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Immobilien-Treff in Kreuzberg aus Sorge vor Krawall abgesagt

In Markthalle Neun hätte ein Treffen stattfinden sollen. Eine Initiative ruft derweil zum Protest gegen den Kongress im Hotel Adlon auf

Der Immobilien-Kongress findet im Hotel Adlon statt. (Archivbild)

Der Immobilien-Kongress findet im Hotel Adlon statt. (Archivbild)

Foto: Sergej Glanze

Fast könnte man meinen, der Titel der Veranstaltung habe sich als böses Omen erwiesen. „Quo vadis 2019“, hat die Heuer Dialog GmbH die Veranstaltung genannt, bei der rund 400 Teilnehmer aus der Immobilienwirtschaft über die Zukunftsfragen der Branche sprechen. Doch beim diesjährigen Branchentreff in Berlin weht den Veranstaltern, die seit mehr als 30 Jahren bundesweit Dialoge, Firmen- und Messeveranstaltungen mit Immobilienbezug moderieren, ein feindlicher Wind entgegen. Ein für Dienstag geplantes abendliches Treffen in der Kreuzberger Markthalle Neun musste das Unternehmen absagen. Und am heutigen Montag, dem ersten von drei Konferenztagen im Hotel Adlon am Pariser Platz, haben Aktivisten eine Demonstration angemeldet.

Wie verhärtet die Fronten sind zwischen Kiezinitiativen wie „Bizim Kiez“ oder „Zwangsräumung verhindern“ und all denen, die im weitesten Sinne der Immobilienbranche zuzurechnen sind, zeigen Aufrufe auf den einschlägigen Internetseiten. „Kommt zur Kundgebung! Wir gehen zusammen gegen den Mietausbeutungs-Kongress von Banken, Eigentümern und Parteien auf die Straße!“, heißt es etwa auf der Seite des Bündnisses „Zwangsräumung verhindern“. Und die Kreuzberger Initiative „Bizim Kiez“ begrüßt die Absage des Treffens in Kreuzberg „und fordert andere Veranstaltungsorte in Berlin auf, dem Beispiel der Markthalle Neun zu folgen“. Ausgerechnet in Kreuzberg habe die Immobilienwirtschaft ihre Geschäfte auf Kosten der Gesellschaft feiern wollen – „doch daraus wird nichts“, brüstet sich die Initiative. Die Teilnehmer der Konferenz Quo Vadis „tragen die Verantwortung für Spekulation mit Wohnraum, Zerstörung von Kiezstrukturen, Verarmung durch Mietenwahnsinn und Verdrängung“, heißt es weiter.

Die Themen, die auf der Konferenz mit Experten wie etwa dem Soziologen und Stadtforscher Christian Schmid von der ETH Zürich erläutert werden sollen, reichen über Erbpacht, Nutzungsrechte statt Besitz, Gemeinwohl anstatt Eigentum bis zu genossenschaftlichem Bauen. Als Politiker werden die Bundesvorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, sowie der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, Position beziehen. Auch die Berliner Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) wird mitdiskutieren.

„Ohne Immobilienwirtschaft wird es auch nicht gehen“

Bei den Veranstaltern bedauert man die aufgeheizte Stimmung. „Die Immobilienwirtschaft ist in hohem Maß an einem sozial ausgewogenen Stadt­leben interessiert, sieht ihre Verantwortung und baut längst nicht nur Luxuswohnraum“, sagte Heuer-Dialog-Chefin Gitta Rometsch. „Wir sind bereit für einen konstruktiven Dialog, nicht aber für Blockaden und verbale Angriffe.“ Es sei immer ein Miteinander von Kommune, Investor und Bewohnern im Quartier, bezahlbaren Wohnraum mit einer guten Infrastruktur zu schaffen. „Ohne die Immobilienwirtschaft wird es auch nicht gehen“, ist sie überzeugt.

Auch gegen weitere Immobilienveranstaltungen formiert sich der Protest. Das Mietenwahnsinn-Bündnis, das 2018 eine Mietendemonstration mit 25.000 Menschen organisierte, ruft für den 6. April 2019 zu einer Demonstration vom Alexanderplatz zur Arena in Treptow auf. Dort findet vom 6. bis 7. April die Berliner Immobilienmesse statt.