Wohnungsmarkt

Preise sind gestiegen: Neumieter zahlen 25 Prozent mehr

Im Schnitt sollen Wohnungen der BBU 7,45 Euro je Quadratmeter kosten - das Preisniveau entwickelt sich in den Bezirken unterschiedlich.

Berlin. Rund 700.000 Wohnungen und damit mehr als 40 Prozent der 1,7 Millionen Mietwohnungen in der Hauptstadt werden von den Mitgliedsunternehmen des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) verwaltet. Beim Abschluss neuer Verträge vereinbarten die Unternehmen in Berlin im vergangenen Jahr im Durchschnitt eine Miete von 7,45 Euro je Quadratmeter (kalt) – 8,4 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Das geht aus dem Marktmonitor 2018 hervor, den der BBU am Mittwoch präsentierte. Dabei hat sich das Preisniveau auf Bezirksebene sehr unterschiedlich entwickelt.

So mussten Neumieter in Marzahn-Hellersdorf im Wohnungsbestand der Mitgliedsunternehmen des BBU, zu denen auch die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften gehören, mit einer durchschnittlichen Nettokaltmiete von 6,51 Euro je Quadratmeter und Monat die niedrigsten Mieten zahlen. Das waren knapp 13 Prozent beziehungsweise 94 Cent weniger als der Berliner Durchschnitt.

Mit deutlichem Abstand folgten Lichtenberg (7,12 Euro), Tempelhof-Schöneberg (7,29 Euro) und Spandau (7,35 Euro). Die höchsten Durchschnittsmieten bei Neuvermietung wurden für Steglitz-Zehlendorf (8,42 Euro) ermittelt, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf (8,23 Euro) und Mitte (8,20 Euro). Im Jahr 2017 reichte die Spanne der Neumieten bei den BBU-Mitgliedern von 3,69 Euro in Mitte bis zu 15 Euro in Lichtenberg.

Neubauwohnungen für 10,44 Euro pro Quadratmeter

In den ermittelten Mietpreisen seien auch die Erstmietverträge von 2400 Neubauwohnungen eingeflossen, begründet der BBU die hohen Preissteigerungen bei Neuvermietungen. Neubauwohnungen kosteten im Erstbezug 10,44 Euro je Quadratmeter. Diese Miete liege angesichts der hohen Baukosten „sozusagen unter dem Einkaufspreis“, so BBU-Chefin Maren Kern.

Rein rechnerisch seien angesichts von Bau- und Grundstückskosten, die sich mittlerweile auf 3000 Euro je Quadratmeter summieren, rund 13 Euro je Quadratmeter erforderlich. Rechne man die hohe Erstbezugsmiete im Neubau heraus, betrage die Neuvertragsmiete bei den BBU-Mitgliedsunternehmen 7,23 Euro je Qua­dratmeter.

Auch Altverträge sind teurer geworden

Auch wenn die Neuvertragsmieten bei den BBU-Mitgliedern insgesamt stark gestiegen sind, „liegen sie immer noch 27 Prozent unter den allgemeinen Marktmieten“, verteidigte BBU-Chefin Maren Kern den deutlichen Preissprung Diese lagen nach Angaben der landeseigenen Investitionsbank Berlin im Vergleichsjahr 2017 bei 10,15 Euro. Wer 2017 eine Wohnung bei den BBU-Mitgliedern mietete, musste dafür 1,47 Euro je Quadratmeter mehr zahlen als die Altmieter der Unternehmen. Diese zahlten 2017 5,98 Euro je Quadratmeter – im Durchschnitt 25 Prozent weniger als ihre neuen Nachbarn.

Zwar sind auch die Nettokaltmieten bei den Altmietverträgen im vergangenen Jahr gestiegen – allerdings um vergleichsweise moderate 3,5 Prozent und damit leicht über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (+3,1 Prozent). Die Spanne der durchschnittlichen Mietsteigerungsraten reichte 2017 von 2,3 Prozent in Marzahn-Hellersdorf (5,34 Euro) bis zu 4,3 Prozent in Steglitz-Zehlendorf (6,62 Euro). Damit nahm der Bezirk beim durchschnittlichen Mietenanstieg und der durchschnittlichen Nettokaltmiete wiederum die Spitzenposition ein, so der Report.

Auch in Außenbezirken steigen die Mieten

Der Bezirk Spandau (5,99 Euro) befand sich 2017 neben Treptow-Köpenick (6,01 Euro) mit einer Mietsteigerungsrate von 4,2 Prozent ebenfalls erneut unter den Bezirken mit den höchsten Steigerungsraten. In der Folge bewegte sich das Mietenniveau bei den Mitgliedsunternehmen des BBU in Spandau 2017 erstmals leicht über dem gesamtstädtischen Niveau.

„Die Nettokaltmieten auch außerhalb der innerstädtischen Gebiete gleichen sich immer mehr an das Gesamtberliner Mietenniveau an“, schreiben die Verfasser der Studie. Das gelte auch für Pankow und Treptow-Köpenick, wo zum ersten Mal die Sechs-Euro-Marke leicht überschritten wurde. Im Ostteil Berlins sei dies vor allem auf die in den vergangenen Jahren fast flächendeckende Modernisierung des Gebäudebestandes zurückzuführen, heißt es beim BBU.

Dass die Mietentwicklung bei der BBU nur geringfügig unter der allgemeinen liegt, bezeichnet Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, als „sehr bedauerlich“. Denn „schließlich gehört ein erheblicher Teil der BBU der Stadt“, so Wild weiter.

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