Tourismusbilanz

Mehr als 13,5 Millionen Besucher kamen 2018 nach Berlin

Berlin gehört zu den fünf beliebtesten Städtereisezielen in Europa. Vor allem Briten, Amerikaner und Spanier lieben die Stadt.

Berlin hat mehr Touristen

Berlin hat mehr Touristen

Foto: jörg Krauthöfer

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hat ihre ganz eigene Theorie, warum die Zahl der Hauptstadt-Besucher im Vorjahr nach einer Wachstumsdelle wieder kräftig gestiegen ist. Gerade das derzeit in Süddeutschland derzeit beliebte Berlin-Bashing könnte zu dem guten Jahresergebnis beigetragen haben, meinte die Grünen-Politikerin bei der Vorstellung der Tourismusbilanz am Freitag. „Viele scheinen sich da gesagt haben: Das schauen wir uns doch mal selber an.“

Zuvor hatten wiederholt bayrische CSU-Politiker wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer lautstark ihr Missfallen über Berlin und die Berliner öffentlich gemacht. Dann ließ auch noch Pops Parteifreund, der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, die Öffentlichkeit wissen, dass er in Berlin das Gefühl haben, den funktionierenden Teil Deutschlands zu verlassen.

Freude bei den Hoteliers: Zahl der Übernachtungen um 5,5 Prozent gestiegen

Bei aller Schelte: Das Interesse der Touristen an Berlin ist im In- und Ausland ungebrochen hoch. Im Vorjahr konnte die deutsche Hauptstadt sogar einen weiteren Gästerekord erzielen. Rund 13,5 Millionen Menschen haben 2018 Berlin besucht, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mitteilte. Das ist ein Plus von gut vier Prozent gegenüber dem Jahr zuvor.

Noch deutlicher war der Zuwachs bei den Übernachtungen. Fast 32,9 Millionen Aufenthaltsnächte registrierten die Hotels und Pensionen der Stadt im Vorjahr. Das ist ein ein Zuwachs von 5,5 Prozent gegenüber 2017. Der Berlin-Tourismus 2018 zog nach einer vor allem durch die Air-Berlin-Pleite bedingte Wachstumspause im Jahr zuvor wieder kräftig an.

Tourismus sichert 235.000 Arbeitsplätze in der Stadt

Pop hob insbesondere die längere Verweildauer der Besucher an, die im Durchschnitt 2,4 Tage in der Stadt bleiben würden. Insgesamt beschere der Tourismus Berlin einen Umsatz von rund zwölf Milliarden Euro und sichere damit 235.000 Arbeitsplätze. „Berlin ist eine gastfreundliche und weltoffene Stadt. Wir sollten alles dafür tun, dass das so bleibt“, sagte Pop mit Blick auf jüngste fremdenfeindliche Zwischenfälle.

Mehr Besucher vor allem aus dem Ausland

Allerdings scheinen die dem Image bisher nicht allzu sehr geschadet haben. Denn es waren vor allem Besucher aus dem Ausland, die im Vorjahr zum guten Wachstum in der Branche beitrugen. Nach Angaben der Tourismusmarketinggesellschaft Visit Berlin entfielen 15,1 Millionen und damit fast die Hälfte aller Übernachtungen in der Stadt auf ausländische Touristen. Das Wachstum fiel mit 7,9 Prozent noch einmal deutlich höher aus als bei den Besuchern aus Deutschland (plus 3,6 Prozent). Die Statistik erfasst dabei nur Gäste, die in einer Unterkunft mit mehr als neun Schlafplätzen einen Meldezettel ausfüllen. Besucher, die bei Privatleuten übernachten und ihren Aufenthalt etwa über Airbnb buchen, tauchen darin nicht auf.

Berlin unter den Top-Five in Europa

Berlin gehört laut den Tourismuswerbern von Visit Berlin bereits seit mehr als zehn Jahren zu den Top Five der Reiseziele in Europa. Aktuell liegt die deutsche Hauptstadt dabei auf Platz 4 - hinter Barcelona, Paris und Wien, aber noch vor London.

Die meisten internationalen Besucher kamen dabei aus Großbritannien mit 1,7 Millionen Übernachtungen (plus 1,6 Prozent), gefolgt von denen aus den USA mit 1,3 Millionen Übernachtungen (plus fünf Prozent) und aus Spanien mit 1,03 Millionen Übernachtungen (plus 18,3 Prozent). Einen überdurchschnittlich starken Anstieg konnte Visit Berlin bei den Besucherzahlen aus Italien (plus 18,6 Prozent) und Russland (plus 20,3 Prozent) verzeichnen. Dagegen ist die Zahl der Besucher aus Isreal um knapp drei Prozent auf rund 428.000 gesunken.

Große Sorge vor negativen Brexit-Folgen

„Die wachsenden Übernachtungszahlen nach einem schwachen Jahr 2017 zeigen, dass der Magnetismus der Stadt weiterhin wirksam ist“, sagte Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin. Und hofft auf weiteres Wachstum. „2019 wird die Stadt mit dem 30. Jubiläum zum Fall der Berliner Mauer ein Weltereignis ausrichten, zu dem wir mehr als eine Million Besucher erwarten.“

Allerdings könnte ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union der Berliner Tourismusbranche einen Strich durch die Rechnung machen. „Ein harter Brexit macht uns große Sorgen“, sagte Kieker.

Wenn die Briten, wie bereits zu lesen war, künftig Visa-Gebühren von 60 Euro vor einer Reise in die EU zahlen müssten, könnte das verheerende Folge für den Tourismus haben. Generell sei zu befürchten, dass aus Unsicherheit über die Folgen des EU-Austritts viele Briten Zurückhaltung bei den Ausgaben zeigen würden. „Das erste, was dann wegfällt, ist der nächste Städtetrip“, so Kieker.

Berlin will mehr große Kongresse in die Stadt holen

Berlin will in Zukunft im Tourismusgeschäft noch stärker auf das Ausrichten großer internationaler Kongresse setzten. Um beim Werben um Großveranstaltungen bessere Karten zu haben, wurde am Freitag eine Hotel-Charta vereinbart. Sie ist ein exklusives Serviceangebot für Veranstalter von Kongressen mit mehr als 1.500 Teilnehmern und einer Dauer von mindestens zwei Tagen.

Aktuell beteiligen sich 96 Hotels an der Initiative. Mit mehr als 51.000 Betten stellen sie rund 40 Prozent der verfügbaren Hotelbetten in Berlin. 2018 generierte das Berliner Tagungs- und Kongress-Geschäft einen Gesamtumsatz von 2,6 Milliarden Euro (2017: 2,5 Milliarden Euro). Rein rechnerisch sichert der Veranstaltungsmarkt in Berlin 44.100 Vollzeitarbeitsplätze (2017: 43.200 Arbeitsplätze). Die Branche ist damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Berlin.