Neue Jahrbücher

Nach Brexit-Votum: Immer mehr Briten ziehen nach Berlin

Das Statistische Landesamt stellt seine neuen Jahreszahlen vor. Die Ergebnisse enthalten neue Rekorde und eine geheime Überraschung.

Viele Briten zieht es dauerhaft nach Berlin

Viele Briten zieht es dauerhaft nach Berlin

Foto: Robert Schlesinger / picture alliance / Robert Schles

Berlin. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (AfS) hat am Dienstag seine neuen Jahrbücher vorgestellt. Darin halten die Statistiker jährlich die neuesten Zahlen zur Entwicklung der beiden Länder fest. Die aktuellen Ergebnisse für das Jahr 2017 enthalten neue Rekorde, erstaunlich viele Briten – eine geheime Überraschung.

Dazu gehört nicht, dass das Bauland im Stadtgebiet in den vergangenen Jahren knapper und damit stets teurer geworden ist. Aber der radikale Preisanstieg, den das statistische Landesamt für das Jahr 2017 ermittelt hat, sprengt den bisherigen Rahmen doch um ein vielfaches: Die Preise schossen innerhalb eines Jahres um erstaunliche 77 Prozent in die Höhe, von 393 Euro auf 695 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In Brandenburg stiegen sie im selben Zeitraum lediglich um 14 auf 77 Euro.

Ursache, so AfS-Vorstand Jörg Fidorra, sei der Verkauf einer einzigen Baufläche in Berlin. Bei dieser handele es sich um „ein Sahnehäubchengrundstück mit extravagantem Quadratmeterpreis“, das den Durchschnitt in die Höhe treibe, sagte Fidorra. Wer der Käufer ist und wie groß die Summe war, teilte das AfS nicht mit. Diese Informationen unterlägen der statistischen Geheimhaltung.

Berlin wächst vor allem durch neue Bürger aus dem Ausland

Doch nicht nur bei den Baulandpreisen bewegen sich die Länder auf Rekordniveau. In Berlin wurden im vergangenen Jahr 15.669 neue Wohnungen fertiggestellt – so viele wie in den vier Jahren von 2008 bis 2011 zusammen. Hält die Hauptstadt diese Quote, würde Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) ihr Versprechen, bis 2030 194.000 neue Wohnungen zu schaffen, halten. Fraglich ist jedoch, ob diese angesichts der wachsenden Bevölkerung überhaupt reichen würden.

Denn die Hauptstadt erreichte mit 3,6 Millionen Einwohnern einen neuen Höchststand. Allein im vergangenen Jahr wuchs Berlin um 39.000 Menschen. Lässt man die Geburten außen vor, handelt es sich dabei „ausschließlich um Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit“, erklärte das AfS. Dazu gehören seit dem Brexit-Referendum auch immer mehr Briten. Mittlerweile lassen sich mehr als zwölf Mal so viele in Berlin einbürgern wie noch vor zwei Jahren. Damals waren es noch 45, inzwischen sind es jährlich über 550. „Das ist wirklich eine extreme Steigerung“, sagte Fidorra. Dagegen wirken die 70, die sich 2017 von der Insel kommend in Brandenburg eingebürgert haben, fast mickrig. Doch die Zahl trügt: Vor dem Referendum im Jahr 2015 waren es jährlich lediglich zwei.

Hochschulen überlaufen, Auszubildende gesucht

An Attraktivität haben auch die Berliner Hochschulen zugelegt. Im aktuellen Wintersemester haben sich mit 190.802 so viele Studenten wie noch nie eingeschrieben. Auffällig wie beispielgebend ist dabei die Geschlechterquote. Sie liegt genau in der Mitte, bei jeweils 50 Prozent Frauen und Männern.

Ganz anders sieht es bei Auszubildenden aus. Laut der Statistik des AfS entscheiden sich immer weniger junge Menschen für eine duale Ausbildung. In den vergangenen zehn Jahren sank die Anzahl der Azubis um mehr als 16.000 auf nur noch rund 38.000. Die größten Ausbildungsbereiche sind nach wie vor die Industrie und der Handel. Trotz dieses generellen Negativtrends entscheiden sich Auszubildenden in Pflegeberufen immer mehr für eine Karriere in der Altenpflege. Vor allem für die nächste Jahrzehnt, in denen die geburtenstarken Jahrgänge aus den 1960er Jahren das Rentenalter erreichen, wird das wichtig. Heute kommen auf 100 Erwerbstätige Menschen zwischen 20 und 65 Jahren etwa 30 Rentner. In zwölf Jahren, so die Prognose der Statistiker, könnten es bereits doppelt so viele seien. Oder wie es Vorstand Fidorra sagt: „Pflegeberufe sind zukunftssicher.“

Die Statistischen Jahrbücher sind im freien Handel zu erwerben. Ein Ex­emplar kostet 27 Euro.

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