Rechtsextremismus

"Nur Lügen": "Volkslehrer" fliegt aus KZ-Gedenkstätte Dachau

Der Berliner Rechtsextremist Nikolai N. spielte in Dachau den Holocaust herunter und pöbelte herum, bis er rausflog.

Der sogenannte "Volkslehrer" beim Termin vor dem Berliner Arbeitsgericht im Januar.

Der sogenannte "Volkslehrer" beim Termin vor dem Berliner Arbeitsgericht im Januar.

Foto: dpa/Paul Zinken

Dachau. Der selbst ernannte "Volkslehrer" und Rechtsextremist Nikolai N. hat am Montag mit einem Gesinnungsgenossen in der KZ-Gedenkstätte Dachau Besucher und eine Gedenkstättenmitarbeiterin provoziert und beleidigt.

Wie der Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenstättenarbeit in Dachau auf seiner Facebookseite mitteilte, sei der 38-Jährige in Begleitung eines weiteren Mannes gekommen. Dieser habe eine Kamera dabei gehabt, um ein Video zu drehen.

Die Referentin habe N. erkannt, weil sie ihn zuvor bei einer Demonstration für die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck gesehen hatte. Laut Förderverein soll die Mitarbeiterin N. umgehend aufgefordert haben, die Gedenkstätte zu verlassen. Daraufhin begann der "Volkslehrer", die Frau zu beleidigen und zu verhöhnen.

Als die Mitarbeiterin erwähnte, dass ihr Großvater im KZ gesessen habe, soll N. gesagt haben, dass sie doch wohl Jüdin sei und "der Opa es ja nicht so schlecht" gehabt habe. Er habe danach "wohl schöne Geschichten" erzählen können. Danach wandte sich der Rechtsextremist an eine Schülergruppe und erklärte laut Förderverein, dass in der Gedenkstätte "nur Lügen erzählt" würden. Zu einer Schülerin, die laut protestierte, soll N. gesagt haben, sie solle sich nicht so aufregen, sie habe wohl ihren Tampon vergessen.

Hausverbot und Anzeige wegen Hausfriedensbruchs

Anschließend gelang es weiteren Mitarbeitern der Gedenkstätte, N. vom Gelände zu entfernen. Sie riefen die Polizei, erteilten dem "Volkslehrer" Hausverbot und zeigten ihn wegen Hausfriedensbruchs an.

N. selbst soll laut Förderverein wiederum Anzeige wegen Beleidigung gegen die Mitarbeiterin gestellt haben. Außerhalb der Gedenkstätte drehte N. dann noch ein Video, das er danach auf seinem Youtube-Kanal veröffentlichte. Die Einstellung wurde dabei aber so gewählt, dass der Clip nicht in Deutschland abrufbar ist.

In dem Video soll er Gleichgesinnte dazu aufrufen, Gedenkorte der Shoa zu besuchen, zu filmen und den sogenannten "Schuldkult" zu beenden. Der Begriff "Schuldkult" ist ein Schlüsselwort in der rechtsextremen Szene, mit dem das Andenken an den Holocaust diskreditiert werden soll.

Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, äußerte sich am Mittwoch zu dem Vorfall. Die Gedenkstätte sei grundsätzlich eine offene Einrichtung, allerdings setze der Besuch den Respekt vor den Naziopfern sowie die Anerkennung historischer Fakten voraus.

"Volkslehrer" Nikolai N. war am 27. April 2018 aus dem Schuldienst entlassen worden. Er hatte an der Vineta-Grundschule in Wedding unterrichtet und im Internet auf seiner Youtube-Seite krude Thesen und Verschwörungstheorien verbreitet.

N. hatte gegen seine Entlassung geklagt. Das Berliner Arbeitsgericht lehnte im Januar die Klage ab. Richter Arne Boyer fand in seiner Urteilsbegründung deutliche Worte. Der Lehrer habe seine Videos im Internet gezielt als Propagandamittel genutzt, um den Rechtsstaat anzugreifen, zu verunglimpfen und verächtlich zu machen.

Es seien auch wegen Volksverhetzung verurteilte Straftäter zu Wort gekommen, zudem sei über die Zahl von Holocaust-Opfern spekuliert worden. Das sei für einen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes unangemessen und nicht tolerabel - auch wenn es kein Fehlverhalten im Unterricht gab.

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