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Neuer Trend: In Berlin wird jetzt nach dem Fuchs gejagt

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Charlene Rautenberg
Morgenpost-Redakteurin Charlene Rautenbach (r.) mit  Kirsten Kurbjuhn von KLK City Adventures auf dem Foxtrail in Berlin.

Morgenpost-Redakteurin Charlene Rautenbach (r.) mit Kirsten Kurbjuhn von KLK City Adventures auf dem Foxtrail in Berlin.

Foto: Sergej Glanze

Foxtrails sind eine Mischung aus Sightseeing, Schnitzeljagd und Escape Game. Der Trend aus der Schweiz hält jetzt in Berlin Einzug.

Berlin. Die silberne Münze aus der kleinen runden, sogenannten Münzfalle zu befreien, ist eine Herausforderung. Die silbernen Kügelchen am Rand des durchsichtigen Plastikgeräts versperren der Münze den Weg nach draußen, egal wie sehr man an dem Behältnis rüttelt, in dem sie feststeckt.

20 Minuten hätten manche schon gebraucht, um dieses Rätsel zu lösen. Wer es schafft, wirft die Münze später in einem Schokoladenladen in den Hackeschen Höfen in eine Maschine, aus der beim Einwurf der Münze eine Schokoladenkugel kullert. Darauf ist ein Tier abgebildet, das als Passwort für das W-Lan des Geschäfts fungiert. Loggt man sich dort ein, kann man ein Video sehen, auf dem ein Fuchs durch die Straßen vom Rosenthaler Platz in Richtung Alexanderplatz läuft.

Dessen Spur muss der Spieler verfolgen, der sich auf den sogenannten Foxtrail begeben hat.

„Bisher hat es fast jeder bis ans Ziel geschafft“, sagt Kirsten Kurbjuhn. Sie hat die Mischung aus Sightseeing, Schnitzeljagd und Escape Game zusammen mit ihren Mitgründern Florian Lilienweiß und Daniel Kania im vergangenen Jahr nach Deutschland geholt. In Berlin und Nürnberg haben sie Pfade entwickelt, auf denen die Teilnehmer auf der Suche nach einem imaginären Fuchs mehreren in der Stadt versteckten Hinweisen folgen müssen.

In der Schweiz zählen „Foxtrails“ jährlich rund 160.000 Teilnehmer

„Die Idee dieses Spiels kommt aus der Schweiz, wo die Pfade längst ein Trend sind“, sagt Kirsten Kurbjuhn. Der erste Foxtrail ging dort schon im Jahr 2002 an den Start, auf 45 Trails würden seitdem rund 160.000 Teilnehmer jährlich der Spur des Fuchses folgen.

Kurbjuhn besuchte einen Freund in der Schweiz, dessen Tochter keine Lust hatte, mit den Erwachsenen die Stadt Luzern zu besichtigen. Als sie einen der Pfade dort buchten, wollte das Mädchen doch mitkommen. Kurbjuhn, die sich im Gegensatz zu ihren Gastgebern das erste Mal auf einen Foxtrail begab, war sofort begeistert. Deshalb beschloss die gelernte Hotelfachfrau, bei dem Schweizer Unternehmen Franchise-Rechte für Deutschland zu erwerben.

Anders als beim Geocaching ist der Weg das Ziel

In der Hauptstadt sind bereits auf zwei Strecken die geheimen Botschaften versteckt: In Mitte, Kreuzberg und Tiergarten werden wahlweise Strecken von zweieinhalb oder in der kurzen Variante von anderthalb Stunden angeboten. Wie lange die Teams von bis zu sechs Personen unterwegs sind, entscheiden sie jedoch letztendlich selbst.

„Manche machen sich über die Zeit gar keine Gedanken und kehren zwischendurch in Cafés, Restaurants oder Bars ein“, sagt Kirsten Kurbjuhn. Das sei auch der größte Unterschied zum sogenannten „Geocaching“, bei dem es hauptsächlich darum geht, den „Geocache“, einen versteckten mit Tauschgegenständen gefüllten Behälter, zu finden.

Der Foxtrail soll dagegen eine neue Perspektive auf die Stadt bieten – auch für Berliner. Einige der geheimen Botschaften sind in Geschäften und Einrichtungen wie Museen versteckt. Die Wege dorthin führen vorbei an Orten, an denen auch Einheimische nicht oder nur selten vorbeikommen.

Nach Charlottenburg folgt Prenzlauer Berg

Die Stationen bei den sogenannten Postenpartnern betreibt das Unternehmen Foxtrail selbst. Trotzdem sei es manchmal schwer, Berliner Einrichtungen und Geschäfte als Postenpartner zu gewinnen. „Dabei würden sie von der Laufkundschaft doch auch profitieren“, sagt Kirsten Kurbjuhn. Und auch das Ordnungsamt und das Grünflächenamt würden sich häufig den Plänen der Spielemacher versperren. Wie beispielsweise im Gleisdreieckpark, wo das Unternehmen schon vergeblich versuchte, Genehmigungen für Verstecke zu bekommen.

Trotzdem versprechen sich die deutschen Foxtrail-Betreiber viel von der Geschäftsidee. „Berlin bietet sich mit seiner Vielfalt dafür einfach an“, sagt Kurbjuhn. Die nächsten Foxtrails sind schon in Planung: Im April soll ein solcher in Charlottenburg starten, im Mai ein weiterer in Potsdam. Prenzlauer Berg folgt im Herbst.

Insgesamt sollen in Deutschland jedes Jahr vier neue Strecken an den Start gehen. Solche sind etwa in Hamburg, Freiburg und München vorstellbar. Ob wie in der Schweiz in Deutschland ein Trend daraus wird? Kirsten Kurbjuhn und ihre Geschäftspartner sind optimistisch. Und auch die Swisscovery GmbH, die die Schweizer Foxtrails betreibt, sieht in Deutschland gute Voraussetzungen. „Berlin und Nürnberg erfüllen alle Kriterien, genau wie die Schweiz. Wir sind deshalb überzeugt, dass Foxtrail in Deutschland ein genauso großer Erfolg wie bei uns wird“, sagt Tanja Bollinger, eine Sprecherin des Unternehmens.