Neue Anlage

Rotlicht-Blitzer bringen Berlin Millionen

17 stationäre Anlagen spülen 6,5 Millionen Euro in die Landeskasse. Besonders profitabel ist die am Großen Stern.

Berlins stationäre Blitzeranlagen sind eine lohnenswerte Investition für das Land Berlin

Berlins stationäre Blitzeranlagen sind eine lohnenswerte Investition für das Land Berlin

Foto: dpa Picture-Alliance / CHROMORANGE / Karl-Heinz Sprembe / picture alliance

Berlin. In ganz Berlin gibt es 17 stationäre Rotlicht-Blitzer. Die bringen der Landeskasse jedes Jahr Millionen. Allein im Jahr 2017 und im ersten Halbjahr 2018 waren es 6,5 Millionen, die Berlin mit den Anlagen einnahm. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Peter Trapp hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt.

Dass sich die Blitzer lohnen, zeigt eine neue Anlage am Ernst-Reuter-Platz/ Ecke Otto-Suhr-Allee. Obwohl der Blitzer erst im April 2018 in Betrieb ging, wurden an der Stelle bis Ende Juni 2234 Verstöße registriert. In drei Monaten blitzte die Anlage damit soviel wie andere Geräte in einem Jahr. Die Kosten für die Installation betrugen laut Innenverwaltung 107.000 Euro.

Betriebskosten pro Anlage liegen bei 4000 Euro im Jahr

Auch sonst scheinen sich die Anlagen für Berlin zu lohnen. Im Schnitt betragen die Betriebskosten knapp 4000 Euro pro Anlage und Jahr. Die Gesamtkosten für den Betrieb, also Wartung, Eichung, Reparaturen und Strom, aller stationären Rotlichtblitzer liegt damit bei rund 70.000 Euro im Jahr – und damit deutlich unter dem, was die Anlagen einspielen.

CDU-Politiker Trapp fordert allerdings bei den Anlagen nicht nur auf das Geld zu schauen. „Wir sollten die Blitzer dort aufstellen, wo sie mehr Verkehrssicherheit bringen“, sagte er der Berliner Morgenpost. Das sei etwa an Kreuzungen der Fall, an denen es besonders viele Verkehrsunfälle gebe. Hinweise könne die Verkehrsüberwachung liefern, so Trapp weiter. Denn an den zehn Knotenpunkten der Hauptstadt gab es 2017 mehr als 1750 Unfälle, 14 Schwerverletzte und 139 Leichtverletzte. An vier der zehn unfallträchtigsten Kreuzungen stehen allerdings bereits Rotlichtblitzer.

Wer bei Rot fährt bekommt zwei Punkte und muss 200 Euro Bußgeld bezahlen. Kommt eine Gefährdung Dritter hinzu, können es auch 320 Euro Bußgeld sein sowie zwei Punkte. Schaut man in die Statistik der Innenverwaltung blitzte es im Jahr 2017 am häufigsten am Großen Stern/ Ecke Altonaer Straße. Dort wurden insgesamt 13.601 Verstöße registriert und damit doppelt so viele wie bei der Anlage auf dem zweiten Platz am Siemensdamm/ Ecke Nikolaus-Groß-Weg mit 6737 Verstößen. Auf dem dritten Platz lag die Anlage auf dem Tempelhofer Damm an der Auffahrt zur Bundesautobahn 100 mit 5.014 Verstößen.

Regelmäßig das Ziel von Attacken

Allerdings sind Rotlichtblitzer auch regelmäßig das Ziel von Attacken. Im Jahr 2017 und im ersten Halbjahr 2018 war das insgesamt vier Mal der Fall. Betroffen waren die Anlagen am Mehringdamm, Siemensdamm, Hallesches Ufer und am Ernst-Reuter-Platz.

Keine Aussage liefert die Statistik indes, warum die Anlagen teilweise extremen Schwankungen unterliegen. Das ist zum Beispiel bei dem Blitzer am Großen Stern der Fall. Während es hier im Jahr 2017 noch 13.601 Mal blitze, war das im ersten Halbjahr 2018 nur 1390 mal der Fall. Ein Grund dafür könnten allerdings die zahlreichen Großveranstaltungen und die damit verbundenen umfangreichen Sperrungen gewesen sein – darunter auch die Fußballweltmeisterschaft, bei der die Straße des 17. Juni für die Fanmeile gesperrt worden war.

Rotlichtblitzer stehen an folgenden Straßen:

Großer Stern/ Altonaer Straße, Siemensdamm/ Nikolaus-Groß -Weg, Tempelhofer Damm/ BAB A 100, Theodor-Heuss-Platz 2, Hallesches Ufer/ Schöneberger Straße, Bornholmer Straße/ Schönhauser Allee, Reichpietschufer/ George-C.-Marshall-Brücke, Osloer Straße/ Koloniestraße, Bundesallee/ Nachodstraße, Bundesallee/ Güntzelstraße, Innsbrucker Platz, Hermsdorfer Damm/ Waidmannsluster Damm, Mehringdamm/ Bergmannstraße, Oberlandstraße/ BAB A 100, Scharnweberstraße/ Antonienstraße, Prenzlauer Promenade/ Ostseestraße, Ernst-Reuter-Platz/ Otto-Suhr-Allee.

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