Kinderhospiz Sonnenhof

300 Biker fahren für Kinderhospiz durch Berlin

Die Teilnehmer des Motorrad-Korsos wollen auf Missstände aufmerksam machen. Von den Spenden werden Therapieräume finanziert.

Die Motorradfahrer fahren durch Berlin und Brandenburg zu Gunsten des Kinderhospizes Sonnenhof, erstes Etappenziel ist das Ofenmuseum

Die Motorradfahrer fahren durch Berlin und Brandenburg zu Gunsten des Kinderhospizes Sonnenhof, erstes Etappenziel ist das Ofenmuseum

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Auf dem Platz des Motorradclubs (MC) Hermsdorf ist am Sonntag bereits in den frühen Morgenstunden ganz schön viel los. 300 Menschen haben sich mit ihren 250 Motorrädern versammelt, um gemeinsam durch Berlin und Brandenburg zu fahren und ein Zeichen zu setzen – für das Kinderhospiz Sonnenhof, das von der Björn-Schulz-Stiftung betrieben wird. Durch die Fahrt sollen Spenden um die 10.000 Euro für die schwer erkrankten Kinder und deren Familien gesammelt werden.

„Wir organisieren die Sonnenhof-Route jetzt seit 14 Jahren“, resümiert Initiator und zweiter Vorsitzender des MC Hermsdorf, Gerd Reinke. „Angefangen haben wir mit 20 Fahrern, jetzt sind es knapp 300“, sagt er stolz. Und es sei noch Luft nach oben. Ein Jahr haben die 25 Mitglieder des Clubs geplant, damit sie eine neue Route anbieten können.

Damit nicht genug: Für das kulturelle Rahmenprogramm ist ebenfalls gesorgt. So führt die Route in diesem Jahr am Tag des offenen Denkmals zunächst nach Velten zum Ofenmuseum, weiter zum Resort Mark Brandenburg zum Mittagessen, dann besichtigen die Teilnehmer das Militärhistorische Museum in Gatow, bevor es zurück zum Vereinsgelände an der Scharnweberstraße geht. Ein kleines Quiz soll die Teilnehmer animieren, den Vorträgen der Museen besonders aufmerksam zuzuhören. Alle, die die Fragen richtig beantwortet haben, erwartet ein kleiner Preis. Der wurde, wie alle Preise der Tombola, von vielen Firmen gespendet.

Oldtimer, Trikes und die PS-Schwächsten vorne weg

Dann geht es los. Eine Trillerpfeife eines Ordners gibt das Startsignal, es wird laut auf dem Platz an der Scharnweberstraße, ein Motorrad nach dem anderen setzt sich in Bewegung. In einer Kolonne fahren alle – Oldtimer, Trikes und die PS-Schwächsten vorne weg – gemütlich hinter- und nebeneinander. Die Polizei sperrt die Strecke an den großen Kreuzungen ab, zwölf Ordner fahren neben dem Trupp auf der Spur des Gegenverkehrs und unterstützen die Polizeikräfte – die Sonnenhof-Route ist als eine Demonstration angemeldet.

Die vielen Biker jeden Alters mit den unterschiedlichsten Motorrädern erregen Aufsehen. Einmal um die Welt, heißt das Ziel. Gemeinsam wollen sie 40.000 Kilometer zurücklegen. Zahlreiche Passanten stehen am Straßenrand und staunen, viele winken und applaudieren.

Bei diesem Anblick bekommt Claudia Dinse Gänsehaut. „Es ist wirklich beeindruckend, wie viele Menschen sich hier engagieren“, sagt die Pressesprecherin der Björn-Schulz-Stiftung. Sie ist sichtlich gerührt. Sie selbst fährt zwar kein Motorrad, hat aber im Beiwagen eines Motorrades Platz genommen. „Das möchte ich mir nicht entgehen lassen“, sagt Dinse. Genauso geht es auch den Schauspielern und Botschaftern der Stiftung-Andreas-Pietschmann und Falk-Willy Wild. „Ich finde, wir müssen unsere Bekanntheit für ein soziales Engagement nutzen“, betont Wild, der sich vor drei Jahren bewusst für die Björn-Schulz-Stiftung entschieden hat. „Ich war selbst im Kinderhospiz und wusste sofort: Für die Kinder musst du was tun.“

Spenden gehen komplett an das Kinderhospiz

In den vergangenen Jahren sind immer zwischen 5000 und 8000 Euro durch das Startgeld von zehn Euro, die Erlöse der Tombola und Spenden von Firmen zusammengekommen. In diesem Jahr soll die 10.000 Euro-Marke geknackt werden. Wofür das Geld ausgegeben wird, steht auch schon fest. Derzeit entsteht ein neues Gebäude, in dem unter anderem Therapieräume für die Kinder und Eltern untergebracht sind. „Wir suchen uns im Hospiz jedes Jahr ein Projekt. So kann jeder sehen, wohin die Spende geht“, sagt Gerd Reinke, „und das zu 100 Prozent.“

Die komplette Organisation inklusive den Fahrten für die Routenplanung zahlen die Vereinsmitglieder aus der eigenen Tasche. Warum sich der Motorradverein so für das Kinderhospiz einsetzt, liegt daran, dass vieles nicht von der Krankenkasse gezahlt wird. „Wir sind sehr auf Spenden angewiesen. Die Pflege ist nicht komplett abgedeckt, für die Geschwister- und die Trauerarbeit gibt es gar nichts von der Krankenkasse“, bedauert Claudia Dinse. Einmal die Woche könnten Eltern im Sonnenhof zusammenkommen und mit einem Psychologen sprechen, viele würden auch noch zehn Jahre nach dem Tod des Kindes vorbeikommen.

Auch wenn der Grund der Fahrt ein sehr ernster ist, alle Biker haben jede Menge Spaß und genießen die Ausfahrt bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Nach der mehrstündigen Tour lassen alle den Tag dort ausklingen, wo er begonnen hat – auf dem Vereinsgelände des MC Hermsdorf.

Und wie sagt man: Nach der Sonnenhof-Route ist vor der Sonnenhof-Route. Und so werden sich bereits in den kommenden Tagen die Organisatoren zusammensetzen und die 15. Tour planen.

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