Berliner Verkehrsbetriebe

Häufige Fahrausfälle: Wenn der Bus wieder zu spät kommt

In den Außenbezirken fallen Linienbusse häufig aus oder fahren verkürzt. Die BVG begründet dies mit den vielen Baustellen.

Ein BVG-Doppeldecker an der Endhaltestelle Tegelort. Anwohner beschweren sich über häufige Ausfälle

Ein BVG-Doppeldecker an der Endhaltestelle Tegelort. Anwohner beschweren sich über häufige Ausfälle

Foto: Janine Richter

Berlin. Es ist ein Dauerärgernis: Morgenpost-Leser berichten immer wieder von verspäteten oder ausgefallenen Busfahrten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Und dass vor allem in den Außenbezirken, also genau dort, wo sie wegen fehlender Nahverkehrsalternativen am meisten gebraucht werden.

„In letzter Zeit fallen hier häufiger mal die Busse aus“, sagt etwa Marlies Sattler. Sie steht an der Bus-Endhaltestelle in Tegelort in Reinickendorf und schaut auf den Fahrplan. Teilweise habe sie hier schon mehr als 40 Minuten auf den Bus der BVG-Linie 222 gewartet, berichtet sie. Besonders für Menschen, die morgens zu Arbeit fahren müssten, sei dies ein riesiges Problem. „Von hier kommt man nicht weg. Hier gibt es keine S- oder U-Bahn.“ Dies seien unhaltbare Zustände, findet sie.

Der Bus 222 fährt von Tegelort über Tegel weiter nach Alt-Lübars. Er verbindet damit eher abgelegene Ortsteile. Seit Anfang April biegen viele Busse auf der Linie zwischen 6 und 9 Uhr und 13 bis 20 Uhr hinter der Haltestelle Zabel-Krüger-Damm/Alt-Lübars ab und fahren weiter zur Märkischen Zeile ins Märkische Viertel. „Ich habe das Gefühl, es kommt deshalb verstärkt zu Ausfällen und Verspätungen“, sagt Marlies Sattler. An der Haltestelle kommt sie mit einem Busfahrer ins Gespräch. Der erzählt ihr, dass er mit seinem Bus in Alt-Lübars oft nicht um die Ecke beim Eisladen herumkommt, weil dort trotz Halteverbot alles zugeparkt ist. „Dann verlieren wir dort immens viel Zeit“, sagt er.

BVG verkürzt bei großen Verspätungen die Fahrstrecke

Auch den Wahlkreisabgeordneten Stephan Schmidt (CDU) haben zuletzt vermehrt Bürgerbeschwerden wegen der Unzuverlässigkeit der BVG-Busse erreicht. Er hat sich deshalb an die Vorstandsvorsitzende der landeseigenen Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta, gewandt. Auf den Linien 124, 133 und 222 gebe es auffällig häufig Probleme im Fahrbetrieb. Schuld daran trügen die vielen Baustellen und die dadurch bedingten „Ausweichverkehre“, hieß es in der Antwort der BVG, die der Berliner Morgenpost vorliegt. „Wenn das ein ständiger Zustand ist, verstehe ich nicht, warum man dies nicht in die Fahrpläne einarbeiten kann“, sagt dazu Schmidt.

Eine Sprecherin der BVG verweist darauf, dass die Linie 222 durch die Verlängerung ins Märkische Viertel „verhältnismäßig lang“ sei. „Umso länger die Strecke, desto häufiger können auch Unfälle, Sperrungen und Ähnliches passieren.“ Bei größeren Verspätungen werden auch sogenannte Kurzwenden durchgeführt, wie es in der Stellungnahme der BVG heißt. Die Busse fahren aus der Innenstadt kommend dann nur noch bis zum U-Bahnhof Alt-Tegel und von dort aus wieder zurück.

Dadurch kann der Busfahrer zwar seine Verspätung aufholen, auf der anderen Seite werden die Haltestellen auf der Fahrstrecke nach Heiligensee, Konradshöhe und Tegelort einfach „ausgespart“. Dort warten dann die Fahrgäste vergeblich auf den Bus. Eine Wartezeit von mehr als 40 Minuten sollte aber die „absolute Ausnahme“ sein, könne aber infolge von Vollsperrungen nach Unfällen immer mal wieder passieren.

„Ich finde das nicht hinnehmbar. Im Zweifel ist es doch grundsätzlich besser, ein Bus kommt zu spät, als gar nicht“, sagt dazu Schmidt. Er habe die BVG-Chefin an den Verkehrsvertrag mit dem Berliner Senat erinnert, der auch Standards für Pünktlichkeit setze. Der Abgeordnete sieht die Erfüllung des Vertrages für den Bereich Heiligensee, Konradshöhe und Tegelort zurzeit „als stark gefährdet“ an und fordert schnelle Verbesserungen.

„Erheblicher Personalmangel“ bei den Verkehrsbetrieben

„Es gibt bei der BVG einen erheblichen Personalmangel“, sagt der Reinickendorfer Bezirksverordnete Felix Schönebeck (CDU). Seiner Kenntnis nach seien täglich mindestens zwanzig Dienste auf dem Betriebshof Müllerstraße nicht besetzt. Am Ende könnte der Fahrplan nicht erfüllt werden und die Kunden blieben auf der Strecke. „Die BVG muss bei der Personalplanung unverzüglich nachbessern, damit dieses Problem langfristig gelöst wird“, fordert er.

Reinickendorf ist längst nicht der einzige Bezirk, in dem es zu Ausfällen oder extremen Verspätungen im Busverkehr kommt. In Spandau etwa wurde bereits Ende 2017 im Verkehrssausschuss über den X34 diskutiert, weil die Busse auf dieser Linie häufig ihre Endhaltestelle in Kladow nicht erreichen würden. Die BVG erklärte damals, die Situation werde sich mit dem Ende mehrerer Baustellen entspannen. Aber: „Nach meinem Kenntnisstand hat sich die Situation auf der Line X34 nicht deutlich verbessert“, sagt Oliver Gellert, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Bei der Linie 135 gebe es in Kladow ebenfalls Probleme. Und auch im Norden des Bezirks gebe es viele Klagen, vor allem über die Linien 133 und X33, die zwischen Spandau und Reinickendorf verkehren. Der Bus 133 fährt dabei nur im 20-Minuten-Takt, „was bei einem Busausfall eine enorme zeitliche Verzögerung bedeutet“, so Gellert.

In Treptow-Köpenick ist die Buslinie 165 eine, die regelmäßig Probleme bereitet. Hier gebe es Wartezeiten von bis zu 35 Minuten, weil Busse ausfallen. „Das sind wir schon gewöhnt“, sagt eine Rentnerin. Das Ganze sei Folge des „Irrsinns der Verkehrslenkung“, weniger der BVG, meint Ralf Thies von der SPD-Fraktion in der BVV Treptow-Köpenick. Weil der Verkehr auf den Straßen immer dichter werde, würden auch Busse öfter im Stau stehen, hätten dadurch Verspätung oder Fahrten fielen komplett aus. Damit will sich Linke-Politikerin Katalin Gennburg nicht abfinden. Sie sagt: „Die Anbindung und Taktzeiten von Bussen und Straßenbahnen, die jenseits des Rings pendeln und Anschlüsse garantieren, sind überlebenswichtig.“

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