Wohnungsbau

Nach Aldi und Lidl baut jetzt auch Tengelmann Wohnungen

Die nächsten Flachbau-Supermärkte werden abgerissen: Jetzt baut auch Tengelmann Mietwohnungen. Lebensmittel gibt es dann im Erdgeschoss

240 Wohnungen entstehen an der Pappelallee

240 Wohnungen entstehen an der Pappelallee

Foto: J.MAYER.H und Partner, Architekten

Berlin. Aldi hat es in Berlin vorgemacht, Lidl ist auch dabei, jetzt folgt Tengelmann: In der Hauptstadt entwickelt Trei Real Estate, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen von Tengelmann, nun im großen Stil Wohnungen an Standorten, die bislang ausschließlich mit einem Verkaufsflachbau sowie einem Kundenparkplatz bebaut waren. Insgesamt 750 Wohnungen sollen so entstehen, teilte Trei am Donnerstag mit.

Trei Real Estate investiert 82 Millionen Euro

Entstehen sollen diese Wohnungen mit jeweils integrierter Einzelhandels­fläche in Prenzlauer Berg, in Mitte und in Kreuzberg. Am weitesten fortgeschritten sind die Arbeiten an der Pappelallee 45–53 in Prenzlauer Berg. Der alte Flachbau wurde im Juli dieses Jahres abgerissen. Die Bauvorbereitungsmaßnahmen für ein Wohn- und Geschäftshaus mit rund 240 Wohneinheiten sowie einer 2600 Quadratmeter großen Einzelhandelsfläche, die unter anderem von einem Rewe-Markt genutzt werden soll, laufen. 82 Millionen Euro investiert Trei Real Estate in das Projekt, für das das Architekturbüro J.Mayer.H und Partner den Entwurf lieferte. Im Sommer 2020 soll das Gebäude bezugsfertig sein.

Ebenfalls in Prenzlauer Berg an der Ecke Winsstraße 18 und Marienburger Straße habe man nun die Baugenehmigung erhalten. 187 Mietwohnungen und 2700 Quadratmeter Gewerbefläche sind auf den insgesamt sechs Stockwerken geplant, der Baustart soll im März 2019 erfolgen, die Fertigstellung im ersten Quartal 2021. Der architektonische Entwurf stammt von dem Architekturbüro Stephan Höhne. „Die Baugenehmigung unserer Projektentwicklung in der Winsstraße ist ein weiterer Meilenstein in der Umsetzung unserer Wohnstrategie“, sagt Pepijn Morshuis, Chef der Trei Real Estate. „Gerade bei der Überbauung von innerstädtischen Einzelhandelsflächen sehen wir großes Potenzial für die Schaffung neuer Wohnflächen.“ Durch Abriss und Neubau werde die gleiche Fläche sehr viel effizienter genutzt und dringend benötigter Wohnraum geschaffen, so Morshuis weiter.

Vier Vorhaben sind in Berlin geplant

Neben den beiden Projekten in Prenzlauer Berg entwickelt die Trei an der Fürstenberger Straße 8 in Mitte und der Köpenicker Straße 11–12 in Kreuzberg entsprechende Vorhaben. Insgesamt investiert das Unternehmen in die vier Projekte nach eigenen Angaben rund 250 Millionen Euro. Mit welchen Mietpreisen die Trei plant, wollte das Unternehmen auf Nachfrage der Berliner Morgenpost jedoch noch nicht verraten. Nur so viel: Weil für die Grundstücke kein Bebauungsplan aufgestellt werden muss, kommt auch das sogenannte Berliner Modell, wonach 30 Prozent der Wohnungen mietpreisgebundene Sozialwohnungen sein müssen, nicht zur Anwendung.

Mit den vier Berliner Wohnprojekten beschreitet Trei weitgehend Neuland. Lediglich in Köln hat das Unternehmen bisher eine Studenten-Apartmentanlage errichtet. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft der Unternehmensgruppe Tengelmann werde jedoch im Rahmen ihrer langfristigen Strategie verstärkt Wohnimmobilien entwickeln, so Morshuis.

Die Kombination von Supermarkt und Wohnraum ist in Berlin nicht ganz neu – und politisch hoch erwünscht. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat bereits 2015 etwa 300 eingeschossige Lebensmittel-, Drogerie- und Getränkemärkte identifiziert, die sich für eine mehrstöckige Bebauung mit Wohnungen eignen. Zudem hatten der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) im September zum zweiten Supermarktgipfel geladen, um mit Vertretern der Lebensmittel-Filialunternehmen auszuloten, wie der Umwandlungsprozess beschleunigt werden kann.

Discounter will 30 Geschäfte aufstocken

Anfang dieses Jahres hatte Aldi angekündigt, an mindestens 30 Standorten in Berlin in Kombination mit Aldi-Nord-Märkten rund 2000 Wohnungen errichten zu wollen. An der Silbersteinstraße 146 in Neukölln und der Sewan­straße 259 in Lichtenberg sollen die ersten knapp 150 Wohneinheiten bereits Mitte 2019 fertig sein. Auch Aldi will die Wohnungen nicht verkaufen, sondern selbst im Bestand halten und langfristig vermieten. Anders als die Tengelmann-Tochter gab Aldi den angepeilten Mietpreis bekannt: 6,50 bis zehn Euro je Quadratmeter nettokalt. Aldi errichtet die Wohnungen im Rahmen seiner Modernisierungsstrategie, die den Umbau des gesamten Filialnetzes vorsieht. 135 Märkte betreibt das Unternehmen aktuell in Berlin, viele sollen durch modernere und größere Verkaufsflächen ersetzt werden.

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