Verkehr in Berlin

So leiden Berliner Kieze unter dem Verkehr in Nebenstraßen

In vielen Kiezen der Stadt stauen sich die Autos, weil sie Hauptstraßen umgehen wollen. Bis sich die Situation ändert, dauert es oft lang.

Lange Staus, viele Abgase: Eine verstopfte Nebenstraße in Köpenick

Lange Staus, viele Abgase: Eine verstopfte Nebenstraße in Köpenick

Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Berlin.  Ob Baustellen oder der tägliche Stau zu Stoßzeiten die Ursache sind – Berlins Wohnstraßen bekommen immer häufiger den Ausweichverkehr von den vollen Magistralen ab. Selbst sogenannte Fahrradstraßen sind nicht das Allheilmittel gegen ein wachsendes Problem. Die Berliner Morgenpost hat sich umgesehen und einige Beispiele gesammelt:

Charlottenburg-Wilmersdorf

Die Prinzregentenstraße in Wilmersdorf ist bereits seit mehr als zehn Jahren eine Fahrradstraße. Nur Anlieger dürfen sie mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern die Stunde mit dem Auto passieren. Darüber setzen sich viele hinweg und nutzen die Strecke als Abkürzung, um aus östlicher Richtung schneller von der Wexstraße über die Prinzregenten- und Durlacher Straße zur Bundesallee zu gelangen. Das Netzwerk „Fahrradfreundliches Charlottenburg-Wilmersdorf“ hat voriges Jahr für den südlichen Abschnitt der Prinzregentenstraße 97 Prozent illegalen Durchgangsverkehr ermittelt. Der Bezirk plant nun am Volkspark Wilmersdorf Poller und Wendekreise. Unklar ist, ob Autofahrer so auch an der Ecke Prinzregenten- und Durlacher Straße zum Umkehren gezwungen werden sollen. Hier ist als Alternative eine vom Netzwerk vorgeschlagene Diagonalsperre im Gespräch. Autofahrer sollen aus südlicher Richtung kommend von der Prinzregenten nur noch nach rechts in die Durlacher Straße abbiegen können und nicht mehr nach links in Richtung Bundesallee.Es gebe von der Senatsverkehrsverwaltung eine Finanzierungszusage für 2019, sagte Verkehrsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Die grüne BVV-Fraktion hat dazu einen Antrag gestellt.

Mitte

Ähnliche Probleme gibt es auf der Linienstraße in Mitte, die ebenfalls als Fahrradstraße ausgewiesen ist. Das ändert nichts am quirligen Verkehr: Die enge Straße ist zu manchen Zeiten von vorne bis hinten voll mit Autos, in beiden Richtungen. Mitte-Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) reagierte jüngst auf ein auf Twitter veröffentlichtes Video: „Uops, fahre fast täglich die Linienstraße lang, so war es noch nie. Fahrradstaffel der Polizei, bitte helfen. Ordnungsamt darf nur ruhenden Verkehr kontrollieren.“ Er kündigte an, demnächst werde es verkehrsrechtliche Anordnungen geben, die den Autos diesen Schleichweg verderben.

Spandau

Der Pillnitzer Weg wird von Autofahrern gern als Schleichweg zwischen Innenstadt und Heerstraße genutzt, um dortige Staus zu umfahren. Die Straße, in der sich auch Kinder- und Senioreneinrichtungen befinden, beschäftigt den Bezirk schon seit mehreren Jahren. Laut BVV-Fraktion der SPD komme es immer wieder zu Anwohnerprotesten. Die Fraktion hat kürzlich erneut einen Antrag zu dem Thema gestellt und vom Bezirksamt gefordert, Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung für den Pillnitzer Weg zeitnah umzusetzen. Dazu soll die Straße an einer Einmündung abgesperrt werden. „Insbesondere für Kinder und ältere Menschen muss die Verkehrssicherheit erheblich erhöht und Durchgangsverkehr verhindert werden“, heißt es zur Begründung in dem Antrag.

Neukölln

In den Nebenstraßen, in denen Menschen in Ruhe wohnen und Kinder allein zur Schule gehen sollten, rasen täglich Autos mit 50 Stundekilometern und mehr, um die verstopfte Sonnenallee und Karl-Marx-Straße zu umfahren, die als Zubringer zur Autobahn 100 dienen. Zur Rush Hour gibt es sogar Staus im Wohngebiet. „Die Leidtragenden sind die Anwohnerinnen und Anwohner und die vielen Menschen, die hier zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sind und sich abseits der Hauptstraßen im Verkehrschaos wiederfinden“, sagt Nikolas Linck, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Berlin (ADFC). Er beklagt, dass die Verwaltungen nicht genug auf Beschwerden reagieren. „Oft kann die Situation in kleineren Straßen durch bauliche Maßnahmen verbessert werden“, so Linck. Eine Straße zur Fahrradstraße zu erklären, reiche nicht aus. „Nötig sind etwa versenkbare Poller. Oder eine bessere Verkehrslenkung durch Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr.

Mitarbeit: jes/ps/cla/latz

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