Weihnachtsessen

Frank Zander tischt Gänsebraten für 3000 Bedürftige auf

Zum 24. Mal fand im Hotel Estrel in Neukölln das von Frank Zander organisierte Weihnachtsessen statt.

Frank Zander lud am Freitag rund 3000 Obdachlose und Bedürftige zum traditionellen Weihnachtsessen in das Estrel-Hotel in Neukölln ein.

Frank Zander lud am Freitag rund 3000 Obdachlose und Bedürftige zum traditionellen Weihnachtsessen in das Estrel-Hotel in Neukölln ein.

Foto: dpa

Berlin. 2800 Gänsekeulen, 8000 Klöße, 1000 Kilogramm Rotkohl und 850 Liter Bier – das Weihnachtsessen von Frank Zander im Neuköllner Estrel-Hotel ist nicht nur wegen seiner Größe etwas Besonderes, sondern auch wegen der Gäste. Fast 3000 Obdachlose und Bedürftige hat der 74 Jahre alte Sänger und Entertainer Frank Zander am Freitag eingeladen, mit ihm Weihnachten zu feiern.

Zum 24. Mal findet das Fest statt, und der Großteil der Gäste kommt nicht nur wegen des Essens und des Freibiers, sondern vor allem wegen „Frankie“, wie ihn fast alle nennen. Horst, der mit seinem Kumpel Günther an einem Tisch in der ersten Reihe vor der Bühne sitzt, ist schon zum fünften Mal dabei. „Der Frankie und icke sind fast wie verheiratet“, sagt er. Horst lebt in einem Wohnheim in Lichtenberg, dort hat er auch das rotgoldene Bändchen bekommen, die Eintrittskarte zu dem Fest. „Dafür musste ich aber duschen, hab ich auch gemacht“, sagt er lachend.

„Für das Bändchen muss man sich normalerweise einen Tag vorher stundenlang bei der Obdachlosenhilfe anstellen“, sagt sein Tischnachbar Ramon aus Greifswald. Er ist auf gut Glück gekommen und hat sein Bändchen von der Polizei bekommen. Die ist wie die BVG, Hertha BSC, Schultheiß und viele weitere Sponsoren bei Zanders Weihnachtsfest vertreten. „Ohne die könnten wir das gar nicht auf die Beine stellen“, sagt Zanders Sohn Marcus, der die Veranstaltung organisiert. Das Estrel Berlin stellt die Räume und das Personal. Dazu kommen 200 freiwillige Helfer in roten T-Shirts. Berliner helfen e. V., der Verein der Berliner Morgenpost, hat sich wieder mit einer Spende beteiligt.

Körperlichen Einsatz zeigen wie jedes Jahr zahlreiche Prominente, die sich als Kellner betätigen. Als Erster trägt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zwei Teller mit Gänsebraten, Rotkohl und jeweils zwei Klößen durch das Spalier der Fotografen und Kamerateams. Gefolgt von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) im leuchtend roten Kleid. „Ich war erst als Stadträtin, dann als Bürgermeisterin und jetzt als Ministerin dabei. Ich finde, das gehört Weihnachten einfach dazu“, sagt sie. Zum geschätzt 20. Mal im Serviceeinsatz ist ihr Vorgänger in Neukölln, Heinz Buschkowsky, und im Tellertragen fleißiger als der eine oder andere Schauspieler, der lieber im Blitzlicht posiert, als tatsächlich zu servieren.

Zum ersten Mal dabei sind Reinickendorfs Bürgermeister Frank Balzer und der CDU-Fraktionsvorsitzende Burkard Dregger. „Mir gefällt die Atmosphäre hier sehr gut. Ist doch toll, wenn man den Menschen ein paar schöne Stunden schenken kann.“

Frank Zander geht durch die Tischreihen, begrüßt seine Gäste fast wie alte Freunde. Umarmt, hört zu und wehrt sanft ab, wenn der eine oder andere ihn vor Dankbarkeit gar nicht mehr loslassen möchte. „Mach ick doch jerne!“, sagt er und haut Günther auf die Schulter, der seine Gänsekeule gerade abgeknabbert hat. Er freut sich über die Aufmerksamkeit und strahlt über das bärtige Gesicht: „Das hier ist wirklich der Höhepunkt des Jahres“, sagt er und spricht damit für viele im Saal. Am Rand sitzen einige Mütter mit ihren Kindern, die sich Zuckerwatte holen und Luftballons an ihre Stühle gebunden haben. „Ich lebe von Hartz IV und muss meinen Sohn allein großziehen. Das ist eine tolle Veranstaltung“, sagt eine Frau, die bei der Tafel davon gehört hat und zum ersten Mal dabei ist.

Im Laufe des Nachmittags wird die Luft immer dicker, an den Zehner­tischen wird schon während des Essens geraucht, aber keiner stört sich daran. Nachdem die Gänseteller abgetragen sind, beginnt das Bühnenprogramm, moderiert von Britta Elm. Nach Rocksängerin Petra Zieger und Sänger Ben Zucker tritt die Band Revolverheld auf. Der Nachtisch, ein großes Kuchenbüfett, wird mit einem Tischfeuerwerk in den Saal gefahren – fast wie auf dem Traumschiff. Der Höhepunkt kommt zum Schluss – der Auftritt von Gastgeber Frank Zander: Bei seinem letzten Lied, der Hertha-Hymne „Nur nach Hause gehn wir nicht“, singt fast der ganze Saal mit.

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