Razzia in Berlin

Polizei durchsucht As-Sahaba-Moschee in Wedding

Der Salafisten-Prediger Ahmad A. soll dschihadistischen Terroristen in Syrien Geld zur Verfügung gestellt haben.

In Berlin haben Ermittler Räume einer Moschee und andere Objekte durchsucht. Dabei geht es um den Verdacht der Terrorismusfinanzierung.

In Berlin haben Ermittler Räume einer Moschee und andere Objekte durchsucht. Dabei geht es um den Verdacht der Terrorismusfinanzierung.

Foto: dpa

Berlin. Mit einem Großaufgebot von Polizisten sind Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen gegen die islamistische Szene in Berlin vorgegangen. Bei einer Razzia durchsuchten die Ermittler die salafistische As-Sahaba-Moschee an der Ecke Torf- und Sprengelstraße in Wedding.

Zudem wurden zwei bis drei weitere Wohnungen beziehungsweise andere Räume durchsucht, hieß es bei der Polizei. Grund für die Durchsuchungen ist der Verdacht der Terrorismusfinanzierung. Laut der Generalstaatsanwaltschaft führten die Durchsuchungen zum Auffinden von Datenträgern, eines Bargeldbetrages in Höhe von 16.000 EUR sowie zwei verbotener Gegenstände. Die Ermittlungen, insbesondere die Auswertung der Beweismittel, dauern an.

Der 45 Jahre alte Imam der Moschee, Ahmad A., wird verdächtigt, einem dschihadistischen Terroristen Geld „für den Erwerb von Ausrüstungsgegenständen zur Begehung terroristischer Straftaten“ zur Verfügung gestellt zu haben. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

Unterstützt wurde der für politisch motivierte Kriminalität zuständige Staatsschutz der Polizei auch von einem Spezialeinsatzkommando (SEK). Wie die Polizei mitteilte, waren insgesamt etwa 100 Beamte an den Durchsuchungen beteiligt. Bis in die späten Vormittagsstunden sicherten die Beamten Datenträger zur Beweissicherung. Festnahmen gab es laut Staatsanwaltschaft keine.

In Umzugskartons trugen die Beamten Computer, USB-Sticks, Festplatten und Smartphones aus den Räumen des Vereins. Wie ein Polizeisprecher sagte, werden die beschlagnahmten Datenträger nun untersucht und die Daten ausgewertet. „Ermittlungen im Bereich Terrorismus sind selten einfach, weil wir wohl nie jemanden dabei erwischen, wie er gerade einen Sprengsatz zusammenbaut. Deshalb sind auch Durchsuchungsmaßnahmen wie heute in der As-Sahaba-Moschee unglaublich wichtig, um Netzwerke namhaft zu machen und zu wissen, wer was in Auftrag gibt“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Norbert Cioma. „Ich möchte allen Einsatzkräften für ihre professionelle Arbeit danken. Nur durch ihren dauerhaften und hartnäckigen Einsatz ist es gelungen, in der Vergangenheit zahlreiche Anschläge zu verhindern.“

Der As-Sahaba-Moschee-Verein Die Gefährten e. V. gilt nach Angaben des Verfassungsschutzes als einer der wichtigsten überregionalen Anziehungspunkte für salafistisch Interessierte. Der Treffpunkt in Berlin wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Im vergangenen Jahr fanden dort mehrtägige „Deutschsprachige Islamseminare“ beziehungsweise Islamkurse statt. Als Stammgast in der Moschee galt auch der einstige Gangster-Rapper Denis Cuspert („Deso Dogg“), der nach seiner Ausreise in die Kampfgebiete mit abgeschlagenen Köpfen posierte und zum wichtigsten IS-Propagandisten für den deutschsprachigen Raum aufstieg.

Nach Morgenpost-Informationen verkehrte auch der Attentäter vom Breitscheidplatz, Anis Amri, in der Moschee. Der unter Verdacht stehende Ahmad A. tritt öffentlich unter dem Namen „Abul Baraa“ als Imam auf. Er unternahm laut Verfassungsschutz Vortragstouren in Deutschland zur Verbreitung seiner salafistischen Ansichten.

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