Verkehrskollaps

BVG-Streik am Freitag: Am Flughafen Tegel droht Chaos

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Thomas Fülling
In Tegel sollen ankommende Fluggäste knapp 40 Minuten zum Bahnhof Jungfernheide laufen.

In Tegel sollen ankommende Fluggäste knapp 40 Minuten zum Bahnhof Jungfernheide laufen.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

In Tegel ankommende Fluggäste müssen 39 Minuten zum S-Bahnhof Jungfernheide laufen. Vier Shuttlebusse sollen Streik-Folgen abmildern.

Berlin.  Der Freitag wird für Hunderttausende Berliner zum großen Stresstest. Denn es ist ungewiss, wie schnell und ob sie überhaupt am Morgen zur Arbeit, in die Schule oder zum Arzt gelangen werden. Die Gewerkschaft Verdi hat im laufenden Tarifstreit die rund 14.500 Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zu einem Warnstreik aufgerufen. Bestreikt werden dabei alle Bereiche gleichzeitig. Das heißt: Von Betriebsbeginn am frühen Morgen bis 12 Uhr werden in der Stadt weder U-Bahnen noch Straßenbahnen und fast keine Busse fahren. Einen Notfahrplan, wie ihn der Berliner Fahrgastverband Igeb gefordert hat, wird es laut BVG nicht geben.

Besonders hart wird der Warnstreik Geschäftsleute und Urlauber treffen, die am Flughafen Tegel (TXL) landen oder von dort abfliegen wollen. Der Innenstadt-Airport hat keinen Schienenanschluss, ist lediglich mit dem Taxi oder dem Privat-Kfz erreichbar. Die TXL-Linie und alle anderen BVG-Busse zum Flughafen fahren am Vormittag nicht. „Das wird für uns ein sehr schwieriger Tag“, sagte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf. Zwar seien die Winterferien vorbei, dennoch gebe es freitags mehr Flüge als an anderen Wochentagen.

Der Flughafensprecher empfiehlt allen, die in Tegel abfliegen wollen, deutlich mehr Zeit für die Anreise einzuplanen. Auf den Straßen zum Airport müsse mit langen Staus gerechnet werden. Nicht weniger problematisch für den Flughafen: Passagiere, die am Vormittag in Tegel landen, kommen von dort nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln weg. „Wir können nichts anderes tun, als unseren Fluggästen zu empfehlen, zum nächsten Bahnhof zu laufen“, sagte Tolksdorf. Vom Tegel-Terminal A bis zur nächsten S-Bahn-Station ist laut Googlemaps ein Fußmarsch von 39 Minuten nötig, dabei immer entlang an viel befahrenen Autostraßen. Die Flughafengesellschaft will einen Shuttleverkehr mit vier angemieteten Bussen zum Bahnhof Jungfernheide anbieten.

Die BVG ist der wichtigste Nahverkehrsanbieter der Stadt, täglich befördert sie mit Bussen und Bahnen bis zu 3,5 Millionen Fahrgäste. Experten gehen davon aus, dass sich mindestens 520.000 BVG-Kunden einen anderen weg suchen müssen. Lediglich auf 28 Linien, die fast alle am Stadtrand liegen, fahren am Freitag noch Busse, die Subunternehmen oder Partnern aus Brandenburg gehören.

Wichtigste Alternative für alle Nahverkehrsnutzer ist die zum bundeseigenen Bahn-Konzern gehörende Berliner S-Bahn, die nicht bestreikt wird. S-Bahn-Chef Peter Buchner kündigte an, dass das Unternehmen alle Reserven mobilisieren werde, damit es am Freitag nicht zu Ausfällen und Verspätungen kommt. Zudem will die S-Bahn auf von Pendlern besonders genutzten Linien wie der S1 (Wannsee–Oranienburg) und der S5 (Strausberg Nord–Westkreuz) mehr Züge einsetzen. Insgesamt 50 zusätzliche Fahrten sind von 5.30 Uhr bis 14 Uhr geplant.

Unternehmerverbände befürchten Umsatzeinbußen in Millionenhöhe

Bereits am Donnerstag gab es einen Ansturm auf die Taxizentralen in Berlin. Die meisten nahmen zwar Vorbestellungen für Fahrten an, allerdings unter Vorbehalt. Nicht zu gesichert werden konnte aber, dass das Taxi pünktlich ist. Denn zu erwarten ist, dass vor allem Berufspendler aufs Auto umsteigen werden, sodass es auf dengroßen Einfallstraßen in die Stadt und in der City selbst zu langen Staus kommen wird.

Kritik am Ausmaß des Warnstreiks gibt es von den Unternehmensverbänden in Berlin und Brandenburg (UVB). „Wenn die halbe Stadt lahmgelegt wird, um eine Tarifforderung durchzusetzen, ist das alles andere als verhältnismäßig“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. Die Verbände befürchten Kosten in Millionenhöhe durch Umsatzeinbußen im Handel und bei Dienstleistern sowie durch Produktionseinschränkungen in den Betrieben. Die Gewerkschaft müsse mehr Augenmaß walten lassen, forderte Amsinck.

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