Reaktivierung

Heidekrautbahn rollt ab 2023 bis Wilhelmsruh

Berlin und Brandenburg geben nun 760 000 Euro, um die Reaktivierung dieses Abschnitts zu planen.

Heidekrautbahn (Archivbild)

Heidekrautbahn (Archivbild)

Foto: picture alliance/Paul Zinken

Berlin. „20 Jahre wurde über das Projekt diskutiert – heute wird das Vorhaben endlich unterschrieben.“ Mit diesen Worten setzte Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) am Donnerstag ihre Unterschrift unter eine Planungsvereinbarung zur Reaktivierung der Heidekrautbahn-Stammstrecke zwischen Berlin-Wilhelmsruh und Basdorf. Ihr folgten Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) und Detlef Bröcker, Vorstand der Niederbarnimer Eisenbahn AG (NEB).

Wenn es im ersten Schritt „nur“ um den Neubau eines 13,5 Kilometer langen Abschnittes und den Bau von acht neuen Bahnhöfen geht: Die Vereinbarung ist ein wichtiges Startsignal für den Auf- und Ausbau sieben weiterer Strecken im Speckgürtel, auf die sich Berlin und Brandenburg im vergangenen Jahr einigten. Mit der Heidekrautbahn fuhren in den 20er-Jahren die Ausflügler aus Berlin in die Schorfheide und an den Werbellinsee. Nach dem Bau der Berliner Mauer blieb lediglich die Rumpfstrecke nördlich der Berliner Mauer ab Schildow (Oberhavel) in Betrieb. Längst sind Gemeinden wie Wandlitz und Basdorf (Barnim) oder Wensickendorf (Oberhavel) wichtige Zuzugsgebiete im Speckgürtel. Die Reaktivierung der Ursprungsstrecke bis nach Wilhelmsruh und deren spätere Weiterführung bis nach Gesundbrunnen soll die Bahnanbindung erheblich verbessern. Derzeit betreibt die NEB – ebenfalls unter dem Namen Heidekrautbahn – eine weiter östlich gelegene Strecke von Karow (Barnim) nach Basdorf und nutzt dabei ab Schönwalde die alte Heidekrautbahntrasse.

„2023 werden wir die Bahn auf ihrer Stammstrecke fahren sehen, das ist ein realistisches Ziel“, sagte Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). Die voraussichtlichen Kosten für die vereinbarte Planungsleistung belaufen sich nach Angaben der Senatorin auf rund 760.000 Euro und werden von den Ländern Berlin und Brandenburg getragen. Vertragspartner sind die Länder als Verantwortliche für den Schienenpersonennahverkehr sowie die NEB als Infrastruktureigentümerin der Heidekrautbahn. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) betreut das Teilprojekt Nordbahn/Heidekrautbahn federführend.

Baukosten betragen mehr als 20 Millionen Euro

Die voraussichtlichen Kosten für den Bau bezifferte NEB-Vorstand Bröcker insgesamt auf 20 bis 22 Millionen Euro. Genauer könne man das jedoch erst nach Abschluss der Planungen sagen. Als neue Halte sind in Berlin-Wilhelmsruh, Pankow Park, Wilhelmsruher Damm, Blankenfelde, Schildow, Schildow Nord, Mühlenbeck und Schönwalde West vorgesehen. Geplant sei zunächst ein Zugverkehr im Stundentakt sagte Bröcker weiter. Das Ziel sei aber die Einführung eines Halbstundentaktes über die gesamte Stammstrecke der Heidekrautbahn, wenn diese in einem zweiten Bauabschnitt bis Gesundbrunnen fertiggestellt werde und die eingleisige Strecke einen Ausweichbahnhof erhalte. Welcher der neuen Bahnhöfe dafür zum Kreuzungsbahnhof ausgebaut werde, sei noch nicht entschieden.

Für die Planungen im Abschnitt Berlin-Wilhelmsruh und Berlin Gesundbrunnen ist die DB Netz AG zuständig, ergänzte Infrastrukturministerin Schneider. Sie gehe davon aus, dass die Weiterführung bis Gesundbrunnen Ende 2028 in Betrieb gehen könne.

„Allein im Mühlenbecker Land und Glienicke/Nordbahn leben 30.000 Einwohner – vor 20 Jahren waren es lediglich 10.000“, sagte der Landrat des Landkreises Oberhavel, Ludger Weskamp (SPD). Und der Zuzug halte an. Der fehlende Anschluss an den Schienenverkehr sei ein ernstes Problem, zumal auch die Straßeninfrastruktur am Limit sei. Weil die Strecke so wichtig für die Region sei, habe der Landkreis Oberhavel beschlossen, 15 Millionen Euro als Vorfinanzierung zur Verfügung zu stellen. „Wir erwarten natürlich, dass das Geld an uns zurückfließt“, betonte Weskamp. Wie sich Berlin und Brandenburg die Kosten teilen, ist indes noch offen, wie Senatorin Günther bestätigte. Daran werde das Projekt aber nicht scheitern.

Die Reaktivierung der Heidekrautbahn ist das erste konkrete Vorhaben des „Infrastrukturprojektes i2030“, das die Länder Berlin und Brandenburg sowie die DB Netz AG 2017 vereinbart haben. Das Projekt sieht den Ausbau von acht Strecken vor, die Berlin mit dem südlichen und dem nordwestlichen Umland verbinden.