Verkehr

Die Zahl der Radfahrer in Berlin steigt

17 elektronische Zählstellen belegen den Trend. Die Oberbaumbrücke ist der am stärksten befahrene Abschnitt.

 Radfahrer fahren auf einem rot gekennzeichneten Radweg (Archivbild)

Radfahrer fahren auf einem rot gekennzeichneten Radweg (Archivbild)

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin.  In Berlin sind in diesem Jahr so viele Menschen mit dem Fahrrad unterwegs wie seit den 50er-Jahren nicht mehr. Was der Blick auf volle Radspuren und belegte Abstellplätze schon vermuten lässt, belegen jetzt Daten der elektronischen Fahrradzählstellen der Verkehrslenkung Berlin. Seit 2015 beziehungsweise 2016 erfassen sie an 17 über die Stadt verteilten Straßenzügen täglich und rund um die Uhr jeden Radfahrer. Jetzt sind sie im Open Data-Portal im Internet öffentlich zugänglich (daten.berlin.de).

In diesem Sommer wurden dort von Mai bis September insgesamt mehr als zwölf Millionen Radfahrer gezählt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 10,9 Millionen. Der Zuwachs von gut zehn Prozent täuscht zwar, weil das Wetter im Sommer 2017 im Gegensatz zu 2018 eher kühl und regnerisch war. Und die Bereitschaft, das Rad zu nehmen, hängt eben auch stark von der Witterung ab. Aber im Sommer 2018 waren auch erheblich mehr Radfahrer auf den Straßen als im vergleichbar guten Sommer 2016. Seinerzeit passierten zwischen Mai und September 11,65 Millionen Räder die 17 Zählstellen. Auch im Vergleich zu diesem warmen und trockenen Sommer ergibt sich also ein Plus von mehr als drei Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch, wenn man die Daten für die Wintermonate betrachtet. In dieser Zeit sind zwar erheblich weniger Radfahrer unterwegs, aber in den ersten zwei Monaten 2018 waren es deutlich mehr als in den beiden entsprechenden Vorjahreszeiträumen.

>> Wo in Berlin die meisten Radfahrer unterwegs sind

10.000 Radfahrer am Tag auf der Oberbaumbrücke

Die Zahlen bilden zwar den Fahrradverkehr nicht flächendeckend in der ganzen Stadt ab, bieten aber einen wichtigen Ausschnitt. Bessere Daten gibt es nicht. Denn obwohl in Berlin seit Jahren über einen Ausbau von Radspuren, Schnellstrecken und Parkplätzen diskutiert wird und die rot-rot-grüne Koalition ein Mobilitätsgesetz mit dem Schwerpunkt Fahrrad beschlossen hat, ist die offizielle Informationslage dazu eher problematisch. Die jüngsten offiziellen Angaben stammen aus einer Mobilitätsstudie aus dem Jahr 2013. „Forschungen zum Radverkehr sind dünn gesät“, sagte Nikolas Linck, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Es gebe „keine verlässlichen Zahlen“. Aber alle gingen gleichwohl davon aus, dass mehr Menschen Rad fahren als früher.

Der Senat hat sich vor dem Einsatz der elektronischen Messungen bisher immer auf sogenannte Pegelzählungen berufen. Dafür wurden an einem bestimmten Tag im Jahr an acht Stellen zwischen 7 Uhr und 19 Uhr die Radfahrer gezählt. Demnach wuchs ihre Zahl zwischen 2007 und 2016 um mehr als 36 Prozent.

Tatsächlich sind einige Orte der Stadt inzwischen so stark von Radfahrern frequentiert wie gut befahrene Schnellstraßen von Autos. Die Oberbaumbrücke zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, die am meisten befahrene der 17 Zählstellen, passieren jeden Tag im Jahresdurchschnitt 10.000 Radfahrer, an schönen Sommertagen sind es auch mal doppelt so viele. Für Autofahrer ist hier das Rechtsabbiegen phasenweise kaum möglich, weil ein Radfahrer nach dem anderen geradeaus über die Kreuzung rollt. Auch die Jannowitzbrücke in Mitte bringt es in der Spitze auf 16.000 Radfahrer pro Tag.

Weniger Unfälle, obwohl der Verkehr insgesamt zunimmt

Obwohl sich der Fahrradverkehr in der Innenstadt konzentriert, spielt das Verkehrsmittel Rad aber inzwischen auch in vielen Außenbezirken eine wesentliche Rolle. So wird zum Beispiel die Berliner Straße am Bahnhof Pankow von bis zu 12.000 Radfahrern pro Tag befahren. Auf der Klosterstraße am Rathaus Spandau, wo das Radfahren angesichts zahlreicher Buslinien mit ihren Haltestellen nicht eben angenehm ist, erfassen die Sensoren täglich mehr als 2000 Fahrräder. Am Breitenbachplatz in Wilmersdorf, den eine der ältesten Radstrecken der Stadt zwischen der Innenstadt und der Freien Universität passiert, sind es zwischen 2000 Menschen an Wintertagen und bis zu 6000 im Sommer.

Berlins Autofahrer gewöhnen sich offenbar zunehmend daran, die Straßen mit den Zweiradfreunden teilen zu müssen. Oder der Ausbau von Radwegen oder Radspuren zeigt Erfolge. Denn trotz der immer wieder zu beklagenden Unfälle vor allem durch abbiegende Lastwagen ist das Radfahren in Berlin statistisch gesehen sicherer geworden. Das teilte die Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage der Grünen mit.

Es gibt demnach immer weniger Unfälle, obwohl der Verkehr insgesamt zugenommen hat. 2015 zählte die Polizei 7774 Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren. 2017 waren es noch 7111. Kollisionen zwischen Lastwagen und Radfahrern ereigneten sich 402 Mal im Jahr 2017, 2015 waren es noch 446. Auch die Zahl der Unfälle mit Personenschäden ging zurück, von 5533 vor drei Jahren auf 5175 im Jahr 2017. Dabei kamen insgesamt 5511 Personen zu Schaden, wurden leicht oder schwer verletzt. Zehn Menschen starben.

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