Berlin-Historie

Rosinenbomber bleibt endgültig am Boden

2010 musste das Oldtimer-Flugzeug in Schönefeld notlanden. Der Verein, der sich um Wiedereinsatz bemühte, stellt das Projekt ein.

"Rosinenbomber" (Douglas DC-3/C-47) am Flughafen Tempelhof, Berlin.

"Rosinenbomber" (Douglas DC-3/C-47) am Flughafen Tempelhof, Berlin.

Foto: Norbert Michalke / picture alliance / imageBROKER

Berlin. Der „Rosinenbomber“ ist eines der Wahrzeichen von Berlin. Doch auf absehbare Zeit wird zumindest keine DC 3, mit der der Westteil der Stadt während der Blockade 1948/49 aus der Luft versorgt wurde, am Berliner Himmel mehr zu sehen sein. Die einzige in Deutschland zugelassene DC 3 werde nicht für den Passagiertransport wieder aufgebaut, teilte der Vorstand des Fördervereins Rosinenbomber e.V. am Freitag mit. Als Grund werden unkalkulierbare Kosten sowie die Kündigung des Hangars in Schönefeld genannt. „Wir haben diese Entscheidung schweren Herzens getroffen“, sagte Frank Hellberg, Vorsitzender des Vereins.

DC 3 musste im Juni 2010 notlanden

Das für Rundflüge eingesetzte Oldtimer-Flugzeug hatte im Juni 2010 in Schönefeld notlanden müssen. An Bord der von der Air Service Berlin betriebenen Maschine befanden sich damals 25 Passagiere – sieben von ihnen wurden bei der Notlandung leicht verletzt. Kurz darauf gründete sich ein Förderverein, um Geld für die Reparatur der stark beschädigten Maschinen zu sammeln und deren Zulassung für den Passagiereinsatz zu organisieren. Die Geschichte der Luftbrücke müsse wieder für alle Berliner und ihre Gäste weiter erlebbar sein, so das erklärte Ziel.

Maschine sollte durch eine andere ersetzt werden

Die ursprüngliche Idee, die notgelandete Maschine zu restaurieren, wurde allerdings schon 2013 auf Grund von nicht einzuschätzenden Kosten fallen gelassen. Daraufhin entschloss sich der Verein, eine in Großbritannien angebotene DC 3 zu kaufen und die zugelassenen nutzbaren Teile aus der verunfallten Maschine in den neuen Rosinenbomber zu überführen. Die britische DC 3 landete im Juli 2013 in Schönefeld und wurde dort in einem Hangar abgestellt.

Neue Gesetzeslage für historische Flugzeuge

Doch der dann geplante Umbau der Frachtvariante des Flugzeugs zu einer Passagiermaschine stellte sich laut Verein als große technische Herausforderung dar. Zudem habe sich zwischenzeitlich die Gesetzeslage zur Zulassung historischer Flugzeuge geändert. dies hätte zu neuen Unklarheiten und Hürden geführt. „Darüber hinaus sind wir seit der letzten Woche informiert, dass der Rosinenbomber am neuen BER kein Zuhause mehr bekommen würde“, teilte der Verein mit. Eine für dieses historische Luftfahrzeug unabdingbare geschützte Unterbringung in einem Hangar sei ab Mai 2019 nicht mehr möglich. Dies wurde von der Flughafengesellschaft bestätigt. „Das Flugzeug steht in einem alten Hangar. Mit Blick auf die bevorstehende Inbetriebnahme des BER wird dieses Areal aber umgestaltet“, so eine Flughafensprecher. Es gebe zwar alternative Unterbringungsmöglichkeiten, die könnten jedoch nicht zu den bisherigen finanziellen Konditionen angeboten werden.

Förderverein dankt den Spendern

Ein Betreiben des Rosinenbombers auf einem Platz weit außerhalb von Berlin wird vom Förderverein historisch und wirtschaftlich, auch in Anbetracht der Einwerbung von weiteren benötigten Spendengeldern, als ausgeschlossen angesehen.

Weiter heißt es: „Um transparent mit dem uns bis jetzt entgegengebrachten Vertrauen und der zahlreichen Unterstützung umzugehen, haben wir uns zu dem schweren Schritt entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen. Ein blindes ‘Weiter-So’ würde die Idee beschädigen und die Ernsthaftigkeit solcher Projekte in Frage stellen.

Vereinsvermögen wird dem Alliierten-Museum in Berlin gespendet

Der Förderverein Rosinenbomber dankt in seiner Erklärung allen Mitgliedern, Unterstützern und Spendern. Die Teile der notgelandeten Maschine und die britische Fracht-Maschine sollen nun bestmöglich verwertet werden. Die Erlöse und der Rest des Vereinsvermögens sollen entsprechend der Vereinssatzung dem Alliierten Museum in Berlin gespendet werden.

Auch Lufthansa verzichtet auf Flüge mit Oldtimer-Maschinen

Bereits vor kurzem hatte Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung bekannt gegeben, dass sie in Zukunft keine Flüge mehr mit der historischen Ju 52 – auch als „Tante Ju“ bekannt, anbieten werde. Die technische Wartung der Oldtimer-Maschine und der betriebliche Unterhalt seien zu teuer geworden, hieß es zur Begründung. Auch der geplante Wiederaufbau einer viermotorigen Super Constellation, des ersten von der Lufthansa nach dem zweiten Weltkrieg eingesetzten Flugzeuges, wurde nach neun Jahren Arbeit aufgegeben.