Radverkehr

Ärger um neuen Radweg an der Hasenheide

Neuköllner Anwohner fühlen sich vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg übergangen.

So soll der „grüne Radstreifen“ zwischen Südstern und Hermannplatz aussehen. Dafür fallen viele Parkplätze weg.

So soll der „grüne Radstreifen“ zwischen Südstern und Hermannplatz aussehen. Dafür fallen viele Parkplätze weg.

Berlin. „Kreuzkölln“ kennt wohl jeder – sprachlich sind die Bezirke Kreuzberg und Neukölln längst zusammengewachsen. Doch an der Hasenheide trennt neuerdings eine 300 Meter lange, massive Absperrung die beiden Bezirke – und sorgt auf Neuköllner Seite für Ärger. Denn die rot-weißen Absperrgitter trennen zwischen Südstern und Fichtestraße nicht nur Fahrbahn und Gehweg, sondern blockieren außerdem die letzten für die Anwohner verfügbaren Parkplätze.

Seit Montag lässt das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg einen Fahrsteifen neu teeren, auf dem künftig ein „geschützter Radstreifen“ entsteht. Mit den grün gefärbten Radwegen will der rot-rot-grüne Senat den Radverkehr sicherer machen. Danach wird die ursprünglich zweispurige Hasenheide Richtung Hermannplatz nur noch einen Fahrstreifen haben. Danach werden weniger Parkplätze vorhanden sein als zuvor.

Viele Anwohner sind verärgert. Die Straße zu überqueren, ist momentan für Fußgänger nun nur noch am Baustellenbeginn möglich. „Unsere Patienten beschweren sich unendlich“, sagt eine medizinische Fachangestellte in einer Kinderarzt-Praxis an der Hasenheide. „Parken war hier sowieso schon immer schwierig. Jetzt ist es unmöglich.“ Zudem befürchte sie Staus auf der Hasenheide – sowohl während der Bauarbeiten als auch danach, wenn die Straße dann nur noch einspurig ist.

Auch für Radfahrer zunächst eine Verschlechterung

Auch für die Fahrradfahrer ist die jetzige Situation erst mal eine Verschlechterung. Wollen sie vom Südstern Richtung Hermannplatz fahren, müssen sie sich nun entweder durch die Baustelle schlängeln, sich mit den Fußgängern den schmalen Gehweg teilen – oder, was viele tun, widerrechtlich auf den Radweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite ausweichen.

Genervt von der Baustelle sind auch Restaurantbesitzer. Ein Mitarbeiter des „Brauhaus Südstern“ beobachtete am Montagmorgen die Müllabfuhr, die die großen Mülleimer zwischen den Absperrungen hindurchbugsieren musste. „Auch unsere Lieferanten haben Schwierigkeiten“, sagte er. Verärgert sind die Anwohner auch, weil sie nicht informiert wurden. Er habe von dem Radweg nur aus der Presse erfahren, sagte Matthias Grimm, der auf der Neuköllner Seite der Hasenheide wohnt. Das Problem: Die Häuser der nördlichen Seite gehören zu Neukölln, die Straße dagegen in der vollen Breite zu Friedrichshain-Kreuzberg.

Niemand habe etwas gegen eine Lösung für Fahrradfahrer, sagte Grimm, „aber wir haben seit Einführung der Parkraumbewirtschaftung im Bergmannkiez ohnehin schon eine Katastrophe, was die Parkplätze betrifft“. Zwar können dort Anwohner eine Parkvignette beantragen – nicht jedoch die Neuköllner Nachbarn, die nun fordern, ebenfalls in die Parkzone aufgenommen zu werden. Und während im Nachbarkiez an der Bergmannstraße ausführlich über Parklets und andere Maßnahmen diskutiert werde, seien die Neuköllner nie informiert worden. „Ich hatte schon im Juli 2018 eine Anfrage gestellt“, sagte Grimm, „doch die Bezirksämter schieben sich die Verantwortung und Zuständigkeit gegenseitig zu. Es ist eine Posse, die wir ausbaden.“