Verkehr

Warnung vor Kollaps: Baustellen bremsen Verkehr in Berlin

Baustellen werden Autofahrer auch 2019 vielerorts nerven. Dazu kommen Sperrungen von Bahnstrecken. Der ADAC warnt vor einem Kollaps.

Friedrichstraße

Friedrichstraße

Foto: Reto Klar

Berlin.  Die Berliner und ihre Gäste werden sich im neuen Jahr auf Staus, Umwege, volle Züge und unterbrochene Bahnlinien einrichten müssen. An zahlreichen Stellen des Straßen- und Schienennetzes der Bundeshauptstadt wird im Jahr 2019 repariert, saniert und neu gebaut.

Die Baustellen werden „für den Verkehr in der Stadt enorme Behinderungen zur Folge haben“, stellt der Automobilclub ADAC Berlin-Brandenburg in einem Ausblick zum Jahreswechsel fest. Der Autofahrerverband kritisiert zugleich eine mangelnde Abstimmung bei der Baustellenplanung. Es entstehe „der Eindruck, dass Baustellen genehmigt werden, ohne den Verkehrsablauf halbwegs akzeptabel aufrechterhalten zu können“. Zusätzliche Staus entstünden durch schlechte oder kaum vorhandene Umfahrungsmöglichkeiten.

Auch die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus fordert den Senat auf, zügig ein umfassendes und effizientes Baustellenmanagement einzurichten. „Sonst wird er selbst zum größten Stauverursacher der Stadt“, so der FDP-Abgeordnete Henner Schmidt. „Es fehlt hier ganz klar an einer zentralen Koordinierungs- und Genehmigungsstelle“, fasst der ADAC seine Kritik zusammen.

Ein Beispiel dafür seien die vielen Baustellen im Berliner Nordosten. Dort gebe es weiterhin starke Behinderungen durch die Großbaustellen Autobahn 10 Nord und am Pankow-Zubringer der A 114. Gleichzeitig wird an der Bundesstraße 2 bei Malchow und der B 109 an der Schönerlinder Straße gebaut. Die übrigen Strecken dürften den Berufspendlerverkehr nach Einschätzung des ADAC kaum aufnehmen können.

„Dramatische Zustände“ auch im öffentlichen Nahverkehr

Der Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr sei auch nicht unbedingt empfehlenswert, denn „auch hier sind die Zustände gleichermaßen dramatisch“. „Schon jetzt platzen die Bahnen vor allem im Berufsverkehr aus allen Nähten“, heißt es in der Stellungnahme des Autoclubs. Wagenmangel, Baustellen und Personalprobleme verschärften die Situation. Wenn die Berliner Verkehrsbetriebe auch noch in eine ernste U-Bahnkrise schlitterten, „ist der Verkehrskollaps in der Hauptstadt kaum aufzuhalten“, warnt der ADAC.

Zu Jahresbeginn sind bei der U-Bahn im Berliner Westen Teilstrecken unterbrochen. Grund ist die Erneuerung von Weichen am Wittenbergplatz. „In der Hauptverkehrszeit passieren pro Richtung und Stunde rund 40 Züge diesen Abschnitt. Entsprechend groß ist die Belastung der Anlagen. Damit wir auch in Zukunft im dichten Takt fahren können, müssen wir dort jetzt ran“, erklärt U-Bahn-Bauchef Uwe Kutscher.

Wegen der Bauarbeiten fährt sieben Wochen lang, vom 4. Januar bis zum 24. Februar, die Linie U2 nicht zwischen Bahnhof Zoologischer Garten und Gleisdreieck. Die U3 ist von Spichern­straße bis Warschauer Straße ebenfalls außer Betrieb. Ab Ende Fe­bruar sind weitere Sanierungsarbeiten auf Abschnitten der U1 und U3 geplant. Größere Einschränkungen sind im Herbst auf dem südlichen Teil der Linie U6 zu erwarten.

Auch auf der Linie U7 stellt die BVG ihre Fahrgäste auf Einschränkungen ein: Ab dem 4. Januar sollen zwischen den Bahnhöfen Blaschkoallee und Parchimer Allee mit Schadstoffen belastete Faserplatten entfernt werden. Für rund vier Wochen ist die U7 deswegen zwischen den Bahnhöfen Grenzallee und Britz-Süd unterbrochen. Als Ersatz fahren Busse. Anfang März sollen die Arbeiten auf dieser Strecke beendet sein.

Viele Ausnahmen beim Aufgrabeverbot

Auch bei der Deutschen Bahn sind größere Projekte in Vorbereitung. So wird der Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn in Berlin zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Yorckstraße im Januar zweimal für jeweils vier Tage gesperrt. Im April und Mai 2019 unterbrechen Bauarbeiten die Ringbahn zwischen Schönhauser Allee und Greifswalder Straße sechs Wochen lang. Dort werden vier parallel verlaufende Gleise der Fern- und der S-Bahn erneuert.

Eigentlich gilt seit Anfang 2014 in Berlin ein Aufgrabeverbot. Demnach dürfen gerade neu gemachte Fahrbahnen fünf Jahre sowie Rad- und Fußwege drei Jahre lang nicht erneut aufgegraben werden. Das sei grundsätzlich sinnvoll, bemerkt der ADAC. Allerdings werde hier „zunehmend sehr großzügig mit Ausnahmegenehmigungen gearbeitet“. mit dpa