Tariferhöhung

Taxifahren in Berlin soll teurer werden

Noch in diesem Jahr wird die Kartengebühr von 1,50 Euro gestrichen, doch die Tarife werden wohl angehoben.

Am Flughafen Tegel warten Taxifahrer auf Kunden. Viele Fahrgäste zahlen hier mit Kreditkarte

Am Flughafen Tegel warten Taxifahrer auf Kunden. Viele Fahrgäste zahlen hier mit Kreditkarte

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening / picture alliance / Arco Images

Berlin. Die Zusatzgebühr bei Kartenzahlung in Berliner Taxis soll noch in diesem Jahr entfallen. Das teilte der Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung, Matthias Tang, am Freitag auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. „Wir sind in den letzten Zügen, eine entsprechende Senatsvorlage ist bereits im Mitzeichnungsumlauf“, sagte Tang und bestätigte damit einen Bericht der „Berliner Zeitung“. Wie lange genau es dauern wird, bis der Senat den Wegfall des 1,50-Euro-Aufschlags beschließt, wollte Tang nicht sagen. Es könne sich aber nur noch um wenige Wochen handeln. Aus Taxifahrerkreisen ist zu hören, dass es schon ab Oktober für Fahrgäste keinen Aufpreis mehr geben soll.

Auch die Taxiverbände ärgert das lange Verfahren

Eigentlich gilt bereits seit Mitte Januar eine EU-Regelung, der zufolge die Kartenzahlung für den Kunden kostenfrei zu sein hat. Berlin aber ließ sich sehr viel Zeit, um sie umzusetzen. Zuletzt hatte deshalb die Berliner FDP-Bundestagsabgeordnete Daniela Kluckert angekündigt, bei der EU-Kommission Beschwerde gegen den Senat einzureichen.

Auch die Taxiverbände ärgert das lange Verfahren. „Wir haben bereits im April einen Vorschlag für eine Tarifanpassung mit entsprechendem Wegfall der Gebühr gemacht“, sagte Detlev Freutel vom Taxi Verband Berlin Brandenburg (TVB) der Morgenpost. „Geschehen ist dann aber lange nichts, was ich für unverantwortlich seitens der Verwaltung halte.“ Ursprüngliche Idee der Verbände war, die Gebühr abzuschaffen und gleichzeitig die Tarife zu erhöhen. „Da das aber zu lange dauert, wurden die Verfahren getrennt“, so Tang. Der Gebühren-Wegfall wird nun zuerst beschlossen, die Verhandlung über eine Tarifanpassung soll später beginnen.

Der Grund, weshalb alles so lange dauert, liegt auch in den sogenannten Firmen- und Couponfahrten. Dabei rufen Unternehmen ein Taxi, was anschließend über eine Kundennummer der Firma abgerechnet wird, manchmal lösen Fahrgäste auch Coupons ein, die ihnen ihr Unternehmen zur Verfügung stellt. Bis zu 30.000 solcher Fahrten finden in Berlin auf diese Weise statt – pro Tag. „Der Papieraufwand dafür ist sehr groß“, so Freutel. „Die Fahrer müssen spezielle Abrechnungen bei der Taxizentrale einreichen, dafür eine Bearbeitungsgebühr von 75 Cent bezahlen.“ Die andere Hälfte der 1,50 Euro bleiben beim Fahrer, weil auch er einen größeren Aufwand hat. Nach Morgenpost-Informationen war der Verkehrsverwaltung bis zuletzt gar nicht bewusst, wie hoch die Kosten sind. Zu Beginn hatte sie offenbar vorgeschlagen, den Aufpreis für Coupon-Fahrten zu halbieren.

Das wird es nun allerdings nicht geben. Nach einer Anhörung von Verbänden vor zwei Wochen haben sich Taxifahrer und Verwaltung darauf geeinigt, den Firmenfahrten-Zuschlag in der gewohnten Form beizubehalten, lediglich die Kartengebühr zu streichen. „Das ist auch richtig“, so Freutel. „Die Fahrer brauchen die Aufwandsentschädigung, weil sie wirklich mehr Arbeit damit haben. Die Gebühr für Kartenzahlungen aber ist völlig aus der Zeit gefallen. Und die Kosten, die die Kartenanbieter erheben, sind stark gesunken.“

Taxifahren soll in Berlin aber teurer werden

Was Freutel allerdings möchte, ist eine allgemeine Tariferhöhung. Die Forderungen vom April sehen vor, dass der Tarif für Kurzstrecken bis zu zwei Kilometer von fünf Euro auf sechs Euro steigt. „Zudem streben wir an, dass der allgemeine Kilometerpreis für die ersten sieben Kilometer von zwei Euro auf 2,20 Euro angehoben wird“, so der Verbandschef. Für jeden weiteren Kilometer danach sollen 1,65 Euro statt bislang 1,50 Euro fällig werden. Der Grundpreis pro reguläre Fahrt soll hingegen bei 3,90 Euro bleiben. „Und bei Wartezeiten an der Ampel oder im Stau bleibt es dabei, dass der Taxameter anhält“, so Freutel. Beschlossen ist das aber noch nicht, die Verhandlungen stehen erst noch an.

Offen ist auch, inwieweit sich die Gebühren für Taxifahrten zum und vom Flughafen Tegel erhöhen. Hintergrund: Der Airport will die Parkbuchten im Innenring mit Schranken versehen, um Schwarzfahrer zu bekämpfen. Die Kosten für die neue Infrastruktur könnten sich Flughafen und Taxifahrer teilen – mit einer höheren Gebühr pro Fahrt, die auch bei den Fahrgästen ankäme. Im Raum steht derzeit eine Erhöhung von derzeit 50 Cent auf zwei Euro pro Fahrt.

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