Falschanrufe

Unbekannte attackierten gezielt Notruf-Hotline der Feuerwehr

Die Berliner Feuerwehr registrierte mehr als 5700 Falschanrufe. Überlastete Notrufleitungen können fatale Folgen haben.

Ein Mitarbeiter der Leitstelle der Berliner Feuerwehr nimmt einen Notruf entgegen.

Ein Mitarbeiter der Leitstelle der Berliner Feuerwehr nimmt einen Notruf entgegen.

Berlin. Das Notrufsystem der Berliner Feuerwehr ist gezielt und mit technischen Hilfsmitteln attackiert worden. Der Angriff ereignete sich bereits im Zeitraum zwischen Februar und März 2017, wurde aber in seinem Umfang erst jetzt bekannt. In der Antwort des Senats auf eine schriftliche Anfrage des innenpolitischen Sprechers der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Marcel Luthe, heißt es, dass in diesem Zeitraum mit 5735 zweckentfremdeten Notrufen ein außergewöhnlich hoher Wert registriert worden sei. Dies sei auf die Nutzung von technischen Hilfsmitteln zurückzuführen, heißt es von der Feuerwehr. Zum Vergleich: Im kompletten Jahr 2016 waren es 156 solcher wissentlichen Falschanrufe und im Jahr 2018 laut Behörde nur 89.

„Dass die Berliner Feuerwehr kurz nach dem Anschlag am Breitscheidplatz Opfer einer gezielten Attacke auf ihr Callcenter werden konnte, ist besorgniserregend. Derart wichtige Infrastrukturen müssen gegen ein Lahmlegen geschützt werden – was möglich ist, aber offenbar keine Priorität hat“, sagte Luthe dieser Zeitung. Wie genau die Attacke auf den Feuerwehrnotruf erfolgte, ist unklar.

Bei der 112 warten Anrufer rund 21 Sekunden

Allerdings können überlastete Notrufleitungen fatale Wirkungen haben, wie aus der Auswertung der Feuerwehr hervorgeht. Zuletzt war das beim Sturmtief „Xavier“ der Fall, das vom 4. bis 6. Oktober 2017 mit Orkanböen über Deutschland zog. Die Notrufleitungen waren damals hoffnungslos überlastet. Ein Anrufer musste sogar elf Minuten und acht Sekunden in der Warteschleife der 112 warten, bevor sein Anruf angenommen werden konnte. Im Jahr 2018 lag der Rekord bei sechs Minuten und 35 Sekunden. Das sind allerdings auffällige Werte. Im Schnitt warteten Anrufer im vergangenen Jahr 20,67 Sekunden. Das war ein minimal höherer Wert als im Jahr 2017 mit 20,6 Sekunden. „Bei einem Schlaganfall richtet jede Minute schlimmere Schäden an, aber offenbar hält der Senat es für zumutbar, den Notfallpatienten zehn Minuten in der Warteschleife zu halten. Diese Unterausstattung der Feuerwehr ist keine Luxusfrage, sondern kann einen Menschen das Leben kosten“, sagte Luthe.

Wartezeit bei Notruf 110 etwas kürzer

Die durchschnittliche Wartezeit beim 110-Notruf der Berliner Polizei hat sich wieder etwas verkürzt. Im vergangenen Jahr mussten Anrufer im Schnitt 14 Sekunden lang in der Warteschleife ausharren, bis der Anruf entgegengenommen wurde. In den Jahren 2014 und 2015 waren es 11 Sekunden und in den Jahren 2016 und 2017 lag die Wartezeit bei 16 Sekunden.

In Zeiten mit vielen Notrufen oder zu wenig Personal in der Zentrale der Polizei müssen einzelne Anrufer auch mal viel Geduld haben. Ein Durchschnitt von 14 Sekunden Warten bedeutet, dass viele Anrufe nach wenigen Sekunden beantwortet werden. Dass aber andere Menschen erst nach 30, 40 oder 60 Sekunden dran kommen. Die längste Wartezeit bei einem Anruf dauerte im vergangenen Jahr 6,35 Minuten. 2017 waren es 11,08 Minuten. Vorher wurden die Werte nicht so konkret erfasst.

Mehr zum Thema:

Hilfe auf Knopfdruck: Worauf man beim Hausnotruf achten muss

Mann parkt Rettungswagen um – und attackiert Sanitäter

Ältere Dame löst SEK-Einsatz in Zehlendorfer Arztpraxis aus

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.