Verkehr in Berlin

E-Busse sollen schneller in Berlin auf die Straße

In diesem Jahr will die BVG 30 Elektrobusse im Nahverkehr einsetzen. Der Prototyp zum Üben rollt bereits durch Berlin.

Umweltsenatorin Regine Günther (v.l.), BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta und BVG-Buschef Torsten Mareck stehen im Rahmen einer Testfahrt vor einem elektrischen Bus. Im Frühjahr 2019 sollen die ersten Serien-E-Busse in Berlin eintreffen.

Umweltsenatorin Regine Günther (v.l.), BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta und BVG-Buschef Torsten Mareck stehen im Rahmen einer Testfahrt vor einem elektrischen Bus. Im Frühjahr 2019 sollen die ersten Serien-E-Busse in Berlin eintreffen.

Foto: dpa

Berlin. Leise und geschmeidig rollt der Elektrobus auf der Holzmarktstraße. Kein Ruckeln. „Man kann ihn feinfühlig fahren“, sagt Torsten Mareck. „Er wird stufenlos gesteuert, beim Anfahren und Bremsen.“ Der Bereichsleiter Omnibus bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) saß an diesem Freitag am Steuer und chauffierte Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne), BVG-Chefin Sigrid Nikutta und Journalisten durch die Stadt.

Das Fahrzeug kam bereits kurz vor Weihnachten nach Berlin und dient den Bus-Fahrern derzeit zum Eingewöhnen. 30 Elektrobusse treffen in den kommenden Monaten bei der BVG ein. Mercedes-Benz liefert 15 Fahrzeuge. Es ist die elektrische Variante des Stadtbusses Citaro. Weitere 15 Busse vom Typ New Urbino 12 Electric schickt die polnische Firma Solaris. Alle Fahrzeuge sind mit Wlan und USB-Anschluss ausgestattet – und mit dem bekannten Sitzmuster der BVG.

Investition für die Busse beläuft sich auf 18 Millionen

„Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung in Berlin“, sagte BVG-Chefin Nikutta am Freitag. Die neuen Fahrzeuge sollen sofort im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden, voraussichtlich auf den Linien 142, 147, 194 und 240. Die Investition für die 30 Busse beläuft sich auf insgesamt 18 Millionen Euro. 90 weitere Fahrzeuge, je zwölf Meter lang, sollen in den nächsten drei Jahren angeschafft werden.

2020 werden außerdem 15 Gelenkbusse erwartet. Gespräche über eine schnellere Beschaffung seien im Gange, so Nikutta. Denn 2030 will die BVG keine Diesel-Busse mehr einsetzen. „Das ist eine Herausforderung. Wir müssen parallel aber auch unsere Infrastruktur hochrüsten“, so Nikutta. Der Betriebshof an der Indira-Gandhi-Straße in Weißensee ist zunächst das Zentrum der Elektrobusse, denn dort gibt es den erforderlichen Platz. Die Baustelle für die ersten 30 Ladesäulen ist eingerichtet, bis zu 120 sollen es werden.

„Wir müssen auch an anderen Orten in der Stadt Elektro-Betriebshöfe bauen“, kündigte Nikutta an. Zusätzliche Flächen würden benötigt, denn die bestehenden sechs Betriebshöfe seien gut ausgelastet. „Wir haben unsere Wunschstandorte schon definiert“, sagt Nikutta. Auch die Vergrößerung des BVG-Betriebshofs an der Hertzallee nahe dem Bahnhof Zoo werde diskutiert.

Denn das Problem ist die Reichweite der Elektrobusse

Sie liegt bei durchschnittlich 150 Kilometern. Danach muss die Batterie für vier bis sechs Stunden geladen werden. Zum Vergleich: Diesel-Busse legen 600 bis 700 Kilometer mit einer Tankfüllung zurück. Die Standardbusse der BVG fahren 300 bis 400 Kilometer am Tag. „Wir werden langfristig auch Linien ändern müssen, damit wir sie mit Elektrobussen bedienen können“, sagt Sigrid Nikutta.

Mit dem Start der Elektrobusse 2019 werde ein Beitrag zum Klimaschutz und zum Gesundheitsschutz geleistet, sagte Senatorin Günther am Freitag. Berlin sei hinsichtlich der Elektromobilität im Wettstreit mit anderen Städten. Komfort und Funktionalität seien wichtig dafür, dass die neuen Busse angenommen werden. Finanzielle Förderung kommt in den nächsten Jahren von den Bundesministerien für Umwelt und für Verkehr. Sie übernehmen Teile der Mehrkosten für den Elektrobus im Vergleich zum Diesel-Fahrzeug. Weitere Mehrkosten soll Berlin tragen. Die BVG bezahle nur das, was sie auch für einen Dieselbus zahlen würde, sagte Nikutta.

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