Olympische Disziplin

Mellowpark in Köpenick soll Bundesstützpunkt für BMX werden

Der Mellowpark An der Wuhlheide in Köpenick soll Bundesstützpunkt für BMX-Fahrer werden. Doch der Senat zögert.

Lara Lessmann beim Training im Mellowpark in Köpenick.
Im Sommer hat sie ideale Bedingungen, im Winter fehlt die Halle.

Lara Lessmann beim Training im Mellowpark in Köpenick. Im Sommer hat sie ideale Bedingungen, im Winter fehlt die Halle.

Foto: Jan Bekurtz

Berlin. Lara Lessmann sieht gerade nicht sehr glücklich aus, als sie aus dem Fenster des Büros im Mellowpark schaut. Regen vermischt mit leichtem Schnee. Eigentlich ist die 18-Jährige mit ihrem Rad eins, ohne Rad „geht eigentlich kein Tag“, sagt die Jugendolympiasiegerin. In der jungen, urbanen Sportart BMX gehört sie zu den besten der Welt. Ihre Mission ist Olympia 2020 in Tokio, wo BMX Freestyle-Park erstmals als olympische Disziplin zugelassen wird.

Lara sollte also trainieren. Doch bei den Temperaturen geht es einfach nicht. „Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal draußen gefahren bin. Es ist immer alles nass, ich muss die Rampen mit dem Gasbrenner trocken machen“, erzählt sie. Die Zeit drängt: Im April steht ein Wettbewerb in Japan zur Olympiaqualifikation an. „Ich muss mich doch weiterentwickeln“, meint sie. Die Konkurrenz aus Russland, USA und Großbritannien schläft nicht. Dort sind die Sportler das ganze Jahr hindurch auf ihrem Rad. Lara Lessmann könnte also den Vorsprung verlieren, den sie bislang hat.

Im Sommer ist der Mellowpark – schräg gegenüber der Alten Försterei an der Spree gelegen – ein Mekka für Skater und BMX-Fahrer. Im Winter fehlt die richtige Halle. Es gibt zwar eine, doch die ist für hohe Sprünge einfach zu niedrig. Das ist zu gefährlich, nicht nur für Lara. „Wir versuchen Notlösungen zu finden, etwa ein Trainingslager“, erklärt uns Jens Werner, Vorstand des Vereins Mellowpark und BMX-Freestyle-Koordinator beim Bund Deutscher Radfahrer.

Und so wird die Berliner Sportlerin in den nächsten Wochen Richtung USA und Großbritannien starten. In Kalifornien ist das Wetter besser, in Großbritannien zwar nicht, dort aber gibt es professionelle BMX-Hallen.

Der neue Bundestrainer arbeitet bereits im Mellowpark

Berlins 18-jährige Olympiahoffnung bräuchte eine ganzjährig nutzbare Trainingsstätte. Damit der Mellowpark sich schnell profilieren kann, wirbt der Bundesverband Deutscher Radfahrer (BDR) beim Land Berlin um fixe Anerkennung als Bundesstützpunkt für BMX Freestyle-Park, zumal die Errichtung des Bundesstützpunktes im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag aufgenommen ist.

Vier Punkte sind für den BDR ausschlaggebend für den Standort in Köpenick: Das 70.000 Quadratmeter große Areal verfüge über eine in Deutschland „einzigartige Kombination“ von BMX-Freestyle- und BMX-Race-Trainingsstätte, die es erlaubt, ein regelmäßiges Training abzuhalten, heißt es in einem Schreiben an die Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Mit Tobias Wicke und Jan Bekurz, so heißt es weiter, arbeiten die einzigen bisher vom BDR ausgebildeten Trainer der Freestyle-Szene in Berlin, die regelmäßig Sportler im Mellowpark betreuen. Erst vor drei Tagen wurde Wicke zum Bundestrainer ernannt. Nicht zuletzt trainiert in Köpenick ein Großteil des Bundeskaders.

Zudem sei die Köpenicker Flatow-Sportschule ein zuverlässiger Kooperationspartner, so dass die „duale Karriere-Planung“ von Sportlern wie Lara Lessmann abgesichert ist. Die BMXlerin ist dort im letzten Jahr vor dem Abitur. Die Hauptstadt hätte bundesweit in der BMX-Disziplin ein „absolutes Alleinstellungsmerkmal“, führt BDR-Generalsekretär Martin Wolf aus. Vom Image her passe BMX als urbane, zukunftsträchtige Disziplin „perfekt zu Berlin“. Der Meinung ist auch Jens Werner: „Wenn nicht in Berlin, wo sollte dieser Sport sonst hingehören?“

Um olympiatauglich zu sein, müssten die Rahmenbedingungen im Mellowpark stimmen. Das Areal an der Wuhlheide braucht ein Leistungszentrum mit dem Herzstück einer BMX-Trainingshalle, damit bei jedem Wetter gearbeitet werden kann. Dazu gehören natürlich Umkleiden, Duschen, Geräteräume, Küche und Schulungsräume. Der Bau der Halle wird auf zwei Millionen Euro geschätzt. Der Bebauungsplan sieht zudem die Planung für ein Hostel mit Einzel- und Doppelzimmern sowie Mehrbettzimmern mit 40 Betten vor, damit bei Wettkämpfen Gäste untergebracht werden können. Platz gibt es noch für eine Außenanlage mit Flächen für Wohnmobile und Campingmöglichkeiten.

Für den Outdoor-Park sind rund 400.000 Euro veranschlagt. Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) hat dafür bereits Fördermittel beantragt. Immerhin gab der Bezirk dem Mellowpark mit einem Nutzungsvertrag den Zuschlag bis 2035, sicherte damit dieses Grundstück mit Spreeblick für Sport- und Jugendarbeit. Für den August läuft erst einmal ein Antrag auf die Förderung der Deutschen BMX-Meisterschaft im Mellowpark.

Bei BMX gibt es noch keine festen Verbandsstrukturen

In der Senatsverwaltung reagiert man zurückhaltend auf die Pläne. Die Anerkennung als Bundesstützpunkt würde man ab 2020 unterstützen, heißt es in einem Schreiben an den BDR. Das ist genau das Olympiajahr, für ambitionierte Sportlerinnen wie Lara Lessmann wäre das wohl zu spät.

Auch vom Mellowpark ist keine Rede, lediglich der Verweis auf die Nutzung des Velodroms als Trainingsstätte. Dort wären vorhandene Gebäude zu nutzen und gegebenenfalls auszubauen. Vermutlich, so ein BMX-Experte, sei man in der Senatsverwaltung von der Entwicklung dieser jungen Sportart überrascht worden und noch nicht richtig aufgestellt. Erfahrung fehle, zumal es noch keine festen Vereins- und Verbandsstrukturen gäbe wie beispielsweise beim Schwimmen. Kurz: BMX fehlt die Lobby.

In vielen Köpfen ist wohl auch noch nicht angekommen, dass BMX ein Leistungssport ist – und nicht mehr nur Lifestyle. Und der Mellowpark, der aussieht wie ein wilder, freier Abenteuerspielplatz mit Feuerschale und bunten Wagenburgen, passt nicht unbedingt ins Schema einer Sportstätte. Die Kosten für die Einrichtung eines Bundesstützpunktes liegt nach Einschätzung des BDR im sechsstelligen Bereich, darunter fallen Personalkosten und die Kosten für die Sporthalle. Die Hälfte müsste das Land Berlin aufbringen.

Für BDR-Leistungssportdirektor Patrick Moster in Frankfurt ist die Argumentation auf Senatsebene nur schwer nachvollziehbar. „Berlin ist der einzige und wichtigste Standort für BMX Freestyle-Park.“ Der BMX-Park müsse sofort am Standort installiert werden, um „einen geordneten Trainingsbetrieb anzufangen. Sonst könnten andere Bundesländer schneller sein, und wir sind draußen“, erklärt der Berliner SPD-Abgeordnete Robert Schaddach, Mitglied im Sportausschuss.

„Wenn wir dauerhaft keinen vollständigen Park mit Halle haben, dann verlieren wir unseren Status. Ein Leistungssportler schaut sich doch immer nach den besten Trainingsmöglichkeiten um“, befürchtet Jens Werner. Lara Lessmann jedenfalls muss jetzt erstmal in die USA fliegen – zum Training.