Kriminalität

Die Zahl der Intensivtäter in Berlin geht leicht zurück

Zum 30. Juni dieses Jahres wurden 431 Menschen als Intensivtäter erfasst. 61 Prozent der Kriminellen sind Deutsche.

Die Polizei greift durch: Razzia bei einer kriminellen Großfamilie in Berlin.

Die Polizei greift durch: Razzia bei einer kriminellen Großfamilie in Berlin.

Foto: Louisa Lagé

Berlin.  In der Hauptstadt leben derzeit 431 Intensivtäter. Das geht aus einer Statistik der Senatsverwaltung für Justiz hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Die Zahl der Täter ist damit leicht zurückgegangen. Zum 31. Dezember 2017 waren in Berlin noch 437 Menschen als Intensivtäter erfasst, zum Stichtag 30. Juni 2018 waren es sechs weniger.

Als Intensivtäter werden Kriminelle geführt, die eine schwere Straftat insbesondere aus dem Bereich der Raub- und Rohheitsdelikte begangen haben sowie innerhalb eines Jahres mindestens fünf Raubtaten und schwere Körperverletzungen. Außerdem werden all jene in der entsprechenden Kartei geführt, die innerhalb eines Jahres mindestens zehn Straftaten von einigem Gewicht begangen haben und bei denen die Gefahr einer sich verfestigenden kriminellen Karriere besteht.

Großeinsatz der Polizei auf dem Berliner Ring
Großeinsatz der Polizei auf dem Berliner Ring

Interessant ist für die Strafverfolgungsbehörden ein genauerer Blick in die Statistik. Dabei fällt auf, dass sich unter den 431 Intensivtätern nur sechs Frauen befinden. Die Quote deutscher Staatsangehöriger beträgt laut Justizverwaltung aber rund 61 Prozent. Die Anzahl der Intensivtäter aus den Kriegsgebieten in Syrien, dem Irak und aus Afghanistan beläuft sich auf 13 Personen. Aus den Maghreb-Staaten, also Tunesien, Algerien und Marokko, stammt laut Justizverwaltung nur ein in Berlin gemeldeter Intensivtäter. Mit 191 Personen befanden sich etwa 44 Prozent aller Intensivtäter zum Stichtag 30. Juni zudem in Straf- oder Untersuchungshaft oder waren nach dem Jugendgerichtsgesetz untergebracht.

Justizsenator lobt die Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) sieht in den Zahlen einen positiven Trend. „Der Rückgang der Intensivstraftäter passt zwar nicht ins Bild derjenigen, deren Geschäft die Angst der Menschen ist. Die Zahlen sind aber ein Beleg für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft“, sagte er der Berliner Morgenpost. Der geringe Anteil Geflüchteter aus Syrien, dem Irak, Afghanistan sowie den Maghreb-Staaten zeige zudem einmal mehr, dass die „Stimmungsmache gegen diese Menschen“ unbegründet sei, so der Grünen-Politiker.

Wichtige Hinweise für die Polizei geben auch die Zahlen der sogenannten Schwellentäter. Diese wiesen zum 31. Dezember 2017 genau 58 Jugendliche im Alter zwischen 13 bis 21 Jahren auf, zum 30. Juni 2018 waren es 49 Jugendliche. Deren Anzahl ist im Vergleich zum 30. Juni 2017 um 21 Intensivtäter gesunken.

Um die Jugendkriminalität in der Hauptstadt wirksamer zu bekämpfen, will Rot-Rot-Grün das erfolgreich in Neukölln erprobte Modell der „Staatsanwaltschaft für den Ort“ berlinweit ausbauen. Es sieht vor, dass sich Staatsanwälte ausschließlich um jugendliche Straftäter aus dem jeweiligen Bezirk kümmern. Der Neuköllner Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) plädiert auch dafür, auffällige Jugendliche langfristig aus den Familien herauszunehmen. Das Modell ist allerdings teuer und betreuungsintensiv. In einem Fall wurde das in Neukölln für ein Vierteljahr getan. Als der Junge in die Familie zurückkam, wurde er sofort wieder straffällig.

Zahl der Rocker in den Haftanstalten geht zurück

Die Polizei sieht auch bei der Rockerkriminalität eine neue Entwicklung. Nach einer Analyse, die der Berliner Morgenpost vorliegt, geht die Rockerkriminalität ebenfalls zurück. Es sitzen immer weniger Rocker in den Berliner Haftanstalten ein oder befinden sich im offenen Vollzug.

Waren es im Jahr 2013 noch 56, sank die Zahl bis zum 30. September 2018 auf 38. Allerdings lässt diese Statistik nur grobe Rückschlüsse zu, weil es möglich ist, dass Inhaftierte gerade bei mehrjährigen Haftstrafen die Anstalt wechseln, also mehrfach in der Zählung auftauchen können. SPD-Innenexperte Tom Schreiber sagte dazu: „Die Rockerkriminalität passt sich dem Verfolgungsdruck der Polizei und Staatsanwaltschaft an und versucht vorsichtiger zu agieren.“

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