Friedrichshain/Treptow

Verkehrssenatorin: Die Elsenbrücke muss abgerissen werden

Die Elsenbrücke zwischen Friedrichshain und Treptow ist schwer beschädigt. Nun muss sie abgerissen werden, sagt Senatorin Günther.

Die Elsenbrücke zwischen Friedrichshain und Treptow wird abgerissen

Die Elsenbrücke zwischen Friedrichshain und Treptow wird abgerissen

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Autofahrer in Berlin brauchen starke Nerven: Die beschädigte Elsenbrücke, die Treptow und Friedrichshain verbindet, muss abgerissen und neu gebaut werden. Zehn Jahre lang wird der Verkehr über die Spree nur zweispurig fließen, unter anderem ist eine Umleitung auf eine Behelfsbrücke geplant, teilte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) am Dienstag mit. Zudem könnten auch noch Diesel-Fahrverbote auf der Stadtautobahn A 100 verhängt werden.

Der Neubau der Elsenbrücke soll laut Günther im Jahr 2028 stehen. Notwendig wird er, weil Kontrolleure im Sommer einen Riss unterhalb der östlichen Fahrbahn festgestellt hatten. Seitdem ist sie für den Verkehr gesperrt. Dieser Riss, so die Senatorin, sei irreparabel. „Der westliche Teil der Brücke ist derzeit zwar nicht beschädigt, jedoch ist er baugleich zum östlichen“, sagte Günther. Die Gefahr, dass auch der Westteil in absehbarer Zeit Schäden nehmen könne, sei hoch: „Darum haben wir uns entschlossen zu sagen, wir reißen die ganze Brücke ab.“ Der Verkehrsfluss soll von der Erneuerung der Brücke möglichst unberührt bleiben, eine Vollsperrung plant die Verkehrsverwaltung zu keinem Zeitpunkt. Voraussetzung dafür ist, dass nicht auch im Westteil der Brücke Schäden auftreten. „Um das sicherzustellen, wollen wir so schnell wie möglich mit der Planung und dem Bau einer Behelfsbrücke beginnen“, sagte Günther.

Konkret sieht der Ablauf des Neubaus wie folgt aus: Bis Anfang 2020 sollen die Planungen für den Rückbau des Ostteils der Brücke abgeschlossen sein, der anschließend sofort beginnen soll. „Der Rückbau des Ostteils wird bis Ende 2020 dauern“, sagte Günther. Derweil soll der Verkehr wie momentan über die westliche Seite der Brücke fließen. „Parallel dazu, von Mitte 2019 bis Ende 2020, planen wir die Behelfsbrücke. Diese wird dann im Jahr 2021 errichtet.“ Bei der Behelfsbrücke handelt es sich im weitesten Sinne um eine provisorische Stahlkonstruktion, die auf den bestehenden Brückenpfeilern aufliegt. Sobald sie steht, wird sie für den Autoverkehr freigegeben, sodass von 2022 bis 2025 der intakte westliche Teil gesperrt, abgerissen und gänzlich neu gebaut werden kann. Ist dann der Westteil der Brücke fertig, soll die Behelfsbrücke wieder abgebaut werden und Platz machen für den Neubau des Ostteils der Brücke. Fertig soll alles im Jahr 2028 sein, die Gesamtkosten werden auf 50 Millionen Euro geschätzt.

Die Elsenbrücke zählt zu den wichtigsten Straßenverbindungen über die Spree. Tausende Autos und Linienbusse kreuzen auf ihr die Spree.Ende August hatten Techniker bei einer Routine-Untersuchung einen Riss von knapp sieben Meter Länge und einer Tiefe von 3,5 Zentimeter im Haupttrageelement der Brücke festgestellt. Kurzfristig wurde die Brücke daraufhin für den Verkehr gesperrt, was Staus vor allem auf der Oberbaumbrücke auslöste.

Anfang September wurde die Elsenbrücke zur Hälfte wieder freigegeben, der Verkehr in Richtung Ostkreuz wird seither über die Gegenfahrbahn auf dem westlichen Brückenüberbau geleitet, so dass je Fahrtrichtung zwei Fahrstreifen zur Verfügung stehen.

Die Elsenbrücke stammt aus den 1960er-Jahren, zuletzt saniert wurde sie 2009. „Damals wurde aber nur die Fahrbahn und mehrere Geländer instandgesetzt“, so Günther im Ausschuss. Tragende Elemente blieben außen vor – weil man es damals nicht für nötig erachtet habe.

„Der Riss verläuft horizontal durch die Brücke, ist 25 Meter lang und 1,8 Millimeter breit“, sagte Lutz Adam, Leiter der Tiefbauabteilung in der Verkehrsverwaltung, am Dienstag. „Für unsere Begriffe ist das ein extrem breiter Riss.“ Aufgetreten sei er binnen sechs Wochen. Lange war unklar, was genau ihn hervorgerufen hat. „Wir haben mehrere Ursachen erforscht“, so Adam. „Nun wissen wir, dass es am Spannbeton lag. Dieser wurde beim Errichten der Brücke nicht ordnungsgemäß verbaut.“

Bei Spannbeton handelt es sich um eine Variante des Stahlbetons. Dabei werden Stahlseile zwischen den beiden Enden der Brücke gespannt und anschließend mit Beton ummantelt. Im Falle der Elsenbrücke wurde eine bestimmte Sorte Henningsdorfer DDR-Stahl verwendet, die heute als besonders anfällig für Korrosionen gilt und reißen kann. „Sobald diese Sorte Stahlseile im Seilkasten liegt, müssen sie eigentlich binnen 14 Tagen mit Beton verpresst werden“, so Adam. „Beim Bau der Elsenbrücke 1968 geschah das aber erst nach sechs Monaten.“ Für den entstandenen Schaden bedeutet das: Er lässt sich nicht reparieren, weil dafür viele der rund 500 dünnen Stahlseile im Inneren der Brücke ausgetauscht werden müssen.

Der gleiche Stahlbeton ist auch in der Mühlendammbrücke in Mitte verbaut. Auch sie müsse langfristig ersetzt werden, so Adam. Noch sind dort aber keine Schäden zutage getreten. Anders sieht es bei der Brücke der Märkischen Allee über die Wuhletalstraße in Marzahn aus. Weil sie von sogenanntem Betonkrebs befallen ist, muss sie abgerissen und erneuert werden. Ab Dezember wird sie gesperrt, der Neubau soll im Jahr 2023 stehen.

Umwelthilfe will Fahrverbote in der Stadt noch ausweiten

Zusätzlicher Ärger droht Besitzern von Dieselfahrzeugen. Bei einer Pressekonferenz erklärte die Deutsche Umwelthilfe, dass die Sperrung der Stadtautobahn A 100 für Dieselfahrzeuge unausweichlich sei. Dies gehe aus der Begründung eines Urteils des Berliner Verwaltungsgerichts hervor, die am Dienstag öffentlich wurde. Schon im Oktober hat das Gericht entschieden, dass in Berlin von Mitte 2019 an wegen der hohen Luftverschmutzung elf Abschnitte stark befahrener Straßen für ältere Dieselautos zu sperren sind. Laut der Umwelthilfe ist das nur der Anfang: Das Gericht bestätigte, dass der Senat zu niedrige Schadstoffbelastungen in sein Berechnungsmodell aufgenommen habe. Es werde deshalb „für Diesel-Fahrzeuge einschließlich Euro 5 eine Reihe weiterer Fahrverbote – auch auf der Stadtautobahn A 100 – geben müssen“, sagte Jürgen Resch, Geschäftsführer der Umwelthilfe. Auch dieselfreie Zonen seien zu prüfen, da die Sperrung einzelner Straßen kaum praktikabel sei.

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