Kriminalgericht

Polizist Marek G. soll gegen Geld vor Razzien gewarnt haben

Der angeklagte Polizist soll von Gastwirten Gelder kassiert und sie vor Razzien gewarnt haben. Seit Dienstag steht er vor Gericht.

Am 16. März dieses Jahres stürmte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei (SEK) die Wohnung des Oberkommissars Marek G. Zuvor war der 39-Jährige schon monatelang von Ermittlern des Landeskriminalamtes abgehört worden. Am Dienstag begann gegen ihn der Prozess vor einer Moabiter Strafkammer. Die Vorwürfe lauten Bestechlichkeit im besonders schweren Fall, Verletzung von Dienstgeheimnissen und illegaler Drogenhandel. Neben dem suspendierten Polizisten sitzen vier Betreiber von Gaststätten im Alter von 44 bis 52 Jahren vor dem Richter; angeklagt wegen Bestechung.

Marek G. war in der Polizeidirektion 3 als „erster Wachhabender“ zuständig für die Planung und Durchführung ordnungsrechtlicher Kontrollen von Gewerbeeinrichtungen und Lokalen im Stadtteil Wedding. Der Anklage zufolge hatte er im Oktober 2015 mit einem Mitangeklagten und einem zweiten, inzwischen verstorbenen Wirt einen mündlichen Vertrag geschlossen. Inhalt: Der Beamte versorgt künftig die Gaststättenbetreiber mit vertraulichen Polizeiinformationen, warnt sie vor geplanten Kontrollen durch Polizei-, Zoll- und Steuerbehörden. Im Gegenzug zahlen sie ihm monatlich Geldbeträge; in der Regel mindestens 500 Euro. Später sollen noch drei weitere Wirte hinzugekommen sein. Insgesamt soll Marek G. mehr als 44.000 Euro kassiert haben.

Schmiergelder für Immobilie auf Kuba verwendet

Am ersten Prozesstag wurde nur der Anklagesatz verlesen. Ob sich Marek G. und die angeklagten Gaststättenbetreiber zu den Vorwürfen äußern werden, ist offen. Das Schmiergeld soll der Polizist für eine Wohnung in Mariendorf ausgegeben haben – nach Angaben seines Verteidigers habe er sich eine Schrottimmobilie andrehen lassen. Weitere Gelder sollen nach Kuba geflossen sein, wo Marek G. ebenfalls eine Immobilie besitzt. Er ist mit einer aus Kuba stammenden ehemaligen Prostituierten verheiratet.

Laut Anklage hatte Marek G. einen Teil der Bestechungsgelder auf sein eigenes Konto bei der Sparkasse überwiesen. Er soll aber auch seine Mutter eingespannt und Gelder auf deren Konto transferiert haben, die sie dann wenig später an ihn weiterleitete.

Die Kollegen kamen durch eine anonyme Anzeige auf G.s Spur. Der Verdacht erhärtete sich, nachdem Mitarbeiter der Polizeidirektion bestätigten, dass sich Marek G. öfter sehr intensiv und detailliert nach bestimmten Planungen erkundigt habe.

In seiner Freizeit leitete der Oberkommissar einen in Pankow ansässigen Poker-Club, den Magic-Card-Poker-Club Berlin. Hier soll er den Ermittlungen zufolge einen Raum zur Einlagerung von Drogen zur Verfügung gestellt haben. Vorgeworfen wird ihm zudem, dass er bei einem der Mitangeklagten telefonisch eine Lieferung von Drogen orderte. Auf einem Parkplatz gegenüber dem Poker-Club soll er dann von einem Dealer das Kokain in Empfang genommen haben. Der Prozess wird am 27. November fortgesetzt.