Sicherheitssystem

E-Bikes gibt's jetzt auch mit Antiblockiersystem

Technik aus dem Auto erobert das Rad: Das Zweirad-Center Stadler in Berlin stellt das erste E-Bike mit Antiblockiersystem vor.

Verkäufer Daniel Holaschke präsentiert am E-Bike die neue ABS-Technik.

Verkäufer Daniel Holaschke präsentiert am E-Bike die neue ABS-Technik.

Foto: Massimo Rodari

Berlin. Angesichts steigender Unfallzahlen wird Sicherheit für viele Fahrradfahrer verstärkt zum entscheidenden Faktor, sagt Daniel Holaschke, Verkäufer beim Zweirad-Center Stadler in Charlottenburg. Viele Hersteller haben darauf reagiert und verbauen Sicherheitssysteme, die früher dem Auto vorbehalten waren. Jetzt hat der Autozulieferer Bosch, der auch Motoren für Elektrofahrräder entwickelt, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft das erste Antiblockiersystem (ABS) für E-Bikes auf den Markt gebracht.

An dem Rad, das Holaschke jetzt in den Verkaufsraum schiebt, leuchtet die neue Technik gelb. Ähnlich wie beim Auto, wenn der Fahrer den Schlüssel einsteckt, sendet das ABS über eine kleine Statusanzeige zunächst ein Lebenszeichen. Erlischt die Anzeige, ist der Systemcheck erfolgreich abgeschlossen. Daniel Holaschke deutet dann auf einen kleinen schwarzen Kasten, der unter dem Lenker verbaut ist. „Das ist das Herz der Erfindung“, sagt er. In der Steuerungseinheit des ABS läuft die Elektronik zusammen, auch die Kabel, die dann die Bremswirkung auslösen, sind mit dem kleinen Gehäuse verknüpft.

Während der Fahrt ist das ABS ab einer Geschwindigkeit von sechs Stundenkilometern aktiv. Bislang riskierten Fahrradfahrer, die während der Fahrt abrupt die Vorderradbremsen zogen, einen Überschlag. Bosch will das künftig verhindern. „Der Fahrer kann sich nicht mehr überschlagen“, sagt auch Verkäufer Daniel Holaschke. Wichtige Bausteine der neuen Technik sind die Mehrkolben-Scheibenbremsen fürs Vorder- und Hinterrad, die jeweils mit gelochten Sensorscheiben ausgestattet sind. Die Teile helfen den Raddrehzahlsensoren nahe der Bremskolben-Befestigung, die Geschwindigkeit zu ermitteln.

Droht das Vorderrad zu blockieren, etwa, wenn der Fahrradfahrer stark bremst, regelt das ABS den Bremsdruck, verhindert ein Blockieren der Räder und sorgt so für mehr Fahrstabilität. In Notsituationen, wenn der Fahrer extrem stark bremst, erkennen die Sensoren auch ein Abheben des Hinterrads. Blitzschnell reduziert das ABS die Bremskraft auf dem Vorderrad und bringt so auch das Hinterrad wieder schnell auf den Boden. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht. „Aber wer mit dem Bosch-System noch über den Lenker fliegt, muss schon extrem viel Pech haben“, erklärt Holaschke.

Fast 4000 Euro kostet ein Rad mit mehr Sicherheit

Die neue Sicherheit hat ihren Preis. Bosch hat das neue System zum Beispiel in E-Bikes von KTM verbaut. Fast 3900 Euro kostet das Modell. Vergleichbare E-Bikes ohne ABS sind rund 600 Euro günstiger. In Autos gehört ABS seit 2004 zur Standardausstattung für alle Neuwagen innerhalb der EU. Erstmals hatte Daimler 1978 ABS in eine S-Klasse von Mercedes eingebaut. Neben Bosch weiten auch Autozulieferer wie Continental und Schaeffler ihr Geschäftsfeld aus und entwickeln verstärkt Sicherheitstechnik fürs Zweirad. Wegen des E-Bike-Booms haben viele Räder einen Akku dabei. Das erleichtert die Versorgung der neuen Technik. Fahrräder haben inzwischen sogar Fernlicht. Der für E-Bikes zugelassene Scheinwerfer des Herstellers Supernova erreicht bis zu 1600 Lumen Lichtstrom, mehr als mancher Halogenscheinwerfer am Auto. Vom gleichen Produzenten gibt es auch ein Bremslicht. Auch die Automatikschaltung ist inzwischen bei den Zweirädern angekommen, sagt Daniel Holaschke.

Ein schwedischer Hersteller hat zudem einen Fahrrad-Airbag entwickelt, den Radfahrer wie einen Schal um den Hals tragen. Bei einem Unfall soll sich der Luftsack blitzschnell entfalten und den Kopf des Radlers umschließen. Viele Firmen würden heute auch spezielle Navigationssysteme fürs Fahrrad anbieten. Allerdings: Die zahlreichen und neuen elektronischen Komponenten sind auch wartungsanfälliger. Je mehr verbaut ist, desto mehr kann kaputtgehen. Auch das ist beim Fahrrad inzwischen wie beim Automobil.