Notfahrplan gefordert

BVG fehlen Züge - Ausfälle und Verspätungen bei der U-Bahn

Die BVG nennt Probleme bei Twitter flapsig "schlimmer als auf dem Dorf" - und verärgert damit Fahrgäste. Nun soll ein Notfahrplan her.

Dicht gedrängt stehen Fahrgäste im U-Bahnhof Friedrichstraße. Verspätungen und Ausfälle sorgte am Montag auch auf der U6 für viel Unmut.

Dicht gedrängt stehen Fahrgäste im U-Bahnhof Friedrichstraße. Verspätungen und Ausfälle sorgte am Montag auch auf der U6 für viel Unmut.

Foto: Sch?ning / ullstein bild - Sch?ning

Berlin. Auch zu Wochenbeginn mussten Nutzer der Berliner U-Bahn auf fast allen Linien mit Ausfällen und Verspätungen rechnen. Besonders betroffen waren die Fahrgäste auf den Linien U6 und U8, bei der allein im morgendlichen Berufsverkehr jeweils drei Züge für den Betrieb nicht zur Verfügung standen. Insgesamt fehlten nach BVG-Angaben allein am Morgen 13 Züge. Lediglich die Linien U1, U4 und U5 sollen nicht von Ausfällen betroffen gewesen sein.

Für die Fahrgäste waren die Probleme durchaus unangenehm. So waren etwa auf der Linie U7 gegen 9.30 Uhr gleich zwei Zugfahrten hintereinander aus Rudow kommend in Richtung Rathaus Spandau ausgefallen. Der nächstfolgende Zug verspätete sich dann nicht nur um weitere vier Minuten, sondern war auch so überfüllt, dass eine junge Frau wegen der Enge und der schlechten Luft einen Kreislauf-Zusammenbruch erlitt. Fahrgäste halfen der kollabierten Frau an der U-Bahn-Station Kleistpark aus dem Wagen hinaus.

Das Twitter-Team der BVG (Slogan: „Weil wir dich lieben“) kommentierte die Ausfälle auf der U7 mit den offenbar spaßig gemeinten Worten „Schlimmer als auf dem Dorf!“ – und erntete für diese flapsige Bemerkung viele kritische Kommentare von Fahrgästen. „Die BVG überzieht ihre Fahrgäste weiter lieber mit Spott und Häme ...“, schreibt einer von ihnen. „Wir werden uns daran gewöhnen müssen, was „früher“ für die S-Bahn galt, ist leider inzwischen auch Alltag in der U-Bahn“, ein anderer.

Aufstellung eines Notfahrplans gefordert

Angesichts der anhaltenden Betriebsprobleme forderte der Berliner Fahrgastverband Igeb jetzt die Aufstellung eines Notfahrplans für die U-Bahn. „Wir brauchen endlich einen Fahrplan, auf den sich die Fahrgäste auch verlassen können“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke am Montag. Wieseke schlägt unter anderem vor, auf die Wiederinbetriebnahme der Linie U55 (Hauptbahnhof–Brandenburger Tor) zu verzichten. Die wenig genutzte Stummellinie durch das Regierungsviertel soll am 11. Dezember nach sechsmonatiger Bauunterbrechung wieder in Betrieb gehen.

Auch könnte der Takt auf weniger stark genutzten Abschnitten anderer Linien im Berufsverkehr von fünf auf zehn Minuten verlängert werden. Dafür werden dann aber längere Züge eingesetzt. „Wenn die BVG nicht genügend fahrbereite Züge hat, muss sie das Fahrplanangebot an die realen Verhältnisse anpassen“, forderte der Igeb-Sprecher. Welche Maßnahmen die geeignetsten seien, das müssten am Ende die Verkehrsbetriebe selbst entscheiden. „Klar ist nur, so kann es nicht mehr weitergehen“, sagte der Fahrgastsprecher.

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Bereits seit Wochen häufen sich bei der Berliner U-Bahn Verspätungen und Zugausfälle. Hauptgrund sind die vielen Technik-Probleme an den alten Fahrzeugen, die teilweise schon seit 50 Jahren im Einsatz sind. Verschärft wird die Lage aktuell durch einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand bei Fahrern und in den Werkstätten. Laut BVG-Sprecherin Petra Reetz liegt er derzeit bei über zehn Prozent (normal sind sechs Prozent).

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