Germania-Insolvenz

Geschäftsmodell von Regionalflughäfen gerät ins Wanken

Die Airline war in der Provinz mit Marktanteilen von bis zu 73 Prozent stark vertreten. Nun gibt es eine Debatte um Subventionen.

Der Flughafen Erfurt verliert fast alle Abflüge.

Der Flughafen Erfurt verliert fast alle Abflüge.

Foto: Martin Schutt / dpa

Für Tausende Passagiere ist die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania ein Schock. Bezahlte Tickets sind wertlos, Pauschalreisende werden umgebucht. Besonders hart trifft die Pleite Flughäfen in der Provinz. Denn der Nischenanbieter Germania war für sie wichtig.

Gut 3,4 Millionen Menschen stiegen im vergangenen Jahr an deutschen Flughäfen in die Jets von Germania. Mit gut zwei Prozent aller Passagiere spielte die Berliner Fluggesellschaft für den Gesamtmarkt keine große Rolle. Laut der Interessengemeinschaft der regionalen Flugplätze (IDRF) verlieren jedoch vor allem Regionalflughäfen.

Schon in der Vergangenheit habe der Verdrängungswettbewerb vieler Airlines dazu geführt, dass sehr viele kleine Fluggesellschaften verloren gegangen seien, erklärt der Vorsitzende Ralf Schmid. Durch eine dauerhafte Betriebseinstellung würden regionale Flugplätze wichtige Verbindungen verlieren, warnt er.

Verbraucher nicht bereit, höhere Ticketpreise zu zahlen

An kleinen Flughäfen wie Bremen, Rostock-Laage, Dresden, Erfurt, Münster/Osnabrück, Nürnberg und Friedrichshafen hatte Germania Marktanteile von bis zu 73 Prozent.

Die Flughäfen befänden sich in einer schwierigen Situation, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. An den kleinen Airports flögen vor allem kleine Fluggesellschaften. „Die Struktur des Marktes lässt Airlines dieser Größe nicht mehr zu“, sagt er. Die Kostenvorteile von Ryanair, Easyjet oder der Lufthansa-Gruppe mit jeweils mehreren Hundert Flugzeugen seien brutal. Verbraucher seien nicht mehr bereit, bei Nischenanbietern höhere Ticketpreise zu zahlen.

Der Flughafen Münster/Osnabrück hat viele Krisen mitgemacht. Die Pleite von OLT Express im Jahr 2013, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Air Berlin, nun Germania: Von 1,8 Millionen Passagieren im Spitzenjahr 2000 sind die Hälfte übrig. Mit Germania verliert der Flughafen weitere 270.000 Passagiere. Geschäftsführer Rainer Schwarz hofft wie seine Kollegen auf eine Nachfolge-Airline.

Kleine Flughäfen kämpfen ums Überleben

Die Pleite fällt in eine Zeit, in der kleine Flughäfen um ihr Überleben kämpfen. Ab 2024 dürfen sie keine Subventionen mehr erhalten. Ohne Millionen aus öffentlichen Kassen sind viele kaum lebensfähig. Bis 2021 wollte etwa der Flughafen Münster/Osnabrück in die schwarzen Zahlen kommen. Was die Germania-Insolvenz bedeutet, kann Schwarz noch nicht beantworten.

Eine klare Meinung hat Oliver Krischer, Vizechef der Grünen im Bundestag. „Die meisten Regionalflughäfen sind Subventionsgräber. Selbst mit vielen Steuergeldern werden rote Zahlen geschrieben“, sagt er der Berliner Morgenpost. Mit den vermehrten Pleiten verschärfe sich das Problem der Wirtschaftlichkeit der Provinz-Airports weiter. Für ihn ist es Zeit für einen radikalen Schnitt: „Bei den meisten Regionalflughäfen gilt für mich: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

Dagegen spricht sich Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt aus: „Die Flughäfen sind eine Stütze der regionalen Verkehrsinfrastruktur.“ Vor allem die mittelständische Wirtschaft brauche Flughäfen in der Provinz.

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