Gründerszene

Gutes Klima für Start-ups in Berlin

Die Gründer sind zufriedener als im Bundesdurchschnitt. Es gibt aber Probleme bei der Mitarbeitersuche.

Qualifizierte IT-Spezialisten sind auch in Berlin immer schwerer zu finden

Qualifizierte IT-Spezialisten sind auch in Berlin immer schwerer zu finden

Foto: Georgijevic / Getty Images

Das Gründerklima Berlins bindet nach wie vor Start-ups an die Stadt – alle 62 befragten Berliner Unternehmen bewerteten dieses in einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC mit sehr gut oder eher gut. Damit liegt Berlin über dem deutschen Durchschnitt. Bundesweit benoteten 86 Prozent der 1000 befragten Start-ups das Gründerklima an ihrem Standort mit sehr gut oder eher gut. 14 Prozent fanden es eher schlecht bis sehr schlecht.

Ob eine Stadt als Standort attraktiv ist, entscheidet sich am regionalen Ökosystem für Start-ups. Das sind Rahmenbedingungen, die es Gründern erleichtern, in einer Stadt Fuß zu fassen. Dazu gehören etwa die digitale Infrastruktur, die Nähe zu Universitäten und Messestandorten, die bürokratischen Hürden und die Lebenshaltungskosten. In fast allen Bereichen liegt Berlin über dem bundesweiten Durchschnitt.

Berlin ist attraktiv für Gründer

„Die Attraktivität Berlins als Gründerstandort ist ungebrochen“, sagt Thomas Kieper, Leiter von PwC Berlin. 97 Prozent der Start-ups schätzen die wirtschaftspolitischen Initiativen wie Hub-Gründungen und öffentliche Wettbewerbe vonseiten der Stadt. Auch mit der digitalen Infrastruktur und der Nähe zu wichtigen Universitäten seien 95 Prozent der Befragten zufrieden.

„Doch gerade die steigenden Kosten sind für Gründer ein großes Pro­blem“, sagt Kieper. So rutscht Berlin in der Kategorie der Lebenshaltungskosten deutlich unter den Bundesdurchschnitt: Mit 47 Prozent bewertet fast die Hälfte der befragten Berliner Start-ups die Situation in der Hauptstadt als eher schlecht bis sehr schlecht. Deutschlandweit sind 78 Prozent der Gründer hingegen zufrieden mit den Lebenshaltungskosten an ihrem Standort. In Berlin klagen die Jungunternehmer zudem über Schwierigkeiten bei der Mitarbeitersuche. Auch die Gründerszene spürt den Fachkräftemangel. Das Hauptpro­blem sind laut der Studie aber die Gehaltsforderungen der Bewerber. Diese seien zu hoch und machen die Rekrutierung von Fachkräften schwierig, sagen 45 Prozent der Befragten.

Start-ups haben in der Anfangsphase Probleme, regelmäßig Gehälter zu zahlen

Andreas Splanemann, Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Berlin-Brandenburg, kann die Forderungen der Bewerber nachvollziehen. „Gut qualifizierte Beschäftigte werden auch von etablierten Unternehmen gesucht. Die Nachfrage treibt den Preis“, sagt er. Auch zahlten einige Start-ups gerade in der Anfangsphase kein regelmäßiges Gehalt an ihre Mitarbeiter. Traditionelle Unternehmen böten hoch qualifizierten IT-Fachkräften mehr Sicherheit. Andererseits nähmen viele Bewerber die Unsicherheit und die langen Arbeitszeiten in Kauf, weil sie an die Idee des Unternehmens glaubten.

Alles in allem herrscht in der Szene Optimismus vor: Die Berliner Start-ups erwarten laut der Studie ein Umsatzwachstum von zehn Prozent. Im bundesweiten Durchschnitt werden acht Prozent erwartet. Gleichzeitig arbeitet ein Großteil von ihnen rentabel – etwa drei Viertel erwirtschafteten im vergangenen Jahr Gewinne.

+++ Berlin-Podcast +++ Diese Woche bei „Molle und Korn“: Die TV-Serie „Babylon Berlin“ hat Free-TV-Premiere in der ARD – und die Erwartungen sind hoch. Im Nahverkehr: Die S-Bahn muss Strafe zahlen wegen Minderleistung. Und: Alt-Berliner Wohnungen mit Bediensteten-Klingel.

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