Fluggesellschaft

Ryanair will in Berlin weiter wachsen

Die irische Fluggesellschaft stationiert ab Sommer eine weitere Maschine in Tegel und baut zudem den Wartungsbereich aus.

Auf Expansionskurs: Ryanair, hier ein Flugzeug am Flughafen Schönefeld, hat weitere 135 Maschinen bestellt.

Auf Expansionskurs: Ryanair, hier ein Flugzeug am Flughafen Schönefeld, hat weitere 135 Maschinen bestellt.

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Joko

Berlin.  Die Nachricht war ein Schock für die Luftfahrtbranche der Hauptstadt. Nach Air Berlin im Jahr 2017 musste im Januar mit Germania bereits die zweite Berliner Fluggesellschaft ihren Flugbetrieb einstellen. Mehr als 1000 Arbeitsplätze sind von der Insolvenz betroffen.

Ein Gutteil der Germania-Mitarbeiter kann sich jetzt aber auf neue Jobperspektiven freuen. Denn wie schon nach der Air-Berlin-Pleite versuchen andere Airlines, schnell in die sich bietenden Lücken zu stoßen.

So will etwa die irische Billigfluggesellschaft Ryanair ihr Engagement in Berlin kräftig ausbauen. Aktuell hat die Airline zehn Maschinen in Schönefeld und vier weitere in Tegel stationiert.

Bereits im Sommer soll eine fünfte Maschine vom Typ Boeing 737-800 dazukommen. Geplant sind zusätzliche Flüge zu sogenannten Warmwasserzielen, etwa nach Spanien und auf die Kanaren. Ob auch innerdeutsche Strecken hinzukommen, ist derzeit offen.

Ryanair ist nach der Deutschen Lufthansa die zweitgrößte Airline in Europa. Während die Fluggesellschaft mit ihrem Low-Cost-Modell etwa in Spanien oder Großbritannien schon seit Längerem Marktführer ist, muss sie sich in Deutschland hinter Lufthansa und dem britischen Konkurrenten Easyjet mit Platz drei begnügen. Das soll sich nun aber ändern.

„Ryanair plant in den nächsten Monaten eine große Expansion auf dem deutschen Markt“, sagte Karsten Mühlenfeld jetzt der Berliner Morgenpost. Mühlenfeld war bis zum Frühjahr 2017 Geschäftsführer der Berliner Flughäfen, musste aber auf Veranlassung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin und damaligen BER-Aufsichtsratschefs Michael Müller (SPD) sein Posten für Engelbert Lütke Daldrup räumen.

Inzwischen führt Mühlenfeld die Ryanair Engineering Germany GmbH, die im Oktober 2018 mit Sitz in Berlin-Schönefeld gegründet wurde.

Jobs bei Ryanair sollen in der Region Berlin-Brandenburg entstehen


Dem Unternehmen Ryanair Engineering, das sich um die Wartung und Reparatur der Flugzeuge kümmert, kommt eine wichtige Rolle bei der Expansionsstrategie der Airline zu. Denn umso mehr Flugzeuge Ryanair in Deutschland stationiert, umso größer ist der Wartungsaufwand vor Ort.

Laut Mühlenfeld beschäftigt Ryanair Engineering 85 Mitarbeiter, vor allem hoch qualifizierte Ingenieure. „Diese Zahl wollen wir in den kommenden Monaten verdoppeln“, kündigte Mühlenfeld an. Ein Großteil davon könnte aus der Region kommen, was wiederum mit dem Germania-Aus zusammenhängt. Die Airline hatte in Schönefeld eine eigene Wartungswerft betrieben, die Mitarbeiter sind nun vielfach auf Jobsuche. Dazu kommt die Unsicherheit bei Lufthansa Technik.

Wie berichtet ist bei der Lufthansa-Tochter derzeit die Zukunft der sogenannten Base Maintenance, bei der an Flugzeugen größere Wartungsarbeiten ausgeführt werden, ungeklärt. Der Vertrag für die einstige Interflug-Werft läuft im Frühjahr 2021 aus.

Ryanair verfügt für die Base Maintenance bereits zwei Hangars in Deutschland, einmal in Bremen, zum anderen in Hahn. Daran soll sich vorerst auch nichts ändern. Allerdings ist Ryanair dabei, sich mit Blick auf eine drohende ungeregelte Loslösung Großbritanniens der EU einzustellen.

Wir betreiben derzeit eine intensive Risikovorsorge für einen harten Brexit“, sagte Mühlenfeld. So haben die Iren mit Ryanair UK extra eine Tochtergesellschaft gegründet, die ihren Sitz in Großbritannien hat und damit nach einem Brexit weiter ungehindert innerhalb des Vereinigten Königreichs fliegen kann.

Noch hat die Ryanair-Tochter nur eine Maschine im Bestand, das kann aber kurzfristig ausgebaut werden. Andererseits sind die für Reparaturen und Wartungen benötigten Ersatzteile zentral in London-Stansted gelagert worden. Inzwischen ist ein Großteil davon in neue Ersatzteillager innerhalb der EU verlegt worden.

Ryanair betreibt derzeit eine Flotte von über 450 Flugzeugen, allesamt vom Typ Boeing 737-800. Eine solche Einheitsflotte ist einer der Gründe, warum die Airline im Vergleich zu Lufthansa und anderen etablierten Airlines ihre Kosten gering halten kann.

Ryanair hat weitere 135 Maschinen vom Typ Boeing 737Max bestellt (mit einer Kaufoption für weiter 75 Maschinen), die Flugzeuge haben 197 Sitze, acht mehr als der Vorgänger. „Die Sitzabstände werden aber nicht kleiner, das zusätzliche Platzangebot erreichen wir durch kleinere Bereiche für die Zubereitung von Speisen und Getränken“, so Mühlenfeld.

Die ersten fünf neuen Maschinen will Ryanair im April in Dienst stellen. Doch die Flugzeuge bringen nur Geld, wenn sie auch in der Luft sind. Daher ist Ryanair regelrecht gezwungen, sich neue Märkte zu erschließen.

Die Hauptstadt scheint dafür ein guter Markt zu sein. Zum einen liegen die Wachstumsraten im Luftverkehr bereits seit Jahren über dem Durchschnitt in Deutschland. Nach einer kleinen Delle durch die Air-Berlin-Pleite 2017 wurde das vergangene Jahr wieder mit einem Passagierrekord abgeschlossen. Mehr als 34,7 Millionen Fluggäste sind 2018 in Tegel und Schönefeld gestartet und gelandet, ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Neuer Marktführer in Berlin ist inzwischen Easyjet. Die Briten haben im Vorjahr 30,5 Prozent aller in Tegel und Schönefeld bereitgestellten Sitzplätze in Flugzeugen angeboten. Platz zwei geht an die Lufthansa-Gruppe, die rund ein Viertel aller Sitzplätze anbot. Ryanair lauert mit einem Sitzplatzanteil von 13,1 Prozent dahinter. Tendenz weiter steigend.