Massive Probleme

Zahl der durchgefallenen Polizeischüler größer als vermutet

Bei der Berliner Polizeiakademie gibt es weitaus größere Probleme mit nicht bestandenen Prüfungen als bislang angenommen.

Es fallen weitaus mehr Polizeischüler durch als bislang angenommen

Es fallen weitaus mehr Polizeischüler durch als bislang angenommen

Foto: picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa

Berlin. Bei der Berliner Polizeiakademie sind die Probleme mit nicht bestandenen Prüfungen größer als bislang angenommen. Wie die Berliner Morgenpost aus Behördenkreisen erfuhr, ist aus dem Einstellungsjahrgang Herbst 2017 des mittleren Dienstes der Schutzpolizei fast die Hälfte der Schüler durch eine Prüfung zum Thema Eingriffsrecht, Verkehrsrecht und Öffentliches Recht gefallen.

Demnach bestanden 122 Anwärter den Test, 121 müssen zur Wiederholungsprüfung antreten. Schaffen sie diese nicht, wäre für sie die Ausbildung beendet. Auch im Jahrgang Frühjahr 2018 gibt es offenbar massive Probleme. Dort soll jeder Fünfte die Prüfung politische Bildung nicht bestanden haben.

Die Berliner Morgenpost hatte von vielen Schülern des Jahrgangs Frühjahr 2017 berichtet, die durch die Zwischenprüfung gefallen sind. Erste Polizeianwärter klagen gar gegen ihre Entlassung aus dem Beamtenverhältnis. Die Polizei bestätigte die juristischen Auseinandersetzungen, spricht aber von Einzelfällen. Bei diesem Jahrgang handelte es sich um den letzten, der noch eine Zwischenprüfung geschrieben hat und nach einer alten Ausbildungsverordnung unterrichtet worden war, hieß es. Die Schüler des Jahrgangs beklagten eine zu geringe Vorbereitungszeit auf die Wiederholungsprüfung, schlecht vorbereitete Lehrer und häufigen Unterrichtsausfall. Die Behördenleitung bestätigte, dass neue Fächerkombinationen gebildet wurden. Lehrkräfte, die früher etwa politische Bildung unterrichteten, müssen heute Verkehrsrecht und Öffentliches Recht lehren.

GdP: Kritik an neuer Struktur der Lehre nicht ohne Grund

Genau durch diese neue Fächerkombination sind nun auch reihenweise Schüler des Folgejahrgangs Herbst 2017 durchgefallen. Diese Anwärter sind die ersten Schüler, die nach der neuen Verordnung unterrichtet werden und keine Zwischenprüfung mehr ablegen müssen. Dafür schreiben diese Anwärter Semesterklausuren, die sie bestehen müssen.

„Die Zahlen dürfen niemanden überraschen, bereits vor Wochen kursierten öffentliche Berichte über hohe Abbruchs- und Durchfallquoten der vergangenen Jahre. Wir haben die Umstrukturierung der Lehre nicht ohne Grund kritisiert und nicht nach Lust und Laune auf den akuten Personalengpass beim Ausbildungspersonal hingewiesen“, sagte Norbert Cioma, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf Nachfrage der Berliner Morgenpost.

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