Wohnungsmangel

Verband: Mehr Fertigelemente für Wohnungsbau in Berlin

Der Bauindustrieverband plädiert für mehr seriellen Wohnungsbau. Die Architektenkammer warnt dagegen vor „Gettos von morgen“.

Arbeiter auf einer Baustelle

Arbeiter auf einer Baustelle

Foto: dpa Picture-Alliance / FrankHoermann/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin.  Der Bauindustrieverband Ost will den Wohnungsbau in Berlin mit vorgefertigten Bauelementen beschleunigen. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Robert Momberg, sagte im Gespräch mit der Berliner Morgenpost, Berlin stehe vor der Herausforderung, sehr schnell sehr viele Wohnungen neu bauen zu müssen. „Da ist es naheliegend, Erfahrungen aus anderen Branchen aufzunehmen und in die Bauindustrie zu übertragen. Wenn Wohnungen verstärkt mit dem Einsatz von Fertigelementen gebaut werden könnten, würden Projekte nicht nur schneller fertig, sondern auch günstiger werden“, erklärte er.

Berlin will bis 2030 mindestens 200.000 neue Wohnungen bauen. Wegen des andauernden Zuzugs fehlt vor allem bezahlbarer Wohnraum für Durchschnittsverdiener. Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) steht wegen des bislang schleppenden Neubaus in der Kritik, hielt bislang aber an dem Ziel der Landesregierung fest, in dieser Legislaturperiode rund 30.000 kommunale Wohnungen neu errichten zu wollen. Die Zahl der Baugenehmigungen war in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres allerdings zunächst gesunken. Die Opposition warf Lompscher Versagen vor.

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In einer Zeit, in der schnell und günstig gebaut werden soll, könne die serielle Bauweise eine Alternative sein, so Verbandsgeschäftsführer Momberg weiter. Berlin habe bereits gute Erfahrung mit serieller Bauweise gemacht, etwa beim Neubau von Schulen. Der Bauindustrieverband Ost werde nun das Gespräch mit den zuständigen Senatsverwaltungen suchen, um diese Bauart auch verstärkt auf Wohnungen zu übertragen, kündigte der Verbandschef an. Der Bauindustrieverband Ost ist der Wirtschafts- und Arbeitgeberverband der bauindustriellen Unternehmen in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Er vertritt die Interessen von 260 Unternehmen mit etwa 20.000 Beschäftigten. In Berlin spricht der Verband für rund 90, vor allem größere Baufirmen mit nahezu 8000 Mitarbeitern.

Architektenkammer: Nicht die Gettos von morgen errichten

Die Architektenkammer Berlin lehnt den Vorstoß des Bauindustrieverbands indes ab. Die Ursache für den Wohnungsmangel in der Stadt sei so nicht zu bekämpfen, sagte Präsidentin Christine Edmaier. „Wir brauchen verfügbare Grundstücke, schnellere Genehmigungsverfahren und ein besseres und wohlwollendes Klima gegenüber Bauwilligen“, erklärte sie. Mit welchen Methoden diese Gebäude errichtet würden, sei zweitrangig. Mit Blick auf den seriellen Wohnungsbau würden bestehende Möglichkeiten, im Rahmen von Vorfertigung abwechslungsreiche und wiedererkennbare Quartiere zu bauen, nicht immer genutzt, kritisierte Edmaier: „Das ist aber notwendig, wenn wir nicht die Gettos von morgen errichten wollen.“

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Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen teilte mit, serielles Bauen könne dazu beitragen, in kurzer Zeit für viele Menschen Wohnraum zu erschwinglichen Mieten zur Verfügung zu stellen. „Berlin hat schon lange erkannt, dass serielles Bauen Zeit und Planungskosten spart und eine Vorfertigung als Fertigteil, als Fertigelement oder Raumzelle in hoher Stückzahl ein Instrument zur Errichtung kostengünstiger Schul- und Kitabauten, aber auch Wohnungen ist“, erklärte eine Sprecherin. Erste Projekte der landeseigenen Wohnungsunternehmen gebe es bereits.

Erst im September hatte die landeseigene Gewobag den Grundstein für 678 neue Wohnungen in Lichtenberg gelegt. Darin sollen auch 831 Badzellen aus Stahlbeton in unterschiedlichen Größen und Grundrissen verbaut werden. Die Bäder werden zu der Baustelle komplett vorproduziert geliefert und müssen vor Ort nur noch eingebaut und angeschlossen werden, so die Wohnungsbaugesellschaft. Die Vorproduktion biete die Möglichkeit hoher Qualität und könne, gut geplant, Zeit sparen, erklärte damals Gewobag-Vorstand Markus Terboven.

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