Immobilien

Eigentumswohnungspreise in Berlin steigen langsamer

Es werden weniger Immobilien verkauft, doch für Eigentum zahlt man mehr als doppelt so viel wie 2008.

Bau von Eigentumswohnungen im Stadtteil Prenzlauer Berg (Archivfoto)

Bau von Eigentumswohnungen im Stadtteil Prenzlauer Berg (Archivfoto)

Foto: Lothar Ferstl / dpa

Berlin. Angesichts stetig steigender Mieten in Berlin überlegen viele Berliner, ob sich für sie der Erwerb einer Eigentumswohnung lohnt. Doch selbst wenn ein gut gefülltes Bankkonto zur Verfügung steht, wird die Suche zunehmend schwieriger: Wie bereits 2016 ist auch im vergangenen Jahr die Zahl der verkauften Wohnungen gesunken. 21.377 Wohneinheiten wurden 2017 verkauft, 5,2 Prozent weniger als noch im Jahr 2016 (22.549 Einheiten). Das geht aus dem Accentro-Wohneigentumsreport 2018 hervor, für den die Daten der Gutachterausschüsse für die 81 größten deutschen Wohnungsmärkte ausgewertet wurde

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Zugleich sind die Wohneigentumspreise in Berlin im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf durchschnittlich 263.966 Euro gegenüber 250.215 Euro im Jahr 2016 gestiegen, wie aus dem Report, der der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt, hervorgeht. „Das entspricht einem Plus von 5,50 Prozent“, sagt Jacopo Mingazzini, Chef des börsennotierten Wohnungsunternehmens Accentro Real Estate AG mit Sitz in Berlin. Im Vorjahr 2016 hatte Berlin noch ein Plus von 16,73 Prozent verzeichnet. „Nach den enormen Preissprüngen in den vergangenen zehn Jahren beruhigt sich die Entwicklung jetzt erst einmal. Die Zahlen in der Bundeshauptstadt zeigen jedoch weiterhin nach oben“, sagt Mingazzini. Allein in den letzten zehn Jahren sind die Verkaufspreise für Eigentumswohnungen in Berlin um 134,63 Prozent gestiegen. Im Zehnjahresvergleich ist Berlin damit auch weiterhin die deutsche Großstadt mit dem stärksten Preisplus. „Grenzt man den Langzeitvergleich jedoch auf die vergangenen fünf Jahre ein, dann rutscht Berlin auf Rang zehn“, so Accentro-Chef Mingazzini.

Mit einem weiteren deutlichen Preisrückgang in den kommenden Jahren rechnet der Marktexperte jedoch nicht. Dies liege vor allem am weiterhin niedrigen Zinsniveau und an dem ungebrochen starken Zuzug nach Berlin, dem ein vergleichsweise geringes Neubauvolumen gegenüberstehe. Im vergangenen Jahr wurden in Berlin nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg insgesamt 15.669 Wohnungen fertiggestellt. Im gleichen Jahr wuchs Berlin um 41.000 Einwohner. „Die Berliner Verkaufspreise sind im Verhältnis zu den anderen Metropolen nach wie vor relativ niedrig“, nennt Mingazzini einen weiteren Grund. So würden in München, Hamburg und Frankfurt jeweils mehr als 400.000 Euro für eine Wohnung gezahlt. Unter den Top-7-Städten befinde sich einzig Köln auf einem ähnlichen Wohnungspreisniveau wie Berlin.

Während die Verkaufszahlen 2017 insgesamt leicht gesunken sind, wuchs der Anteil der neu gebauten Wohnungen gegenüber den sogenannten Bestandswohnungen. Mit 5711 Transaktionen gegenüber 5608 Einheiten im Jahr 2016 legte der Verkauf von Neubauwohnungen mit 1,84 Prozent leicht zu. Berlin ist neben Düsseldorf die einzige der Top-7-Metropolen, die 2017 eine positive Entwicklung der Neubauverkaufszahlen verzeichnete. Bundesweit sind die Verkaufszahlen für Neubauwohnungen zurückgegangen (um 14,63 Prozent). „Der Investitionsfokus verschiebt sich immer mehr in die Bundeshauptstadt, denn Berlin hat sowohl preislich als auch beim verfügbaren Bauland noch deutlich mehr Luft nach oben als München“, so Mingazzini. Die stabilen Verkaufszahlen machten deutlich, dass die Bundeshauptstadt weiterhin große Anziehungskraft auf Käufer von Neubauwohnungen habe. Eine Rolle spielen könne aber auch das sogenannte Umwandlungsverbot von Miet- in Eigentumswohnungen in Milieuschutzgebieten, sagt das Unternehmen, das sich selbst als marktführenden Dienstleister bei der Wohnungsprivatisierung bezeichnet.

Umwandlung von Mietwohnungen nimmt zu

Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gibt es in Berlin aktuell 48 Milieuschutzgebiete. Fast jede fünfte Wohnung und jeder fünfte Bürger Berlins unterliegt mittlerweile dem Milieuschutz. Die steigende Anzahl der Milieuschutzgebiete hat sich nach aktuellen Zahlen des Berliner Gutachterausschusses jedoch bislang nicht auf die Anzahl der Umwandlungen ausgewirkt. Demnach wandelten Hauseigentümer im vergangenen Jahr 16.548 Miet- in Eigentumswohnungen um und damit sogar deutlich mehr als noch im Vorjahr. Knapp 13.000 waren es 2016. Auch in Milieuschutzgebieten sind Umwandlungen erlaubt, wenn sich der bisherige Besitzer verpflichtet, Wohnungen für sieben Jahre nur an die Mieter zu verkaufen.

Für den Berliner Mieterverein (BMV) ein ernstes Problem, „denn nach einer Umwandlung folgen oft Eigenbedarfskündigungen und massive Mietsteigerungen“, so BMV-Chef Reiner Wild. Eine verständliche Sorge. So lassen sich mit einer bezugsfreien Bestandswohnung deutlich höhere Verkaufspreise erzielen als mit einer vermieteten. Laut Accentro-Bericht beträgt die Differenz etwa bei einer Altbauwohnung in Citylage rund 1000 Euro pro Quadratmeter.

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