Neue U-Bahnwagen

Mega-Auftrag: Berlin bekommt 1500 neue U-Bahnen

Die BVG will eine Milliarde Euro zusätzlich in den Kauf neuer Züge investieren – der größte Auftrag in ihrer Geschichte.

Um den lukrativen Auftrag bewerben sich nach Informationen der Berliner Morgenpost fast alle großen europäischen Schienenfahrzeughersteller

Um den lukrativen Auftrag bewerben sich nach Informationen der Berliner Morgenpost fast alle großen europäischen Schienenfahrzeughersteller

Foto: Tim Brakemeier / dpa

Berlin.  Bei den Berliner U-Bahnen gibt es immer öfter Klagen über Verspätungen, Ausfälle oder Kurzzüge. Der Berliner Fahrgastverband Igeb warnte zuletzt gar davor, dass die U-Bahn am Rande eines Verkehrskollapses stehe.

Ein solches Szenario wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) aber unbedingt verhindern. Dazu will der Nahverkehrsanbieter in den nächsten 15 Jahren seine knapp 1300 Wagen umfassende U-Bahnflotte nicht nur komplett erneuern, sondern spürbar vergrößern. Nach einem Beschluss des Aufsichtsrates können die landeseigenen Verkehrsbetriebe ab dem Jahr 2021 bis zu 1500 neue U-Bahnwagen dafür kaufen, sagte BVG-Vorstandschefin Sigrid Nikutta im Interview mit der Berliner Morgenpost. Das seien 450 mehr als bislang vereinbart. „Wir reden da von rund einer Milliarde Euro zusätzlich, eine gigantische Investition, die das Land Berlin macht. Das ist ein großartiges Bekenntnis zum öffentlichen Nahverkehr Berlins“, sagte Nikutta.

Auch die Mindestabnahmemenge, also die erste Tranche des Auftrags, habe sich signifikant erhöht. Die BVG verpflichtet sich, 606 statt nur 446 Wagen zu kaufen. Der Gesamtauftrag mit nunmehr einem Volumen von mehr als drei Milliarden Euro sei der größte in der fast 90-jährigen Geschichte der Berliner Verkehrsbetriebe, betonte Nikutta. Es sei zudem einer der größten Lieferaufträge, die es in Europa je gab. Die konkrete Auftragsvergabe soll laut Nikutta im nächsten Jahr möglichst im Frühjahr erfolgen, die Auslieferung der neuen Wagen könne dann 2021 beginnen und bis 2035 abgeschlossen sein.

Erfreuliche Entwicklung im öffentlichen Nahverkehr

Laut der Wirtschaftssenatorin und Aufsichtsratsvorsitzenden der BVG, Ramona Pop (Grüne), hat es in Berlin eine sehr erfreuliche Entwicklung im öffentlichen Nahverkehr gegeben. „Aber wir wollen, dass sich noch mehr Berlinerinnen und Berliner umweltfreundlich bewegen und auf Bus und Bahn umsteigen. Daher hat sich der BVG-Aufsichtsrat entschlossen, den Rahmen für die Bestellung neuer U-Bahnen deutlich zu vergrößern“, sagte sie der Berliner Morgenpost.

Man habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, als über Jahre hinweg keine neuen Züge für die BVG bestellt wurden. „Der neue Rahmen für die Bestellung neuer U-Bahnwagen gibt uns zudem mehr Flexibilität, um auf neue Entwicklungen im Nahverkehr zu reagieren, ohne erst eine zeitaufwendige neue Ausschreibung machen zu müssen“, sagte Pop. Finanziert werden soll der Fahrzeugkauf über den neuen Verkehrsvertrag, den die BVG für die Zeit ab Anfang 2020 bekommen wird.

Fast alle großen europäischen Schienenfahrzeughersteller bewerben sich

Bereits im Vorjahr hatte die BVG für den U-Bahnwagenkauf ein europaweites Vergabeverfahren gestartet. Um den lukrativen Auftrag bewerben sich nach Informationen der Berliner Morgenpost fast alle großen europäischen Schienenfahrzeughersteller, darunter in einem Anbieterkonsortium die Firmen Siemens und Bombardier sowie die Stadler Pankow GmbH, die bereits aktuell neue Züge für die wegen der schmaleren Tunnel als Kleinprofilnetz bezeichneten Linien U1 bis U4 liefert. Im Rahmen von zwei Aufträgen seien bisher insgesamt 92 neue Wagen der IK-Baureihe ausgeliefert worden, die noch fehlenden 68 Fahrzeuge sollen bis April 2019 in Betrieb gehen.

Nach Angaben der BVG-Chefin reicht wegen des hohen Durchschnittsalters der U-Bahnflotte von fast 30 Jahren diese Wagenlieferung aber nicht aus. Gerade erst habe der Betriebsleiter der U-Bahn weitere 22 Wagen der 1979 gelieferten U-Bahnbaureihe F79 wegen irreparabler Risse in den Wagenkästen stilllegen müssen. Damit erhöhe sich die Gesamtzahl der nicht einsatzfähigen Wagen dieser Baureihe auf 28.

Als großes Problem für die U-Bahn bezeichnete Nikutta auch die zunehmende Zahl von Graffiti-Attacken. Zeitweise seien bis zu fünf Prozent des Fahrzeugparks nicht einsatzfähig, weil die Schmierereien von Fenstern und anderen sicherheitsrelevanten Teilen entfernt werden müssen. Um die Ausfälle zu verringern, plant die BVG den Bau eines zweiten speziellen Waschgleises zur Graffiti-Entfernung. Wegen der hohen Umweltschutzvorgaben kostet der Bau der Anlage im Betriebshof Britz gut 15 Millionen Euro.

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