Brücke über die Spree

Deshalb muss die Elsenbrücke abgerissen werden

Ein 25 Meter langer Riss ist nicht zu reparieren. Für den Straßenverkehr wird die Elsenbrücke zehn Jahre lang zum Nadelöhr.

Berlin. Zehn Jahre lang bleibt die Elsenbrücke in Treptow ein Nadelöhr für den Straßenverkehr. Bis 2028 können Autofahrer lediglich auf zwei statt drei Spuren pro Richtung die Spree queren. Vorläufig fließt der Verkehr wie aktuell über den westlichen Teil der Überführung, später auf einem Behelfsbau, der an die Stelle des östlichen Brückenteils rückt. Anschließend rollen die Autos auf einem neu zu bauenden Westteil der Brücke (siehe Grafik).

Ursache für den notwendigen Neubau ist ein Riss, den Kontrolleure Ende August unterhalb der östlichen Fahrbahn entdeckt hatten. „Der Riss verläuft horizontal durch die Brücke, ist 25 Meter lang und 1,8 Millimeter breit“, sagte Lutz Adam, Leiter der Tiefbauabteilung in der Verkehrsverwaltung, am Dienstag. „Für unsere Begriffe ist das ein extrem breiter Riss.“ Aufgetreten sei er binnen sechs Wochen. Lange war unklar, was genau ihn hervorgerufen hat. „Wir haben mehrere Ursachen erforscht“, so Adam. „Nun wissen wir, dass es am Spannbeton lag. Dieser wurde beim Errichten der Brücke nicht ordnungsgemäß verbaut.“

Bei Spannbeton handelt es sich um eine Variante des Stahlbetons. Dabei werden Stahlseile zwischen den beiden Enden der Brücke gespannt und anschließend mit Beton ummantelt. Im Falle der Elsenbrücke wurde eine bestimmte Sorte Henningsdorfer DDR-Stahl verwendet, die heute als besonders anfällig für Korrosionen gilt und reißen kann. „Sobald diese Sorte Stahlseile im Seilkasten liegt, müssen sie eigentlich binnen 14 Tagen mit Beton verpresst werden“, so Adam. „Beim Bau der Elsenbrücke 1968 geschah das aber erst nach sechs Monaten.“ Für den entstandenen Schaden bedeutet das: Er lässt sich nicht reparieren, weil dafür viele der rund 500 dünnen Stahlseile im Inneren der Brücke ausgetauscht werden müssen.

Der gleiche Stahlbeton ist auch in der Mühlendammbrücke in Mitte verbaut. Auch sie müsse langfristig ersetzt werden, so Adam. Noch sind dort aber keine Schäden zutage getreten. Anders sieht es bei der Brücke der Märkischen Allee über die Wuhletalstraße in Marzahn aus. Weil sie von sogenanntem Betonkrebs befallen ist, muss sie abgerissen und erneuert werden. Ab Dezember wird sie gesperrt, der Neubau soll im Jahr 2023 stehen.

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