Jugendstadtrat Schworck hat der Eigentümer das Bezirksamt inzwischen viermal zur Übergabe der Räume in der Potsdamer Straße 180 aufgefordert. „Und wir haben die Nutzer ebenfalls viermal dazu angeschrieben“, so Schworck. Für Januar und Februar soll der Bezirk seinen Angaben zufolge jeweils eine Nutzungsentschädigung von 15.497,17 Euro bezahlen. Der Eigentümer gehe dabei von einer marktüblichen Miete von 17,50 Euro pro Quadratmeter aus, dazu kämen 2,43 Euro je Quadratmeter Nebenkosten für die gesamte Fläche im zweiten Obergeschoss.

Ansprüche werden geprüft

„Außerdem macht der Eigentümer Verzugszinsen seit Januar in Höhe von 3,03 Euro täglich geltend“, so Schworck . Darüber hinaus fordere er Schadensersatz für die Leistung eines Sicherheitsservices in Höhe von 19.349,40 Euro. „Zudem stellt der Eigentümer die Begleichung der außergerichtlichen Rechtsanwaltsgebühren in Höhe von 5620,85 Euro in Rechnung“, listet Schworck in einer Antwort auf eine große Anfrage der CDU-Fraktion auf. Das Bezirksamt werde die Forderungen nun prüfen.