Unterkunft

Berlin richtet für Studenten erstmals Not-Schlafplätze ein

Der Senat hat mit dem Studierendenwerk 50 Plätze geschaffen. Wegen mangelnder Information bleiben die meisten Betten aber leer.

Eine Notunterkunft für fünf Euro die Nacht: Die Zimmer für Studenten sind nur mit Matratze, Spind, Stuhl und Tisch eingerichtet. Die meisten stehen aber leer.

Eine Notunterkunft für fünf Euro die Nacht: Die Zimmer für Studenten sind nur mit Matratze, Spind, Stuhl und Tisch eingerichtet. Die meisten stehen aber leer.

Foto: studierendenWERK BERLIN

Berlin. Tue Gutes und sprich darüber, lautet ein Grundsatz von Politikern. Der Berliner Senat hat in diesem Semester zusammen mit dem Studierendenwerk 50 Notübernachtungsplätze für Studenten geschaffen – aber niemanden darüber informiert. Das kritisieren zumindest Studentenvertreter.

Die Wohnsituation für Menschen, die für ein Studium nach Berlin kommen, wird immer schwieriger. Ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft kostet im Schnitt fast 430 Euro im Monat. Auch die günstigeren Wohnheimplätze sind knapp: Auf der Warteliste des Studierendenwerkes stehen mehr als 4000 Menschen, die Wartezeit beträgt bis zu drei Semester. Der Senat hat deshalb zu Semesterbeginn Mitte Oktober 50 Plätze geschaffen, die Studenten in Notsituationen vor Wohnungslosigkeit schützen sollen. Berlin steht mit dieser Lösung nicht allein da: In München wurden schon im vergangenen Jahr 34 Notbetten aufgestellt – die Plätze waren zu Semesterbeginn belegt.

Jana Judisch, Sprecherin des Studierendenwerkes, betonte gegenüber der Berliner Morgenpost, dass es sich bei dem Berliner Projekt um „absolut temporäre Notlösungen“ handelt. Die Plätze sind auf fünf Wohnanlagen des Studierendenwerks verteilt. Die Zimmer sind nur mit Matratze, Spind, Stuhl und Tisch eingerichtet. „Drei bis sechs Personen können in einem Raum schlafen“, so Judisch. Die Schlafplätze kosten jeweils fünf Euro pro Nacht, sind nur für eine Woche gedacht, können aber verlängert werden.

Informiert hatte der Senat kaum über diese Möglichkeit: Studenten erfahren von der Möglichkeit nur, wenn sie zum Info-Center des Studierendenwerkes gehen. Das kritisiert die LandesAstenKonferenz, die Vertretung der Berliner Studenten, die bereits im vergangenen Jahr solche Notübernachtungen gefordert hatte. Zudem bemängeln die Studentenvertreter die spartanische Ausstattung der Schlafplätze.

Gegenwärtig ist nur ein Platz in den Notquartieren belegt

So ist es laut Robert Jung, einem Studentensprecher, nicht verwunderlich, dass die Auslastung bislang mau ist: Lediglich vier Studenten nutzten das Angebot, momentan ist nur ein Platz belegt. Der zuständige Staatssekretär für Wissenschaft, Steffen Krach (SPD), erklärte deshalb über Twitter, dass aufgrund der geringen Auslastung von weiteren Anmietungen für Studenten – etwa in Flüchtlingsheimen – abgesehen werden könne. Gegenüber der Morgenpost sagte Krach, man werde noch bewerten, wie das Projekt angenommen wird.

Bei der CDU ist man verwundert über diese Kommunikation. „Statt provisorisch Notplätze im Studierendenwerk einzurichten und diese nicht vernünftig zu kommunizieren, sollte der Senat besser dauerhafte Unterkünfte schaffen“, sagte Adrian Grasse, forschungspolitischer Sprecher der CDU.

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